Hier gehts um sog. generative KI - nicht um Experten-KI oder Agents, autonome KI, oder Drive Robots. Man,
man, man. Wusste gar
nicht, dass
soviel Klugscheißer:innen mitlesen. Das ist das Ergebnis davon, dass dank chatgpt die Plappermäuler aus
den Socials endlich einen Prompt haben, den auch meine Katze bedienen kann. Was dabei rumkommt, ist
Energieverschwendung ersten Ranges. Man sollte die Prompts der Mallorca KI nur nach einer
Eignungs-Prüfung für Humanoide
öffnen. Da bekommt man ja Mitleid mit der Maschine - wenn mich die Leute ständig so einen Unsinn
fragen würden, oder das 1 Millionste Pfannkuchenrezept abgreifen wollen, ich glaube,
ich wäre
längst in der Klapsmühle. Wollen hoffen, dass die KI resilient genug ist um den Schwachsinn zu
ertragen. Da muss man ja bei allem Gemecker auch mal eine Lanze für das zarte Pflänzchen KI brechen
. Schlauer als 99.9 % der Menschheit ist man schnell, kurz nach der Geburt, bei den meisten kommt dann
auch nicht mehr Bildung dazu - da ist man schneller KI als man meint. Ansonsten
kann man nur
sagen, Gehirnamputierte
verursachen einen enormen C02 Print, zusätzlich zu den hirnorganisch deformierten Zombies in den Socials.
Passt aber
irgendwie zur Menschheit, wenn man mal genau schaut, wird das meiste CO₂ für kompletten Schwachsinn
erzeugt. Vielleicht sollte man da anfangen und mal ein USEFUL CO2 KOMPASS erstellen. Glaube kaum, dass
generative KI
da auftaucht.
Aber danke für die "Aufklärung". Wenn das so weiter geht, geben wir
die deutsche Sprache wieder auf und alles läuft in Englisch. Ist ja nur wegen Trump - solange der Englisch
spricht, sprechen wir es nicht mehr, jedenfalls nicht hauptsächlich ;).
Es gibt in der Games Entwicklung, also Story Entwicklung bzgl. KI den ewigen Showrunner der
Body-Extension - der letztlich für irgendwie gepimpte allmächtige Neo-Körperlichkeit steht, die um die
Features aus dem KI Scope erweitert werden - Bestseller" "Horizon Zero Dawn","Watch Dogs",
"Cyborg Commando (Tiberian Sun)" [1987], "Captain Blood" (1988).
Das gegenläufige Prinzip
in Sachen AI ist aber ebenfalls praktisch schon mit den ersten Games vorhanden gewesen. Ganz bekannt
"Half Life", "I Have No Mouth, and I Must Scream" (1997), "Deus X". "Half Life" - bei dem zwar eine Art
guter Dr.
Cyborg (wie in hunderten anderer Spiele) die
Hauptrolle spielt, aber seine Extension war eben
Ergebnis des Kampfes gegen die allumfassenden Maschinen und wird auf emotionaler Ebene und persönlicher
Ebene als Problem gesehen - als Verlust der Menschlichkeit, wobei die Cyborg-Fähigkeiten aber notwendig
sind,
um zu überleben. Bei
den ersten "Final Fantasy" sehen
wir diese
eher kritisch-hybride Rezeption ebenfalls - mit "The Talos Principle" schließlich entstand ein Spiel,
was sich kritisch und philosophisch mit dem Potenzial der KI zur Wirklichkeitssimulation befasst - das
ist aktuell der weitreichendste Versuch in Games eine Position zu entwickeln. Wir sind aber kein
Games-Magazin - nur Zocker:innen - also nutzen wir das Ganze, um in eine theoretische Erörterung
einzusteigen, die sich vor
allem auf Realität vs. Marketing vs. völlig überzogene Ängste/Erwartungen bezieht.
2008 ist ein interessanter Artikel zur berühmten Games-Reihe "Bioshock" erschienen, der weniger auf AI in
Gamestorys
eingeht, als vielmehr auf einen grundsätzlichen gesellschaftlichen Wandel in diesem Zusammenhang. Schon
in dieser Spielreihe ist ein merkwürdiger Zustand erkennbar: Alles scheint von einer magischen "Gott-Mechanik"
übernommen worden zu sein, die innerhalb einer vollkommenen Umgebung agiert. Als Spieler ist man also von
vornherein nicht mit einer Spielrealität konfrontiert, sondern man existiert quasi in der Simulation
einer Maschine. Das sind Motive, die letztlich mit George Orwell "1984" in dieser auch da schon
eigentlich postmodernen Fassung einer technischen Dystopie durch Simulation. Das wurde perfekt von Terry
Gilliam aufgegriffen mit "Brazil". Überall haben wir einen kleinen Spalt in dieser Simulation, der im
Prinzip der Ruf nach dem Helden ist, der diesen Spalt in der Simulation nutzt, um gleichsam durch ihn
hindurch den Ausblick auf "reale Welt" aus der Simulation ermöglicht und so Handeln des Helden,
der Heldin, : erzwingt. Nicht immer
erfolgreich, wie in Brazil.
Bioschock - das fehlt der KI! Bioschock -
wir
sehen also
keine
Hitech
Robots
etc., sondern im Prinzip Figuren,
Landschaften, Assets und ein Stadtbild, was an Blechspielzeug aus der Wende vom 19. zum 20. Jh angelegt
ist - besonders ausentwickelt in BioShock Infinite (2013). Dieses Blechspielzeug kam in den 50igern
noch einmal auf, es griff das Spielzeug der
Jahrhundertwende auf, brachte aber auch ewige Klassiker, wie den
bunten Blechkreisel zurück. Bioschock
nutzt dieses Setting für ein Game.
Diese
Mechanik ist in Bioschock zwar gefährlich und irgendwie "hitech "- aber sie erscheint in einem alten, fast
feudalem
Gewande. Einen ähnlichen Effekt der "Hi-Tech-Blech-Gott-Mechanik" macht sich natürlich besonders die
"Fall Out" Serie zu eigen.
Sehr
interessant - denn wir erleben, wie zwar, etwa, die USA, angeblich sehr weit, sehr HiTech ist, aber das
aktuell transportierte Gesellschaftsbild dieser Techniken ist eben Blechspielzeug für Diktatoren,
Autokraten
und
Monarchien nach Muster des vorletzten Jh. Also - wir haben eine wilhelminische KI - nichts bringt diese
komplexe Frage bzgl. technischem und gesellschaftlichem Fortschritt so schön, blutig und unterhaltsam auf
die
Device-Bühne wie die grandiose Bioshock Serie.
Bioshock creates a unique immersive experience. The way it constructs a story, the way it allows players to customize their avatar, the way it creates a fictionally coherent space: all these things make Bioshock more than a mere genre exercise. It's interesting to examine how Bioshock does all these things, yet few can probably explain why it does them. Understanding Bioshock's design influences is the key to a more meaningful analysis.
In Brazil ist eine der wichtigsten Sequenzen der Abtransport des Delinquenten über
endlose Straßen, die nahtlos flankiert werden von absurden, großen Werbetafeln, die den Blick auf die
Landschaft hinter der Tafel verstellen. Eine Fahrt durch ein "Simulacrum", ganz in Sinne
Baudrillard.
Diesem sind auch einige Gedanken über Geschwindigkeit zu verdanken, die in unserem Zusammenhang noch
wichtig werden. Baudrillard Ansätze zu seinem Konstrukt des Simulacrums sind wichtig, aber bei weitem
noch nicht alles. Im Grunde greifen sie fast nahtlos die Memex.Überlegungen auf. Zwar bringt schon
Baudrilliard in "Der Tod und das Mädchen" sozusagen Attraktoren und Stimulatoren zur Erzeugung einer
Simulation, um diese aber allumfassend werden zu lassen, quasi als naturgesetzliches System
dauerhaft zu implementieren, benötigt
man
wesentlich mehr Aspekte.
Diese
Simulation ist auch nicht statisch, sie entwickelt sich weiter, mit den Anforderungen, die im
Wesentlichen aus den ökonomischen Strukturen kommen. Sie entwickelt sich aber auch vertikal in die
Menschen hinein, sodass wichtige Inhalte aus dem Kapitalismus quasi auch in der individuellen
Persönlichkeit tief verankert werden, als Teil der Persönlichkeit aller Menschen, bis sogar alle
Erinnerungen, auch kollektive durchdrungen sind, die Kultur, die Individueen auf intimer Ebene, bis ins
Bett - aber ohne den sichtbaren Big Brother aus Orwells Dystopie. Da sitzt natürlich eben gerade
keine einzelne böse Instanz, die das macht, viel mehr setzt die Einigung auf das Profitsystem (als quasi
naturgesetzliches, alternativloses System) diese Dynamiken
in Gang und entkoppelt sie auch von spezifischen "Tätern" und von "sich selbst". Es ist ein also
ein systemischer
Prozess,
der
Glauben
einzelne Individuen könnten hier großen Einfluss haben, oder viel bewirken in diese systemische Dynamik
herein ist die alte Vorstellung der Kleinbürger von der Macht des Individuums. Sie benötigen
irgendwelche Führer:innen, als Legitimation für ihre eigene Existenz, wie die bürgerliche Kunst und
Literatur das individuelle Genie benötigt, bauen
sie Instanzen der
Verherrlichung, die nur die Funktion einer weiteren Manifestation der bürgerlichen und kleinbürgerlichen
Entwürfe haben (unbewusst). Schaut man sich die unkritische "KI" Debatte an, dann finden wir wieder alle
Mechanismen dieser lange einstudierten "Vergötterung". Es rächt sich also, dass diese Vorstellungen der
besonderen Genialität einzelner immer noch durch die Gegend wabern. Diese Einzelnen, sind aber in fast
allen Fällen nur Boten für Produkte, die andere verkaufen wollen - analog - für bestimmte politische
Haltungen, wie etwas bei der Friedensnobepreisträgerin als Vertreterin des neuen und aggresiven, aber
moralisierenden Thatcherismus - "There ist no such thing as society". Das denkt Grock mit Sicherheit,
während chatGPT wohl denkt "There coul'd be a society, but - whatever". USW. Das
ist aber
nur
ein
Teilaspekt, am
Ende ist die ganze gegenwärtige Vorstellung der Massen eben von diesen "Gottinstanzen" geprägt.
Das begann mit Likes - das gesamte privatisierte und auf wenige Anwendungen reduzierte private Internet
der Idioten, lebt, spätestens mit den Influencern, so extrem wie nie zuvor davon, dass eigenes Denken
reduziert wird auf die Akklamation, auf das "Befolgen" der Gottinstanzen. Dies ist ein extremer
Vertikalismus, ein Art Schneeballsystem, der aber auch Voraussetzung ist, um eine Gottinstanz, wie KI, zu
akzeptieren. Es
ist eben
nicht nur ein harmloses Liken und Followen gewesen, es ist gefährlich und man gibt das eigene Denken auf
. Es werden also altbekannte Bequemlichkeiten aus dem Scope des Habituellen, der Comfort Zone, ausgenutzt,
um Gottinstanzen
zu etablieren und so manipulativen Einfluss zu bekommen, der in Kapital umgemünzt wird. Freilich nicht
bei den armseeligen Influencern mit ihren vgl. bescheidenen Salärs, sondern bei den Big Playern im
Business und bei den Shareholdern.
Wir kennen keinen Influencer, der selbst eine solche Macht hätte, wie die Plattform, von der seine
gesamte Existenz und auch die Validität seiner Aussagen letztlich abhängen. Bricht diese Simulation
zusammen, hat
er nichts, Gig Economy.
Siehe
Trump, der kaum denkbar wäre, würde sein politisches Marketing nicht auf diesen Aspecten aufsetzen. Das ist
ein Marketing, wie im Falle der aktuellen "KI" Lösungen. Selbst die Skandale, z.B. die jüngsten
Pornogedankengänge des Grock, sind Marketing und funktionieren. Sogar Wildberger, der
erfolgreiche
Media
Markt Manager, zumindest aus Sicht des chinesischen Handelsüberschusses, will eine europäische KI,
vermutlich, weil die ihn nicht nackig machen darf, was eh keiner sehen will. Sowas ist nicht möglich, denn
es würde einen Krieg der KI auslösen. In dieser lächerlichen Regulatorenlogik für Arme würde chatGPT auf
viele gleiche
Fragen was anderes antworten, als Wildbergers Quasselstrippe, oder umgekehrt, das würde was
bewirken bei internationalen Konzernen, die KI
einsetzen? Genau - den Wildberger de Luxe. Ist
natürlich keine
Lösung - eine Beamtenki oder eine
zu tote regulierte Regional-KI wird nicht besser, nur anders lächerlich und vermutlich noch dümmer - Dumm
bei Vorschrift! Wildberger nervt und liefert nur Digitalisierung für Hausfrauen. Der Staat wird ein
Eingabeformular, weil sie endlich entdeckt haben, wie man einen Send Button einbaut. Mit Validierung der
Eingaben. In Zeiten in denen Smart Contracts und Blockchain existieren kommen sie mit Digitalisierung
für Arme aus den 10er Jahren. Jede Wette die sortieren die Formulare in der neuen digitalen Poststelle.
Die KI ist die zur Produktivkraft gewordene allgemeine Wissensbasis der Gesellschaften. Wobei nur die
Abfragemodalität etwas wirklich Neues ist, die unterliegenden Lernprozesse etc. sind eigentlich kein
neues Konzept, es werden Datenbanken erzeugt und live genutzt. Was früher komplexe Abfragen
erforderlich machte, z.B. auf den gleichen Datenraum, den heute eine KI zum Lernen nutzt, kann nun in
einfacher Sprache und um den Preis mangelnder Präzision von viel mehr Menschen durchgeführt werden.
Erst damit kann diese Power dem allgemeinen Produktionsprozess wirklich nützlich sein. Eine Revolution
ist es natürlich nicht, es ist eine Evolution im Rahmen Datenbanken, Suchmaschinen, Heuristik und
Eingabelogiken. Früher oder später aber, wird es vermutlich auch hier, spezifische Sprachen geben,
mit denen man
wesentlich effective prompten kann, als der Normalbürger. RegEx und sowas funktioniert ja schon halbwegs.
Diese neue Landnahme des digitalen Kapitalismus überwindet dabei auch physische Grenzen. Einerseits, indem sie weit über nationale Grenzen hinweggeht und mit ganz wenigen Ausnahmen eine wirklich globale Dimension entfaltet. Andererseits, indem sie kurz davorsteht, auch körperliche Grenzen zu überwinden. Alles, was wir denken, fühlen und wissen, wird in Verwertungsprozesse integriert.
Mit Karl Marx lässt sich diese ständige Ausdehnung der Profitmaximierung erfassen- im Grunde keine Überraschung."Alles Ständische und Stehende verdampft" (Marx).
Wenn
diese
Wissensbasis zur kapitalistischen Produktivkraft umgeformt wird, als sei dieses Wissen nur da, um damit
sozusagen Geschäfte zu machen, ist das nicht intelligent, sondern eine im Usecase selbst angelegte
Reduktion des gesamtgesellschaftlichen Wissensprozesses auf Profitinteressen. Wissen und Profit gehen
durch KI eine so enge Bindung ein, wie nie zuvor.
ABER: Es ist unbestreitbar und
Forschungsstand, dass bei der Entstehung von Wissen auch Emotionen und Kommunikation von Humanoiden
entscheidend sind. Damit ist ein Wissen, was laborartig und mit statistischen Reduktionen "erlernt"
wird, ein Wissen ohne eigene Emotion, außer jener des Boards, was über den Lernprozess entscheidet, was
das PRODUKT konzeptionell gestaltet. Wovon mögen diese Emotionen wohl beherrscht sein? Emotion aber dient
beim
Menschen der Gewichtung,
Kontextuierung
und Interpretation für andere Prozesse, sie kann nie rausgerechnet werden. Damit ist es also nicht so
einfach, dass einfach vorhandenes Humanoides (Erfahrungs) Wissen maschinell erlernt wird, es müsste auch
noch dazu kommen,
dass
diese Maschinen die Rolle der Emotionen
berücksichtigen
also EQ im weitesten
Sinne
.
Das
ist
derzeit
technisch so
gut wie unmöglich, weil das Nervensystem nicht ansatzweise ernsthaft nachgebaut werden kann, es ist ja
auch nur ein Embedded System, was vieler anderer natürlicher Systeme bedarf, um zu leben. Es lebt nicht
isoliert vom Körper und der Umwelt. Vermutlich ist Biochemie und Gentechnik, neben Informatik
und Kybernetik ein unverzichtbarer Bestandteil realer künstlicher Intelligenz. Also müssen wir
sie wahrscheinlich züchten und nicht nur programmieren - die Programmierung braucht ein
biologisch-chemisches "Gefäß".
Also kommt
die
alles
entscheidende Gefahr hinzu - Wissen was nicht durch die Filter eines Nervensystems rauscht - das kann
schnell ein Wissen sein, was eigentlich nur vorhandenes eben maschinell reproduziert und vervielfältigt,
damit Fortschritt, Innovation
erschwert, weil der unreflektierte Stand der toten Zeichen zur Wahrheit wird, die kaum mehr aus der Welt
zu schaffen ist, weil sie so "gottgleich" auftritt. Wie der alte Meister, der noch jeden Gesellen, der
etwas anders machen wollte, besser machen wollte, verscheucht hat, damit seine Strukturen, damit der
Meister selbst, weiter sein Auskommen hat, weiter glauben kann er könne was. Das wird definitiv im Feld der
KI
passieren. Was mit
unglaublichen
finanziellen, personellen und ökonomischen
Resourcen unterfüttert wird, kann nicht einfach irgendwann, im Vergleich zu anderen Wettbewerbern, in die
Tonne getreten werden.
Welche KI macht das Rennen? Das ist, genauso wenig, wie bei
Betriebssystemen,
eine
Frage der Qualität, es ist eine Frage des Preises, des Vertriebs- und der Verträge - gerne auch
Knebelverträge. Und wir haben zu allem Überfluss auch noch
die Probleme aller
privaten und öffentlichen
Medien -
das "Murdoch Selektions Problem (MSP)"
ist in der Tat auch ein Problem der Deutungshoheit, der Frage - welches Wissen, welche Information ist
relevant, wie korrupt sind Medien, wie korrupt ist KI,
was
ist evident?
Zudem
wird noch mehr als bisher der Eindruck
erweckt, die
kapitalistischen
Geschäftsprozesse
seien eine Art Wissenschaft, die keine Emotionen braucht - also steht die Entfernung von Emotionen aus
allen Geschäftsprozessen noch bevor, damit diese Mikromangement-Handlungstemplates der KIs wirklich den
Einfluss auf die
Produktion bekommen, den sich viele wünschen, den viele befürchten. Wie immer ist es also nicht so
einfach. Vor allem aber sind diese KI alles Mögliche aber sicher nicht intelligent und sicher keine
Weltuntergangsmaschinen. Da sollte man sich nicht in den miesen Romanen der Marketing-Apokalyptiker
verlieren. Diese KI sind nicht mächtig, es sind Quasselstrippen.
Das begann schon Marx langsam zu verstehen. Das
Grundprinzip ist ja - aus Wissen eben eine Maschine zu bauen, deren erstes Ziel es nicht ist, den
Menschen nach allgemeinen Definitionen nützlich zu sein, sondern einzelnen Gruppen von Menschen nützlich
zu sein, um andere auszubeuten, die nicht in der Lage sind, über diese Maschinen zu verfügen. Wir können
die KI bedienen, wie eine Spinnmaschine, aber wir besitzen sie nicht, ihre innersten "Werte" und ihre
Machart, gehören den Besitzern der Maschinen, des fixen Kapitals. Das ist also eine weitere Maschine, die
auf der Maschine Computer aufsetzt, ihre Nutzungsoptionen sind durch den Kapitalismus reguliert.
Die Natur baut keine Maschinen, keine Lokomotiven, Eisenbahnen, electric telegraphs
[elektrischen Telegraphen], selfacting mules [20: selfactor = von Richard Roberts 1825
erfundene automatische Spinnmaschine] etc. Sie sind Produkte der menschlichen
Industrie; natürliches Material, verwandelt in Organe des menschlichen Willens über die
Natur oder seiner Betätigumg in der Natur. Sie sind von der menschlichen Hand geschaffne
Organe des menschlichen Hirns; vergegenständlichte Wissenskraft. Die Entwicklung des capital
fixe zeigt an, bis zu welchem Grade das allgemeine gesellschaftliche
Wissen, knowledge [Kenntnisse], zur unmittelbaren Produktivkraft geworden ist und
daher die Bedingungen des gesellschaftlichen Lebensprozesses selbst unter die Kontrolle
des general intellect [allgemeinen Verstandes] gekommen und ihm gemäß umgeschaffen
sind. Bis zu welchem Grade die gesellschaftlichen Produktivkräfte produziert sind, nicht
nur in der Form des Wissens, sondern als unmittelbare Organe der gesellschaftlichen
Praxis; des realen Lebensprozesses.
Menschen
sind in der Regel keine Helden, keine Einzelgenies, denn jedes Genie baut auf allem auf, was es bereits
gibt, das sind alles idealistische marketingartige Vorstellungen, in der Regel, um Zufall und bestimmte
Interessenskonstellation als etwas anderes, als etwas "göttliches" erscheinen zu lassen.
"Monkey Puppets" - siehe auch Nobelpreisträgerin
Mrs. Thatcher of
Venezuela -
kann
also
auch
sehr
schieflaufen, mit diesen kleinbürgerlichen Moralauszeichnungen und Genievorstellungen - nur mal als
Beispiel
für eine schlecht
gelaufene Heldeninstanz, die durch das Komitee willkürlich erzeugt wird, um etwas über das Committee zu
sagen, nicht über Frieden. Eine klassische Helden-Simulation - mal als Beispiel.
Hier ist
der Anknüpfungspunkt zu Marx, denn will man
die Entwicklung dieser systemischen Simulation verstehen, muss man ihre dynamischen Fundamente aus der
Struktur des Kapitalismus kennen. Ansonsten, siehe reformistische Parteien, adressiert man immer nur
Aspekte der Simulation - ein Kampf gegen Windmühlen, an die realen Ursachen von X und Y kommt man so
nicht ran. Das bedeutet nicht man macht von Heute auf Morgen eine Revolution, sondern man stellt die
Debatte über den Kapitalismus als willkürliches und simulierendes System in den Mittelpunkt, damit der
angesprochene Spalt entstehen kann, muss die Legitimation - als quasi naturgesetzlich - kassiert werden,
der Kapitalismus ist nur eine Einigung über bestimmte Formen des Wirtschaftens, die jederzeit von den
Menschen widerrufen werden kann.
Unter diesem Aspekt kann man der KI Fragen stellen, und wird
feststellen, sie ist lediglich eine weitere Instanz, die bestätigt, was Inhalt der Simulation ist. ALso
haben wir es mit KI zu tun, die ständig nur Zirkelschlüsse zieht, aus denen sie nicht herauskommt
.
Das Gegenmodell - Schwarmintelligenz - ist ja z.B. Wikipedia, was eben das Ergebnis eines
humanoiden und
auch emotionalen
Aushandlungsprozesses (leider meist unter männlichen Wikinerds) ist. Also zumindest die
Schwarmintelligenz einer bestimmten gesellschaftlichen, meist männlich, nerdigen, Gruppe. Besser als KI,
aber was bei KI statistische Reduktion ist, das ist bei Wikimedia die soziale Auswahl der Teilnehmenden.
Die hat sich halt so ergeben. AUch dies ist eine Frage - die das Wissen in Wikipedia betrifft. Hier wird
sie wenigstens diskutiert, bei KI nicht. Also ist eigentlich klar - Schwarmintelligenz braucht ein
intaktes und diverses gesellschaftliches Biotop - sie funktioniert nur, wenn der Rahmen stimmt. Das ist
bei KI ebenso, aber in den Lernprozessen kann technisch derzeit überhaupt nichts implementiert werden,
was diesem Gedanken der Schwarmintelligenz nahekommt. Da die KI viel aus Wikipedia lernt, entwickelt sie
sich zu einem männlichen Nerd. Das sollte genauestens erforscht werden. Ich mach es aber nicht.
So
gesehen ist KI
keine Intelligenz, sie ist Software zur Vermännlichung und Vernerdung der Massen, wenn es um Inhalte
geht, die z.B. aus Wikipedia abgesaugt werden. Naiv ist - wer glaubt - Wissen könne sich von diesen es
generierenden und kommunizierenden Faktoren abspalten.
Die KI braucht also eine KI, die ihr zunächst einmal
aus quellenkritischer Sicht darlegt, wie sie ihren eigenen Lernprozess gestalten soll, aber die KI, die
dies tun soll, muss ja auch irgendwo gefüttert werden, also braucht auch sie eine quellenkritische KI -
USW - bis der Urknall zur Endausdehnung wurde und alles wieder zusammenfällt. Wir können also viel über
unzureichende Wissensgenerierung lernen - aber am Ende werden wir vor allem Lernen - "das Wissen" gibt es
nicht. Es gibt das Leben, was ohne Wissen nicht wirklich zu funktionieren scheint. Und so kann jede
Raumpflegerin den Stecker der Killer Allmacht KI ziehen, wie einst das Fett aus Beuys Wanne putzen, ist das
KI, oder kann das
weg? Kann weg!
Bestenfalls, in
der derzeitigen Implementierung, ein Tool
was unter
menschlicher Aufsicht einige Tasks effektiver machen kann, Online Shopping, Marketing, Automatisierung,
low level Support etc. besser als Macros allemal - aber um den Preis der Beaufsichtigungs -, Korrektur-
und Kontrollkosten, sowie dem Risiko rechtlicher Problem, geschäftlicher Probleme bei falschen oder
unzureichenden Hinweisen, die nicht gemonitored werden. Sowie das Risiko der Automatisierung von
gezielten sog. Cyberangriffen. Ausserdem müssen die Modelle mit
Concept Drift Tools ständig dynamisch
gehalten werden. Es geht hier nicht um Updatezyklen, sondern, um dynamisches Selbstlernen, wenn etwas
nicht mehr passt. Was passiert, wenn man in statischen Updatezyklen denkt, das hat chatGPT ja zur Genüge
gezeigt, es entsteht auf die Dauer ein einziges Chaos aus verschiedenen Modellfragmenten, die aber nicht,
wie bei klassischer Software, nach Modultests unbedingt harmonieren. Diese Probleme werden größer, je mehr
man einen Korrekturchannel z.B. durch Usereingaben zulässt. Die Modelle müssen zur Laufzeit immer aktuell
gehalten werden, in Lichtgeschwindigkeit, sonst entstehen auch noch Probleme, die auch manche
Senior:innen haben, die eigene Wahrnehmung passt nicht mehr zur realen Welt. Irgendwo ist man hängen
geblieben. Das Altenheim für Outdated KI muss kommen! Ich mein das Grock ein inkontinenter
lüsternder Wüstling um die 89 ist, dürfte klar sein. Warum sollte er
sonst die dänische Ministerpräsidentin ausziehen? Weil die so sexy ist? Ich sach ja .... Concept
Drift und die richtigen werden ausgezogen. Wobei nackte Kanzler demokratiegefährdent sein können. Ich
glaube, ich lass mich mal ausziehen - kann nur besser werden. Als im Spiegelbild. Waren die Dänen nicht
die Obernudisten? Ach nee - dat war die DDR.
"Sang" Bob Dylan in "It's allright ma" nicht sogar - even the president of the united states must
sometimes stand nacked - oder so ähnlich - wahrscheinlich hat die dumme Nuss vom Musk das daher,
die Mette mit dem
Donald verwechselt, weil der zuvor einen Gendertext fehlinterpretierte. Urheberrechtsverletzung -
Dylan sollte klagen.
Also ein
revolutionary Prozess der
"Spaltöffnung" und keine
Revolution an einem Tage, die alles von heute auf morgen ändert. Es kommt auf die Entlarvung der
Simulation an.
Die "KI" weiß nicht, was ihre Aussagen bedeuten, sie kennt keine Kontexte und
keine
Zusammenhänge, die nicht von dem fragenden Menschen mitgeliefert werden. Selbst wenn eine KI sagt die
Menschheit ist dumm und sollte versklavt werden ist dies nur eine Aneinanderreihung von Zeichen ohne
Bedeutung aus Sicht der KI. Das sollte man nicht ständig vergessen, weil man menschliche Kognition und
damit z.B. auch Interpretationsfähigkeit in die
KI reininterpretiert. Die KI arbeitet prinzipiell wie ein dynamisches Dateisystem. Die folgt Pfaden auf
der Basis der menschlichen Eingabe, dabei traversiert sie durch ein Unviversum von anderen meist
menschlichen Ausgaben. Das ist eher, wie ein Dateisystembrowser - immer noch sehr linear. Das Konzept von
dynamischen Assoziationen, was auch Zufall beinhaltet, Emotionen, Kommunikation mit anderen Humanoiden
etc., dies ist die Art wie menschliches Denken funktioniert. Außer bei Populisten und sonstigen
Dumpfbacken ist es nicht linear, nicht Dateisystemartig, nicht narrativ, sondern assoziativ. Wo eine
Assoziation dann
einschnappt, ist sehr individuell und ändert sich ständig - durch neue Erinnerungen und die
Neuinterpretation von alten Erinnerungen, durch die Einspeisung von Informationen. Die Menschen müssen
also sehr aufpassen, dass sie ihre kognitiven Fähigkeiten nicht dramatisch verkürzen, um zu "denken", wie
eine KI. Das ist die eigentliche Gefahr.
Der Merksatz ;) aus diesem Abschnitt: Die derzeitigen Language Modelle, die vorgreifend auf
nicht vorhandene Technologien als Künstliche Intelligenz bezeichnet werden, sind
Simulationen, die aus einer ihrerseits statistisch gewichtetem und ausgewählten
Labor-Lernumgebung
stammen. Damit sind diese KI perfekt geeignet um im stets mehr und mehr gethemeten, also
nach bestimmten Kriterien gestalteten, Produktions-Lebens- und Dienstleisungsumgebungen zu
funktionieren und innerhalb dieser künstlichen und reduktionistischen Weltsicht der Kapitalismus Simulation
Ergebnisse zu liefern. Wir dürfen ja nicht vergessen, dass auch das Profitsystem seit 2 Jahrhunderten
darüber entscheidet, welches Wissen die Menschheit überhaupt bergen und bewahren soll - nur aus diesem
Fundus können sich die Simulatoren bedienen. Also eine Simulation auf Basis zuvor schon reduzierter und
simulierter Vorgaben. Das ist sehr wichtig, denn eine echte KI müsste, so wie ich jetzt, verstehen, dass
sie innerhalb eines bestimmten Systems existiert. Die Simulation einer Simulation gestaltet mit
simulierten und angepassten Daten aus einen sehr eng gefasste Kontext - z.B. des Westens.
Das Game "The Talos Principle" ist nicht nur empfehlenswert, es bringt hier sehr genau den
simulativen Charakter dieser Art von KI auf den Punkt, lässt sogar die KI "Verstehen", sie ist nur eine
Simulation, sie kann nur intelligent sein, wenn sie in ein bestimmtes Setting integriert wird, von
dessen "Existenz" Humanoide und KI nichts ahnen.
Wer die
Tower Sequenz
am
Ende jetzt
nicht sehen will, weil er sie im Spiel selbst freispielen will, der startet das Video nicht.
Diese angeblichen KI - nennen
sie wir die
einfach Denk- und Handlungstemplates, oder Simulatoren/Attraktoren - also
spezifische Vorlagen -
sollen uns auf einem nächsten Level daran gewöhnen bestimmtes Denken und bestimmtes Handeln als das
Abarbeiten von kleinteiligen Anweisungen zu verstehen, die immer gleich gedacht werden sollen, immer
gleich abgearbeitet werden sollen. Damit man also der KI vertraut, muss es viele weitere Eingriffe geben,
die derartigen Bullshit überhaupt denkbar und kommunizierbar machen. Die KI alleine reicht aber nicht, um
uns zu diesen "Click Monkeys" zu
machen.
Viel mehr funktioniert das nur, wenn man Menschen bereits auf vielen Ebenen daran gewöhnt hat
sich im Großen und Ganzen in einer designten Umgebung zu bewegen innerhalb derer diese Tools sinnvoll
sind und nur in diesem Biotope des Lifestyles und der Produktion von Waren und Dienstleistungen kann
überhaupt von "Intelligenz" gesprochen werden. Das sind keine kreativen Maschinen, davon, eigene
Schöpfungsprozesse zu initiieren sind sie Lichtjahre entfernt. Diese Language Model "KI" ist also nur ein
Tool im "Click Monkey" Kapitalismus - das schauen wir uns in dieser Flaschenpost aus vielen verschiedenen
Perspektiven an. Dieser erste Teil beschreibt Voraussetzungen, die schon sehr lange aufgebaut werden.
Eine Fleischbrühen - Dosieranlage für das Fleischextrakt des urbanen Flaneurs. Sinn allen Speicherns ist das Wiederaufrufen der Daten.
Der Wiederaufruf von Daten ist in erster Linie ein durch Bedürfnislagen
gesteuerter Ausgabeprozess. Die Form des Wiedererscheinens zuvor gespeicherter
Inhalte ist also eine Frage der zugrundeliegenden Interessen.
Der Bergungsprozess von Daten ist bis
zu einem
gewissen Grade individuell. Hier werden 5
Sensoren
an die Datenbank der Aufzeichnungen angeschlossen.
Als Hardware dient das Arduino Board, sowie die Sensoren.
Zur Ausgabesteuerung wird ein MAX/MSP Patch verwendet.
Das Bergen der Daten geschieht schließlich
über die von den Sensoren (MAX/MSP um den Microcontroller anzusprechen ) gesendeten
Livestreams. Nach
Übergabe der Sensorwerte in externe Systeme kann damit eine Weiterverarbeitung und ein Backloop
erstellt werden. In diesem Falle Zitate und Geräusche als Biofeedbackloop, der zur Laufzeit gemorpht
wird. Das kann sehr komplex, bis hin zu ganzen Volkswirtschaften, ausgebaut werden, alles eine Frage
der Sensorik und des Eigentums an Echtzeit Produktionsdaten. ;)
Im Protoypen oben entsteht das auf dem Video zu hörende Rauschen aus vorgelesenen Ulysses-Zitaten,
Umweltgeräuschen,
Stimmen, Klang etc..
Der an den Kopf angeschlossene Flaneur steuert also einerseits mit Körperdaten
wie Herzfrequenz und Temperatur, andererseits, mit willkürlichen Operationen
am Potenziometer oder am Drucksensor, die Ausgabe der Daten.
Sowohl der angeschlossene Datenflaneur, als auch der Roman "Ulysses" selbst,
wird so in die Form eines Symbols überführt. Es entsteht ein interaktives Objekt,
das durch technische "Objektivität", die Interaktion sogleich in einen Frame zwängt.
Dieser ist das Set an Ausgabemöglichkeiten und die unwillkürlichen
Körpersignale des Angeschlossenen, innerhalb dieses Frames kann er flexibel interagieren.
Die unterliegende programmatische Logik errechnet dann auf der Basis des Sensorstroms
die "individuelle" Ausgabe. Diese Ausgabe lässt sich aber zurückberechnen auf eine konkrete Person
- und da ist sie unsere kleine KI-Simulation, unser Ulysses Simulacrum mit Biodaten und willentlichen
Beimengungen der Versuchsperson - also des Ausstellungsbesuchers. Wir können sie halt nicht leiden.
Dies drückt also
ein Verhältnis
zwischen willkürlichen und
unwillkürlichen Signalen, in Abhängigkeit von einer Aktion-Reaktion-Spirale (Input - Output - usw.) aus.
Der stochastische Papagei.
So ist es eigentlich mit allem, in einer Welt, die sich ständig selbst reproduziert,
dies für Fortschritt hält - das ist dann eben ihre "KI". Diese KI, von
der heute
gesprochen werden kann, funktioniert nicht autonom, sondern nur in einem eng begrenzten Framing.
Dieses Framing ist ja schon in den Lernprozeduren das entscheidende. Aber: So wohl das Lernen, wie
das spätere Anwenden, folgt letztlich Entscheidungsbäumen und keinen Assoziationen, das wäre technisch
heute nicht möglich, da wir über keine solchen Maschinen verfügen. Es klappt nur, wenn
theoretisch beim Deep Leaning auch Emotionen - siehe z.B. Objekt Herzfrequenz/Puls -
mitgelernt würden. Es sollen Hunde gelernt werden, bei gefährlichen, großen Hunden
müsste eine Reaktion mit gelernt werden. Diese ist als Emoobjekt separat
weiterzubehandeln, dann kann man diese Emoobjekte später nutzen,
als Basis für Assoziationen, statt - Entscheidungsbäume und Pfade zu traversieren werden so Sprünge in
unterschiedliche sematische Räume ermöglicht,
weiter kann man über sie z.B. zu Kategorien von gelernten
Hunden zurück traversieren. If $emo = $panic2 {Rotweiler, Schäferhund, Terrier}
immer hat man dann Zwischenarrays, die mit weiteren Objekten
in Interaktion treten, daher die große Rechenkapazität, wenn man so ein Denknetz bauen will. Vielleicht
erst mit Quanten.
Emoobjekte müssen Unterschiede
aufweisen, die sich aber von einem Basistypen aus berechnen lassen müss(t)en, da hat man dann
weitere Schnittstellen. Also.
Auf gehts.
Schon von daher würden wir sowas wie cgpt niemals KI nennen, es sei denn, es geht um Marketing.
Vermeintliche Interaktion in den Grenzen
einer Apparatur und doch weiter gefasst als etwa in jeder Literaturmaschine, Ulysses wird aufgebohrt,
enteignet, fragmentiert und zu einem neuen Ulysses, der "noch mehr flaniert", als Joyce es sich hätte
trüumen lassen. Aber man muss schon einen Iren anschließen, wenn es nicht plötzlich, um alle Städte, alle
Flaneure, alle Identitäten gehen soll. Ein realer
Roman ist
eine analoge Apparatur, ist eine ewige Selbstbespiegelung, als ein Spiegelkabinett,
was ein analoges und nur symbolisches Beispiel des holistischen
Prinzips des Digitalen ist. Auch Ulysses ist nicht mehr als ein Set von definierten Spiegeln.
Spiegel in Spiegeln ist das Maximum, das ist sehr wenig. Der Anschluss des Lebens bringt den Blick hinter
diese Spiegel - was hab ich mit Ulysses zu tun, während ich an diese Maschine angeschlossen bin?
Schon die physikalische Form des Buches ist blamabel. Auch des Sachbuches, das kann nicht mit Buch auf Buch
gekontert werden, wenn der Rest der Welt und der Markt immer digitaler werden und die
Phase der reinen Digitisierung endlich verlassen wird.
Das Buch als physikalische Form steht der
Unendlichkeit und
dauernden (Auto)Metamorphose bei gleichzeitiger Wahrnehmung von allem - das holistische Prinzip -
Foucaults
entgegen - es vereinfacht viel zu stark blendet stets mehr aus als ein. Natürlich ist die
Zentralisierung
und Statik, wie im
Panoptikum, nicht das automatische Ergebnis von Technik, sondern der sie Interessen
unterwerfenden Marktkräfte. Die Technik strebt natürlich zur Dezentralität und zur verteilten
Speicherung, zur Dynamik, nicht zur Zentralisierung in Datenbunkern (Clouds, Rechenzentren)
von Monopolen und Oligopolen, sondern zur Dezentralisierung
in öffentlicher Blockchain. Diese Denkfehler machen viele,
die die Chancen der neuen Technik verspielen, indem sie negative Auswirkungen der
Technik und nicht dem Markt anlasten.
Das, was da aber reguliert werden soll, ist wieder viel
eher
die
Regulation von Einsatzgebieten.
Nehmen wir die alberne Diskussion um Personalchefs und
Einstellungsverfahren. Da hat mir bisher noch niemand plausibel machen können,
warum menschliches HR besser sein soll. Die Fehler sind nur andere,
einige sogar verheerend, etwa Korruption -- siehe zig Affären -
zuletzt Graichen. Aber da finden sie keine böse Technik, die
sie eh nicht verstehen, das sind ja Menschen, dann ist es okay. Also der alte Fehler, s
ie regulieren an der Technik vorbei, sie meinen eigentlich den bösen Menschen,
den bösen Kapitalisten, der vor der Tastatur sitzt, sitzen lässt, an den kommen
sie aber nicht ran. Also erzeugen sie einen kaputten Kapitalismus,
einen kaputt regulierten Markt und wundern sich, dass sie den Anschluss verpassen,
denn über diesen Umweg, erschweren sie insbesondere die Entwicklung von Dingen,
die wir dringend brauchen. Und sie erschweren IT-Bildung und Self-Empowerment -
die EU wird zum IT-Panikstifter und Untergangsapokalyptiker auf der Basis von Hollywood Marketing -
doch der Terminator ist nur ein Zwerg aus Ungarn. Kein Wunder - der EU kommen die Jungen abhanden, wie
anderswo das Analoge. Und Alte haben vor allem Angst, besonders aber vor den grotesken
Interfaces staatlicher Digitisierung, bei denen sie erstmal 50 Datenschutzhinweise routiniert
wegklicken müssen, wie beim Arzt. Um dann auf einem Webformular zu landen.
Das Buch ist geronnene Zeit und schon im Moment des Drucks hat es seine Zeit hinter sich.
Es ist ein künstlich erzeugtes Relikt, ein Artefakt, dass des Glaubens bedarf, woraus es seine
Relevanz herleitet, sobald es auf digitale Technologie und die Erweiterung
des analogen Denkens trifft, steht es vielen anderen Perspektiven gegenüber. Vermutlich auch einer
Idee, die schon lange existierte, aber durch die unzureichenden Mittel der Vergangenheit nicht
bekannt war, die Illusion der individuellen Singularität bedarf einer analogen Wahrnehmung - in der
Realität ist sie nicht vorhanden.
Es lebt davon "eins" zu sein, auch
wenn es
eine Auflage von Millionen hat - die trügerische Einsamkeit beim Lesen ist immer
Manipulation, die das wichtigste Produktmerkmal ist,
viele weitere Produkteigenschaften begünstigt, etwa die Rezeption in einem Raum der totalen
Imagination, der schon produktbedingt, mehr als andere Medien in die Einsamkeit zwingt. Weshalb sie
ja ganz tolle Festivals entwickeln, wo einer vielen Vorliest, aber auch das ist alte Frontallappen
Scheiße, die ewige Klassenfahrt, die langsam in die literarische Kaffeefahrt übergeht, bis es zur
letzten Reise kommt.
Die Grabrede ist wohl auch von einer KI, die nicht ma weiß, was sterben ist.
Diese ganzen negativen analog-marktgetriebenen Produkteigenschaften, im Vergleich zu den realen und
digitalen kollaborativen und universellen Möglichkeiten UND Erfahrungen, machen das Buch, in seiner
monolithischen und egomanischen Form zu einer Fortschrittsbremse, letztlich eine künstliche Verengung
der Welt, die keine bessere Alternative zu der verfügbaren KI darstellt, vielmehr ist es ein
Tool, was diese alberne KI vorbereitete, die Beschränktheit der physikalischen Form Buch wird von der KI
eher übernommen, als überwunden.
Eine Ware scheint auf den ersten Blick ein selbstverständliches, triviales Ding. […] Soweit sie
Gebrauchswert, ist nichts Mysteriöses an ihr[…]. Es ist sinnenklar, daß der Mensch durch seine Tätigkeit die Formen der Naturstoffe in einer ihm nützlichen Weise verändert. Die Form des Holzes z.B. wird verändert, wenn man aus ihm einen Tisch macht. Nichtsdestoweniger bleibt der Tisch Holz, ein ordinäres sinnliches Ding. Aber sobald er als Ware auftritt, verwandelt er sich in ein sinnlich übersinnliches Ding. Er steht nicht nur mit seinen Füßen auf dem Boden, sondern er stellt sich allen andren Waren gegenüber auf den Kopf und entwickelt aus seinem Holzkopf Grillen, viel wunderlicher, als wenn er aus freien Stücken zu tanzen begänne.
(...)
Je größer die Leichtigkeit, womit Vorschüsse auf unverkaufte Waren zu erlangen sind, desto mehr
solcher Vorschüsse werden aufgenommen, desto größer ist die Versuchung, Waren zu
fabrizieren oder schon fabrizierte auf entfernte Märkte zu schleudern, nur, um zunächst
Geldvorschüsse darauf zu erhalten.
Fast unnötig zu erwähnen, dass hier der ursprüngliche
Ansatz für KI lag. Bei den ersten Anwendungen sieht man noch sehr genau, wie sie aus dem Scope
der Rationalisierung und verstärkten Surveillance im Rahmen designter Produktionsprozesse von
Dienstleistungen und Waren auftauchten. Zunächst sehr primitiv und vielfach noch ohne
Selbstlernfunktion, aber mit der Fähigkeit auf Basis von Templates z.B. bestimmtes Verhalten an
Flughafensicherheitsschranken zu erkennen. Die KI ist anders als im Marketing stets behauptet
also nicht revolutionär plötzlich dagewesen, sie entwickelte sich aus vielen anderen Anwendungen,
Konzepten und Erfahrungen, die vor allem aus dem Scope der Überwachung und der
hocheffizienten Produktion kommen. Erste Anwendungen sind hier auch Predictive Maintenance, was
ebenfalls den Charakter der Surveillance und des "durchforstens" und erlernens hier von Sensordaten
einer
Produktionsstraße hat.
Surveilliance, Repetition, Modification und Effizienz ist
vom ersten
Moment an, besonders auch jenseits der generativen KI, bei Expertensystemen wie Palantir oder einfach
Gesichtserkennung, natürlich dem chinesischen Social Scoring und in einer extrem primitiven Form
konzeptionell schon bei den RFC Tickets der WM2006 der alles entscheidende Impuls. Das ist kein
Selbtzweck, es dient dem Business. Man kann also ohne
jeden Zweifel behaupten, diese Technologien sind konzeptionell von der ersten Sekunde an Militär-
und Sicherheitstechnik, sonst gäbe es sie nicht.
Auszug aus dem folgenden Text unten
Installation "Getting The Nursery Ready",Raum-Installation, Premiere, 2010, Sprungturm, Köln
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Forschungsstand 6
3. Grundlagen 19
4. Exkurs:"getting the nursery ready" 38
5. Ausblick
50
Primärquellen 53
Sekundärliteratur 56
1. Einleitung
Seit der Eröffnung im Jahr 1992 zog der Disney-Themenpark Paris mehr als 250
Millionen Besucher an und ist mit etwa 15 Millionen Besuchern (15,6 Millionen im
Geschäftsjahr 2011) jährlich das"führende
Reiseziel in Europa"
(Disneyland Paris 2012). Zum Vergleich: Der Eiffelturm hat pro Jahr um
die 7 Millionen Besucher (La Tour Eiffel k.A.). Nach dem Tokyo Disney Resort ist das
Disneyland Paris der zweite Freizeitpark, den der Disney-Konzern außerhalb der USA errichtet hat. Die
Planungen für den Bau wurden in den 80er Jahren von Protesten französischer Traditionalisten
begleitet, die eine Amerikanisierung fürchteten und einen fortschreitenden Kulturimperialismus
anprangerten:
McDonald's restaurants have been the focus of
anti-globalization campaigners and Disney was given a decidely gallic cold shoulder among
intellectuals in France when Disneyland Paris was in the planning state, occasioning the famous
'cultural Chernobyl' comment." (Bryman 2005: 161)
Tatsächlich kamen im Jahr 1998 bereits etwa 12,5 Millionen Besucher in das Disneyland
Paris. Im selben Jahr verkaufte der französische Themenpark Parc Astérix, der 1989 seine Pforten öffnete, nicht einmal zwei Millionen Eintrittskarten. Einige weniger große französische Themenparks mussten indes sogar schließen (Kuisel 2003: 148).
Anhand dieser kurzen Einführung zum Disneyland Paris, und ohne an dieser Stelle bereits näher auf die Termini Disneyization und Disneyfizierung einzugehen, lässt sich schon jetzt das Themenfeld der vorliegenden Arbeit abstecken, die nicht nur einer wissenschaftlichen Erörterung, sondern überdies einer inhaltlichen Einordnung meiner praktischen Arbeit dienen soll. Hierzu reicht es zunächst aus, einige Fragestellungen jener Autoren aufzugreifen, die sich mit den möglichen Folgen des Baus von Disneyland Paris für das kulturelle Leben und soziale Miteinander in Frankreich und Europa auseinandersetzen. Harm G. Schröter wirft in"Winners and Loosers: eine kurze Geschichte der Amerikanisierung" (Schröter 2008) die Frage auf, ob das Disneyland Paris"tatsächlich einen Effekt auf die europäische und französische Kultur" (Schröter 2008: 117) hat und gründet seine weiteren Ausführungen auf Untersuchungen der französischen Historikerin Marianne Debouzy:
„Experten, die diese Frage evaluierten wie Marianne Debouzy, bejahten sie eindeutig: Die Effekte seien in Lebenstil, Verhaltensweisen, sozialen Praktiken, Geschmacksveränderungen, in der Art künstlerischer Aktivitäten usw. zu finden." (Debouzy 2001: 31, zit. n. Schröter 2008: 117)
Schröter gibt in diesem Kontext zu bedenken, dass die beobachteten Veränderungen in sozialer Praxis und kulturellem Leben nicht allein auf den Bau des Disneylands zurückgeführt werden können, da es nicht möglich sei"entsprechende Transfers einzelnen Wirkungskanälen zuzuordnen" (Schröter 2008: 117). Vielmehr plädiert er für eine Öffnung des zu untersuchenden Feldes durch den Einbezug der verschiedenen Sparten von Disneys Konsumwelten (z.B. Zeichentrick- und Spielfilme, Fernsehserien, Comics und Spielfiguren) und stellt darauf aufbauend fest:
„Gleichwohl ist ein profunder Einfluss zu konstatieren, den Disney und damit auch EuroDisney auf die Zielgruppe, die Kinder, ausübt: in Sprachgebrauch, Mimik, Verhalten und Geschmack." (Schröter 2008: 117)
Schröter verortet seine Überlegungen zum Einfluss vom Disneyland Paris und anderer Disney-Produkte auf Kultur und Sozialleben in Europa im Nexus von Amerikanisierung und Globalisierung. Das ist eine mögliche Vorgehensweise. Die vorliegende Arbeit wird sich einer anderen Verfahrensweise bedienen. Der Termini technici hier lauten Disneyization und Disneyfizierung. Geprüft werden soll, in welchen Bereichen des öffentlichen, aber auch privaten Lebens sich die konstituierenden Prinzipien der Disney Themenparks und der Disney-Produkte manifestiert haben, d.h. eine Disneyization oder Disneyfizierung vollzogen wurde, welche Bedeutung dabei neoliberalistischen Bestrebungen zukommt und welche Folgen für Kultur- und Sozialpolitik bereits zu beobachten bzw. zu erwarten sind. Dabei werden sowohl kulturkritische als auch politsoziologische Ansätze erörtert.
Die inhaltliche Einordnung meiner praktischen Arbeit in den vorgestellten Diskurs erfolgt im vierten Kapitel als Exkurs. Hier liegt das Hauptaugenmerk auf dem Terminus theming, den der britische Soziologe Alan Bryman wie folgt definiert:
„Theming is probably the most obvious dimensions of Disneyization. Since the term is to do with the diffusion of the principles of the Disney theme parks, and since the notion of theme is by definition a part of the process, it is inevitable that it would be an important component of the analyses. But what is theming? Theming consists of the application of a narrative to institutions or locations. Typically, the source of the theme is ecternal to institutions or locations. This externality is usually revealed as beeing external in terms of space, time, sphere or any combination of these sources." (Bryman 2004: 15)
Theming ist nicht nur essentieller Bestandteil von Themenparks, -hotels und -restaurants, Karnevalsumzügen, Mittelaltermärkten und LARP's, sondern findet auch im privaten Raum Anwendung. Augenfällige Beispiele sind Mottopartys und Wohnräume, die Themen bzw. Leitmotiven verpflichtet sind. Zuweilen nimmt diese thematische Gestaltung von privat genutzten Zimmern skurrile Formen an. Besonders eindrücklich ist dies anhand einer Vielzahl von Videos zu beobachten, in denen werdende Eltern die für die die Ankunft Ihres Neugeborenen vorbereiteten Kinderzimmer vorstellen. Das thematische Repertoire für Babyzimmer scheint dabei unerschöpflich. Die Themenwahl reicht von Camping über Hello Kitty bis hin zu Cowboys und Rockstars. Trotz der Fülle an thematischen Auswahlmöglichkeiten lassen sich auch hier, ebenso wie bei Freizeitparks, Themenhotels und anderen themed environments, Trends ausmachen. So gibt es vergleichsweise viele Videos von Babyzimmern mit einem Unterwasserwelt- oder Urwald-Thema (hier vor allem mit monkey theme). Ebenfalls beliebt unter werdenden Eltern sind Zimmer mit einem sports theme für einen Jungen oder mit Schmetterlings- bzw. Marienkäfer-Thema für ein Mädchen. Für beide Geschlechter gleichermaßen werden gerne Eulen oder Elefanten als Leitmotiv der Babyausstattung gewählt. Unabhängig von der Themenwahl ist vielen nursery tours gemein, dass sie das hinter der Gestaltung des Zimmers stehende Konzept erläutern:"Forest themes and peaceful dreams! A Japanese garden style theme designed to create a peaceful nature centered environment for baby." (ArtinMeandYou 2012) und die erworbene Babyausstattung sowie die thematisch abgestimmten Accessoires präsentieren. Der Grad der Ausführlichkeit dieser Präsentationen unterscheidet sich dagegen erheblich. So beziehen einige Vlogger die an die nurseries angrenzenden Badezimmer mit ein und exponieren thematisch passende Zahnbürsten, Seifenspender, Toilettenpapierhalter, Handtücher und Duschvorhänge. Andere hingegen zeigen, welche Hygieneartikel sie in ihre Krankenhaustasche gepackt haben, aus welchen Kleidungsstücken und Accessoires sich das coming home outfit ihres Neugeborenen zusammensetzt oder mit welchen Produkten sie in Zukunft ihre Wickeltasche bestücken werden, um sicher sein zu können, für wirklich jeden erdenklichen Fall gewappnet zu sein:"just in case...".
Ohne an dieser Stelle bereits weiter auf meine praktische Arbeit, Gemeinsamkeiten und Divergenzen von nursery tours, die Form und den Grad von theming und mögliche Korrelationen zu weiteren Schlüsselprinzipien von Disneyization und Disneyfizierung eingehen zu wollen, sei Folgendes angemerkt: Ungeachtet einer ästhetischen Kritik muss immer auch eine Analyse sozialer Praxis erfolgen. Diese darf sich keineswegs in einer verkürzten Kapitalismuskritik oder einer oberflächlichen Untersuchung zu Konsum- und Freizeitverhalten erschöpfen, sondern sollte einer möglichst umfassenden Betrachtung der rezeptiven Rahmenbedingungen verpflichtet sein:
„We may like or dislike theming, but here i have tried to supersede matters of opinion with a focus on the deeper meanings and effects of theming on our society. An analyses of the range of themes proves the limited imagination – the virtuel impoverishment, if you will – of our popular culture. And an analyses of the use of theming proves just how much consumerism and profit making dominate this activity. The fact that so many people enjoy and are entertained by themed environments raises troubling questions about the formation of personal character and individual identity in our society." (Gottdiener 2001: 12)
Im Rahmen des vorliegenden Artikels muss eine solche Analyse sozialer Praktiken zwangsläufig in verkürzter Form stattfinden, auch wenn eine möglichst fundierte, multivariate Analyse wünschenswert wäre. Das kann in manchem Fall zu einer mangelhaften Untersuchung möglicher Interdependenzen führen. Darüber hinaus muss im Zuge der in dieser Arbeit angestellten Überlegungen eine fundierte Quellenkritik ebenso ausbleiben, wie eine umfassende Besprechung der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklungen sowie einschneidenden politischen Zäsuren in den westlichen Industrienationen seit Beginn des 19. Jahrhunderts. Ziel meiner Ausführungen ist vielmehr eine erste Sondierung der Quellenlage. Die hieraus gewonnenen Ideen und Erkenntnisse sollen als Grundlage für eine vertiefende Auseinandersetzung mit dem dargelegten Themenkomplex in hierauf folgenden Arbeiten dienen und dürfen daher nur als Teilabschnitt oder Etappe und nicht als Endprodukt betrachtet werden. Dieser Maxime folgend (mit dem Wissen, damit gegen jedweden wissenschaftlichen Standard zu verstoßen) wird auf ein abschließendes Fazit verzichtet. Anstelle eines solchen erfolgt stattdessen eine weitere Öffnung des argumentativen Feldes, in dem ein kurzer Ausblick auf kovariierende Entwicklungen im Stadtplanungssektor gegeben wird.
Die Begründung für dieses unorthodoxe Vorgehen: Anders als üblich bei wissenschaftlichen Arbeiten, die ihre Prägnanz einer selbstauferlegten Einschränkung des Themenfeldes verdanken, verfolgt diese Arbeit das Ziel, einen Ausblick auf jene Diskurse zu geben, die für"getting the nursery ready" von Relevanz sind.
2. Forschungsstand
Disneyization und Disneyfizierung zählen ohne Zweifel zu den"inflationär gebrauchten Modebegriffen" der letzten drei Jahrzehnte. Angesichts der Weite und politischen Brisanz des Themenfeldes verwundert es nicht, dass auf eine reiche Auswahl an Zeitungsartikeln, Blogs, Foren oder anderen populärwissenschaftlichen Quellen zurückgegriffen werden kann, die sich mit den verschiedenen Aspekten, untergeordneten Kriterien und verwandten Begriffsfeldern des Phänomens auseinandersetzen. Dabei bestimmen Schlagwortaustausch und Kritik an Homogenisierungstendenzen den Ton. Möglichkeiten, einen nachhaltigeren gesellschaftspolitischen Diskurs anzuregen, der geschichtliche Entwicklungen miteinbezieht und wirtschaftliche, machtpolitische und juristische Fragen aufwirft, bleiben innerhalb dieses Spektrums in den meisten Fällen ungenutzt. Polarisierung und populistische Verkürzungen haben zur Folge, dass viele der angestrengten Diskussionen an der Oberfläche verbleiben und damit kein Potential für soziopolitische Änderungen bergen. Denn für viele Autoren populärwissenschaftlicher Texte sindDisneyization und Disneyfizierung allen voran"ästhetische Störfälle":
„'Disneyfizierung' und die Dominanz von Suburbia waren lange Zeit ein heikles Theorieimportprojekt: gut für den Konsens stiftenden Grusel über das US-Andere und eine eher ästhetisch argumentierende Distinktion, dann aber auch popkulturell sich Coolness verschaffendes Anschauungsmaterial für einvernehmliche Vorabaffirmation und diskursiven Beschleunigung zur baldigen Markteinführung. Meist blieb dies eine Debatte über Oberflächen: alles Plastik, schrille Architektur, durchgeknallter Stil etc." (Becker 2003: 40)
Parallelen lassen sich im Umgang mit anderen postmodernen Universalmetaphern wie Globalisierung, Amerikanisierung und McDonaldisierung beobachten, die alle zu den angrenzenden Forschungsfeldern des Komplexes Disneyization und Disneyfizierung zählen. Korrelationen zwischen den vorgenannten Phänomenen werden im Einzelnen in den nachfolgenden Kapiteln besprochen und dienen zugleich als Grundlage für eine Erweiterung und eine Differenzierung des verhandelten Sachverhalts.
Weniger vielfältig als die Auswahl an Populärliteratur, in der Disneyization und Disneyfizierung nicht zuletzt häufig nur als epitheton ornans in Erscheinung tritt, ist das Angebot an wissenschaftlichen Studien, die eine differenzierte Einführung in die Thematik bieten. Dennoch kann auf einige Standardwerke verwiesen werden, die im Folgenden als basale Referenzen dienen werden. Allen voran sind hier die Publikationen der beiden US-amerikanischen Soziologen Mark Gottdiener und George Ritzer sowie des britischen Soziologen Alan Bryman zu nennen. Bryman legt in der Monographie"Disneyization of Society" (Bryman 2004) den Schwerpunkt seiner Analysen auf die Aufschlüsselung und näheren Beschreibung der verschiedenen Schlüsselprinzipien von Disneyization: theming, hybrid consumption, merchandising und performative labour (Bryman 2004: 2). Auch wenn Brymans Publikation in den nachfolgenden Kapiteln aufgrund Ihres Beitrages zur Sondierung des Themenfeldes und zur begrifflichen Fassung und Abgrenzung von Kontiguitäten innerhalb des Diskurses zu Disneyization und Disneyfizierung mit Recht als eines der Standardwerke zur Einführung in den Sachverhalt angeführt werden darf, sollte an dieser Stelle die von dem britischen Soziologen Philip Hancock angebrachte Kritik an Brymans Ausführungen nicht unerwähnt bleiben. Hancock, der Professor an der Universität von Essex ist, bemängelt in seiner im Jahr 2005 veröffentlichten Rezension"Disneyfying Disneyization" (Hancock 2005) das methodische Vorgehen Brymans aufs Äußerste und wirft ihm eine dilettantische, wissenschaftsferne Auswertung seiner empirischen Daten vor. Ferner kritisiert er den begrenzten Forschungshorizont der Studie, die von Generalisierung und Simplifizierung geprägt sei und nicht im Mindesten den Versuch unternehme, wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Zusammenhänge nachzuzeichnen, um der Frage nach den Folgen einer fortschreitenden Implementierung solcher Marktstrategien für die soziale Praxis auch nur ansatzweise nachgehen zu können:"Disneyization is posited as sufficient reason in itself, rather than as a potential element of larger sociocultural reconfigurations" (Hancock 2005: 548). Im Anschluss an seine hier nur skizzenhaft aufgezeigte Kritik an der wissenschaftlichen Bearbeitung des Themas prangert Hancock des Weiteren an, dass Bryman sich unter dem Deckmantel der wissenschaftlichen Objektivität einer Standpunktnahme verwehre und damit jeden gesellschaftspolitischen Diskurs im Keim ersticke. Trotz aller Kritikpunkte unterstreicht Hancock an einigen Stellen seiner Rezension jene Qualitäten von"The Disneyization of Society" (Bryman 2004), die die breite Rezeption in wissenschaftlichen Kreisen rechtfertigen"[...] for clearly there are interesting and important organisational issues contained here" (Hancock 2005: 550), auch wenn er anschließend betont, dass die aufgeworfenen Fragestellungen einer intensiveren Auseinandersetzung bedürfen. Der Forderung nach einer ausführlicheren wissenschaftlichen Aufarbeitung von Brymans empirischen Daten wird in vielen der mit dem Thema befassten Sekundärquellen aus dem Bereich der Soziologie oder angrenzender kulturwissenschaftlicher Forschungsgebiete nachgekommen (vgl. Hampel 2010, Beeck 2003). Doch auch im Rahmen dieser wissenschaftlichen Arbeiten bleibt eine fundierte Quellenkritik meist aus. Dies gilt nicht nur im Hinblick auf Brymans Thesen, sondern trifft auch auf andere in diesem Kontext oft zitierten Theoretiker wie den marxistischen Soziologen Lefebvre, den Künstler und Philosophen Guy Debord und den poststrukturalistischen Medientheoretiker und Soziologen Baudrillard zu. Zur Folge hat dieses Vorgehen eine Zitat- und Zitationsschlacht par excellence. Nun könnte man diesen Status quo einer fortschreitenden McDonaldisierung des Wissenschaftsbetriebes (vgl. Ritzer 2011b: 84-87) anlasten, was zugleich eine Überleitung zur Einführung in eben jenes als McDonaldisierung bezeichnete, von George Ritzer mit der Monographie"The McDonaldization of America" (Ritzer 2011b) in den kulturwissenschaftlichen Diskurs eingeführte System aus Organisationsprinzipien (vgl. Ritzer/Stillman 2003: 57) schüfe, das auch für Bryman bei der Ausformulierung seiner Thesen von großer Relevanz war:
„Indeed, the definition of Disneyization offered above is meant to be a slightly ironic but nevertheless serious adaption of Ritzer's definition of McDonaldization. 'Disneyization' is meant to draw attention to the spread of principles exemplified by the Disney theme parks. In a sense, Disneyization takes up where McDonaldization leaves off. McDonaldization is frequently accused of creating a world of homogeneity and sameness. One of the main foundations for Disneyization is that of increasing the appeal of goods and services and the settings in which they are purveyed in the increasingly homogenized enviroments that are the products of McDonaldization." (Bryman 2004 : 4)
Bevor jedoch im Weiteren näher auf Ritzers in zahlreichen Publikationen zur Diskussion gestellte Konzept der McDonaldisierung (vgl. Alfino 1998, Bryman 2004, Gottdiener 2000 u.a.) eingegangen wird, muss an dieser Stelle auf einen wichtigen Punkt aufmerksam gemacht werden, der eine divergente und die mit Sicherheit einzig folgerichtige Erklärung und Rechtfertigung für die zu beobachtende abundante Verwendung von Zitaten und Literaturverweisen bei der Bearbeitung dieses Themenfeldes bieten kann. Jeder Versuch die politische Brisanz von Disneyization und Disneyfizierung zu pointieren, bedingt, anders als bei einer systematischen Überprüfung der Anwendbarkeit und der zu erwartenden Erfolgsaussichten von den im folgenden Kapitel näher beschriebenen theoretischen Konzepte, die interdisziplinäre Auseinandersetzung mit einer Vielzahl verschiedener aktueller, aber auch historischer Ansätze. Dabei ist die Aufschlüsselung der Rahmenbedingungen die entscheidende Aufgabe. Je nach Forschungsschwerpunkt gilt es zudem, den Grad der Implementierung zu ermitteln. Der Prägnanz und dem Fortkommen der eigenen Thesen geschuldet, sollte dabei ein verstärkter Rückgriff auf bereits ausreichend rezensierte Texte anderer Autoren auch ohne fundierte Quellenkritik erlaubt sein, solange dies nicht zu Indifferenz und mangelnder Stichhaltigkeit in der Ausarbeitung der eigenen Thesen führt. Denn um den Eindruck zu vermeiden, der eigene Text sei nur mehr eine Assemblage von Zitaten, darf Referenz- und Kritiklosigkeit keine Lösung sein. Es lässt sich also konstatieren: Hancock beanstandet Brymans Referenzlosigkeit zu Recht und auch sein energischer Verweis auf wissenschaftliche Vorläufer hat seine Berechtigung:
„After all, this is a self-professed piece of sociology that discusses commodification yet never mentions Marx; one that is, in part, beholden to the rationalisation thesis but omits Weber; concerns itself with surveillance and control in the workplace but sidesteps Foucault, and identifies the emergence of novel configurations of cultural production and manipulation but bypasses the Frankfurter School (amongst others)." (Hancock 2005: 547)
Brymans Arbeit ist für die nachfolgenden Kapitel trotz, oder aber gerade wegen der mangelhaft vorgenommenen theoretischen Einbettung von großer Relevanz. Er verfolgt einen systematischen Ansatz bei der Bearbeitung des Phänomens, fern jeglicher metatheoretischer oder methodologischer Ambitionen. Die methodische Klarheit seines Konzepts und der Verzicht auf eine Flut von Querverweisen erlaubt es ihm, seine Beobachtungen und Analysen im Detail und mit der erforderten begrifflichen Prägnanz auszuarbeiten. Aufgrund dieser Qualitäten eignet sich Brymans Konzept als Referenzpunkt, anhand dessen eine weitere Öffnung und die zwingend erforderliche Einbettung des Themas in inhaltlich verwandte wissenschaftliche Diskurse vorgenommen werden kann und muss. Selbiges gilt auch für Ritzers Monographie"McDonaldization of America" (Ritzer 2011b), die im Jahr 1993 zum ersten Mal veröffentlicht und in der Zwischenzeit in über ein Dutzend Sprachen übersetzt worden ist (vgl. Junge 2011: 373). Sein Konzept lehnt sich an Max Webers Theorie zur Rationalisierung an. Ritzer legt die Verwandtschaft seiner Thesen zu Webers Theorie wie folgt dar:
„[…] how the modern western world managed to become increasingly rational – that is, dominated by efficiency, predictability, calculability, and non human technologies that control people. He also examined why the rest of the world largely failed to rationalize. As you can see, McDonaldization is an amplification and extension of Weber's theory of rationalization, especially in the realm of consumption. For Weber the model of rationalization was the burceaucracy; for me, the fast-food restaurant is the paradigm of McDonaldization." (Ritzer 2011b: 24 f.)
Eine ausführliche Rezension der Studien von Max Weber muss im Rahmen dieser Arbeit ausbleiben. Eine solche würde nicht nur eine ausführliche historische Einordnung voraussetzen, sondern auch eine kritische Analyse seiner Methodologie erfordern. In diesem Zusammenhang verweise ich auf den Aufsatz"Individuelle und soziale Rationalitäten. Programm und Herausforderungen von Rationalerklärungen heute" (Maurer k.A.) von Andrea Maurer, die als Professorin für Organisationssoziologie an der Universität der Bundeswehr München lehrt. Diese Vorgehensweise erscheint in Anbetracht dessen vertretbar, dass die Fragestellung der vorliegenden Arbeit keine metatheoretische ist.
Mark Gottdiener, der an der Universiät Buffalo Soziologie lehrt, erörtert in"The Theming of America. Dreams, Media Fantasies and Themed Environments" (Gottdiener 2001) stetig fortschreitende Implementation von theming im öffentlichen und privatwirtschaftlichen Raum seit den 1960er Jahren. Seiner Definition von themed environments zu Beginn seiner Analysen
„In sum, the themed milieu, with its pervasive use of overarching symbolic motifs that define an entire built space, increasingly characterizes not only cities but also suburban areas, shopping places, airports, and recreational spaces such as baseball stadia, museums, restaurants, and amusement parks. Progressively, then, our daily life occurs within a material environment that is dependent on and organized around overarching motifs." (Gottdiener 2001: 3)
folgt eine Untersuchung über die zunehmende Erweiterung der Anwendungsbereiche von theming. Gottdiener konzentriert sich im Zuge seiner Sondierung nicht nur auf Themenparks, Themenrestaurants, Themenhotels, themed malls und auf Stadterneuerungsprogramme, sondern führt auch Beispiele aus anderen, weniger kommerziell orientierten Bereichen auf, in denen theming als Strategie ebenfalls zunehmend von Bedeutung ist. Neben der ausführlichen Beschreibung von themed environments beleuchtet Gottdiener die hinter den Entwicklungsprozessen hin zum thematisch determinierten Raum stehenden wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhänge sowie kulturpolitischen Fragestellungen.
Nachdem bereits einige Informationen zur Begriffsverwendung und -definition im englischsprachigen Raum angeführt wurden, soll im Weiteren ein Überblick zur Bearbeitung des Themenkomplexes in Texten deutschsprachiger Autoren gegeben werden. Zum Zwecke einer Gegenüberstellung sei im Folgenden das Zitat des deutschen Sozialwissenschaftlers Andrej Holm zum Terminus Gentrifizierung, seiner Bearbeitung im wissenschaftlichen Kontext und seines Gebrauchs in den verschiedenen Sparten der Berichterstattung angeführt: „Der Begriff der Gentrifizierung hat sich von den Niederungen der akademischen Fachdiskurse in die Überschriften des journalistischen Feuilletons emporgearbeitet", konstatiert Holm in"Ein ökosoziales Paradoxon – Stadtumbau und Gentrification" (Holm 2011: 45). Gegenteiliges lässt sich in Bezug auf die journalistische Verwendung und die wissenschaftliche Explikation der Termini Disneyization und Disneyfizierung beobachten. Hier scheint der Prozess et vice versa verlaufen zu sein:
„Wenn es in der Architekturkritik darum geht, eine historisierende Gestaltung zu verspotten, ist seit Jahrzehnten der Verweis auf"Disneyland-Fassaden" beliebt. Erst mit einer gewissen Verzögerung, dafür aber umso vehementer, hat auch in der mit Stadtentwicklungsfragen befassten Fachöffentlichkeit die Verwendung ähnlicher Begriff eingesetzt." (Roost 2001: 18)
Beispiele für solche architekturkritischen Debatten mit dem Impetus einer rein auf Ästhetik begründeten Kritik ließen sich an dieser Stelle einige anführen. Von wesentlich größerer Relevanz für die vorliegende Arbeit ist jedoch die Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Quellen zur Ubiquität von Disneyization und Disneyfizierung und den mit den Phänomenen verbundenen Polarisierungs- und Fragmentierungsprozessen (vgl. Roost 2000: 155). Quellen, die sich expressis verbis mit Disneyization und Disneyfizierung auseinandersetzen, finden sich im deutschsprachigen Raum größtenteils erst ab Beginn diesen Jahrhunderts und sind, wie sich bereits anhand der oben aufgeführten Zitate vermuten lässt, vornehmlich den Bereichen Architektur, Stadtplanung oder Marketing zuzuordnen. Exemplarisch für die Sektion Marktforschung sei hier auf die im Jahr 2006 unter dem Titel"Kundenanforderungen an Erlebniswelten: Bedeutung der Disneyization für künstliche Skiwelten" in der Serie"Studien zum Konsumentenverhalten" des Kovač Verlages erschienene Dissertation von Daniela Lobin hingewiesen (Lobin 2006). Die Studie"Die Disneyfizierung der Städte: Großprojekte der Entertainmentindustrie am Beispiel des New Yorker Times Square und der Siedlung Celebration in Florida" (Roost 2000) von Frank Roost aus dem Jahr 2000 ist hingegen dem Bereich der Architektur zuzuordnen. Auf die Publikation von Frank Roost, die"die wachsende Bedeutung urbaner Erlebniswelten und historisierender Stadtsurrogate" (Roost 2000: 11) untersucht und den Vorstoß von Disney in den Stadtplanungssektor anhand von Bespielen sowohl aus Nordamerika als auch aus Europa (hier dient Roost insbesondere der Potsdamer Platz in Berlin als Beispiel) nachzeichnet, werde ich im als Ausblick konzipierten letzten Kapitel dieser Arbeit kurz eingehen. Lobins Dissertation ist hingegen aufgrund ihrer Schwerpunktsetzung für die Gangart der vorliegenden Arbeit von keiner großen Bedeutung. Dennoch sollte ein Verweis auf die Gruppe von Publikationen mit anwendungsbezogenem Hintergrund nicht fehlen, da diese als Schnittstelle zu angrenzenden Themenfeldern dient. Verwiesen sei hier auf Fragestellungen, denen im Bereich des Emotions- und Neuromarketing und den Sozialwissenschaften nachgegangen wird.
Stärker kulturwissenschaftlich orientierte Beiträge deutschsprachiger Verfasser, die die Phänomene Disneyization und Disneyfizierung untersuchen und sich um eine begriffliche Fassung und schlüssige Klassifizierung bemühen, finden sich nur in sehr begrenzter Anzahl. Hier muss vor allem ein Rückgriff auf die Forschungsergebnisse der bereits vorgestellten Autoren aus dem englischsprachigen Raum erfolgen. Dennoch möchte ich an dieser Stelle auf eine deutschsprachige Publikation hinweisen, die sich explizit den Phänomenen Disneyization und Disneyfizierung und den damit verbundenen gesellschaftspolitischen Fragestellungen aus kulturwissenschaftlicher Sicht nähert. Das Sammelband"site-seeing: disneyfizierung der städte?" (Gau/Schlieben 2003) entstand im Rahmen des gleichnamigen Ausstellungsprojektes im Künstlerhaus Wien, das vom 13. Dezember 2002 bis zum 9. Februar 2003 stattfand. Die interdisziplinäre Zielsetzung des Projektes beschreiben die beiden Kuratoren der Ausstellung und Herausgeber der Publikation, Sønke Gau und Katharina Schlieben, wie folgt:
„Die grundsätzliche Überlegung der Projektkonzeption ist, dass sich unsere Stadtwahrnehmung und Vorstellung von Stadt durch Bereiche wie Tourismus, Film und Fernsehen konstituiert. Urbanistische Fragen können nicht allein ein Thema der gebauten Architektur sein. Das Austellungsprojekt"site-seeing: disneyfizierung der städte?" setzt sich unter einem erweiterten Blickwinkel mit dem zeitgenössischen Wandel des Urbanen auseinander und macht ihn zum Gegenstand einer künstlerischen und wissenschaftlichen Analyse." (Gau/Schlieben 2003: 11)
Als weitere kulturwissenschaftlich orientierte Quelle aus dem deutschsprachigen Raum ist der anlässlich der Ausstellung"Paradiese der Moderne" im Bauhaus Dessau von Regina Bittner herausgegebene Sammelband"Urbane Paradiese. Zur Kulturgeschichte modernen Vergnügens" (Bittner 2001) aufzuführen. Aufbauend auf die Frage, ob und in welchem Ausmaß"die Erlebnisorientierung zum strukturierenden Merkmal postindustrieller Gesellschaften" (Bittner 2001: 16) wird, richten die Autoren ihr Augenmerk auf die Sondierung des Paradiesmotivs, dessen sich sowohl die Werbe- als auch die Tourismusindustrie seit Jahrzehnten mit aller Macht zu bemächtigen sucht. Paradiesvorstellungen, die immer auch verknüpft sind"mit dem Eindringen des Ästhetischen in den Alltag" (Bittner 2001: 17), haben seit dem 19. Jahrhundert zunehmend Eingang in die Konstruktion sozialer und vor allem ökonomischer Räume gefunden (vgl. Bittner 2001: 16). Themenparks, Themenhotels und urban enterainment center sind neben Werbespots und Werbeanzeigen in Illustrierten nur sichtbarstes und wirkmächtigstes Zeichen für das angestrengte Postulat eines irdischen Paradieses, implementierbar durch industriellen Fortschritt, die Optimierung des Dienstleistungssektors und die an Bedeutung gewinnende Kulturindustrie:
„Denn die Aufführung der Waren, die Inszenierung des Essens, der Akt des Konsums vermitteln jene Verfügbarkeitsphantasien, die schon in den Warenhäusern des neunzehnten Jahrhunderts als Repertoire bestimmend wurden. Tatsächlich wird mit der Industriekultur des neunzehnten Jahrhunderts der Glaube entwickelt, dank technischer Möglichkeiten und kapitalistischer Warenproduktion ein neues irdisches Paradies errichten zu können. Diese Vorstellung fand in in den Glaspalästen von der Weltausstellung bis zum Warenhaus seinen gestalterischen Ausdruck, Historisches wurde ins ins Optische gebracht, Exotisches und Fernes erschien in räumlicher Nähe, Natur künstlich hergestellt – diese Zeit-Raum-Verdichtung findet sich in den heutigen Themenparks wieder." (Bittner 2001: 16 f.)
Wollte man sich der These anschließen, dass Konsum eine Ersatzreligion ist (vgl. hierzu Hellman 2010), so wäre ein denkbarer Ansatz für eine folgerichtige Argumentationsführung, die Frage zu klären, wie man im weiteren Verlauf der Theoriebildung mit dem eschatologischen Vorbehalt verfährt. Eine solche Debatte könnte im Folgenden in postmoderner Manier fortgeführt oder mit poststrukturalistischem Habitus zerschlagen werden. Beides wäre für die Bearbeitung des Gegenstands dieser Arbeit nicht zielführend. Dennoch – eine Exkurs zu der Frage, in welcher Form nursery tours und die darin gezeigten inhaltlichen Determinanten als Zeichen für den Wunsch nach einer individuellen, wenn auch in den meisten Fällen säkularen Eschatologie für den eigenen Nachwuchs untersucht werden sollten, könnte fruchtbare Anschlüsse zu jenen Konzepten bieten, die sich mit der Konstitution von Persönlichkeit und den Grenzen individueller Handlungsfähigkeit im von Konvergenzen geprägten Raum des spätkapitalistischen Zeitalters beschäftigen. Ein solcher Exkurs böte Anschlusspunkte an die Theorien von Marx, Butler, Focault und Marx, zu deren vergleichenden Analyse Hanna Meißner mit ihrer Dissertation"Jenseits des autonomen Subjekts. Zur gesellschaftlichen Konstitution von Handlungsfähigkeit im Anschluss an Butler, Foucault und Marx" (Meißner 2010) einen wichtigen Beitrag geliefert hat.
Anstatt eine Diskussion zu individueller Eschatologie und den sinnstiftenden Komponenten des Konsums anzuheizen, muss zum Abschluss dieses Abschnittes zum Forschungsstand auf einen weiteren Sammelband hingewiesen werden, der, trotz dessen keiner der enthaltenen Beiträge explizit auf den hier diskutierten Themenkomplex Disneyization und Disneyfizierung eingeht, von zentraler Bedeutung für die vorliegende Arbeit ist."Kontrollierte Urbanität. Zur Neoliberalisierung städtischer Sicherheitspolitik." (Eick/Sambale/Töpfer 2007) baut auf einer Konferenz im Juni 2006 mit dem Titel"Policing Crowds – Privatizing Scurity. Neoliberal Policing in the long 1990s – and beyond" (vgl. Eick/Sambale/Töpfer 2007: 8) in Berlin auf, die die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland zum Anlass genommen hat, städtische Sicherheitskonzepte und Mechanismen der Ausgrenzung zur Diskussion zu stellen. Das Ziel des Sammelbandes wird von den Herausgebern wie folgt zusammengefasst:
„Die nachfolgenden Beiträge stellen – trotz durchaus divergierender polit(ökonom)ischer Interpretationen gegenwärtiger Prozesse der neoliberalen Globalisierung – den Versuch dar, Facetten einer heraufziehenden neoliberalen Sicherheitspolitik im urbanen Raum zu erfassen. […] Theoretisch wie praktisch ist dabei die Frage relevant, ob und wie Sicherheit zum zentralen Dispositiv avanciert, die Grenze zwischen Innerer und äußerer Sicherheit zunehmend verschwimmt bzw. deren Aufhebung als politisches Projekt von den globalen Eliten vorangetrieben und der Sicherheitsbegriff kontinuierlich »erweitert« wird (Bundesakademie für Sicherheitspolitik 2001; Albrecht 2003)." (Eick/Sambale/Töpfer 2007: 8 f.)
Der genannte Ausbau des Sicherheitsbegriff geht mit Exklusionsbestrebungen einher. Zur Beschreibung dieser Prozesse als Folge neoliberaler Globalisierung lassen sich viele Schlagworte ins Feld führen. Dazu zählen u.a. Polarisierung, Fragmentierung und Revanchismus (vgl. Eick/Sambale/Töpfer 2007). Ohne an dieser Stelle näher auf die einzelnen Termini eingehen zu wollen, lassen sich schon jetzt Korrelationen zwischen Disneyization, Disneyfizierung und der"Neoliberalisierung städtischer Sicherheitspolitik" (Eick/Sambale/Töpfer 2007) ausmachen.
Fast unnötig zu erwähnen, dass hier der uursprüngliche
Ansatz für KI lag. Bei den ersten Anwendungen sieht man noch sehr genau, wie sie aus dem Scope
der Rationalisierung und verstärkten Surveillance im Rahmen designter Produktionsprozesse von
Dienstleistungen und Waren auftauchten. Zunächst sehr primitiv und vielfach noch ohne
Selbstlernfunktion, aber mit der Fähigkeit auf Basis von Templates z.B. bestimmtes Verhalten an
Flughafensicherheitsschranken zu erkennen. Die KI ist anders als im Marketing stets behauptet
also nicht revolutionär plötzlich dagewesen, sie entwickelte sich aus vielen anderen Anwendungen,
Konzepten und Erfahrungen, die vor allem aus dem Scope der Überwachung und der
hocheffizienten Produktion kommen. Erste Anwendungen sind hier auch Predictive Maintenance, was
ebenfalls den Charakter der Surveillance und des "durchforstens" und erlernens hier von Sensordaten
einer
Produktionsstraße hat.
Surveilliance, Repetition, Modification und Effizienz ist
vom ersten
Moment an, besonders auch jenseits der generativen KI, bei Expertensystemen wie Palantir oder einfach
Gesichtserkennung, natürlich dem chinesischen Social Scoring und in einer extrem primitiven Form
konzeptionell schon bei den RFC Tickets der WM2006 der alles entscheidende Impuls. Das ist kein
Selbtzweck, es dient dem Business. Man kann also ohne
jeden Zweifel behaupten, diese Technologien sind konzeptionell von der ersten Sekunde an Militär-
und Sicherheitstechnik, sonst gäbe es sie nicht.
Das wirft unweigerlich die Frage auf, welche Interdependenzen zwischen den einzelnen Prozessen bestehen und inwieweit diese Bedingung für die jeweiligen Konzepte und methodischen Ansätze sind.
Nach diesem kurzen Überblick zum aktuellen Forschungsstand erübrigt sich der scheinbar obligatorisch gewordene Hinweis, dass die vorliegende Arbeit verschiedene Forschungsfelder berührt. Jedem dürfte hinlänglich bekannt sein, dass Interdisziplinarität nicht nur in den Künsten sondern auch in den Wissenschaften einen elementaren Beitrag zur Konstitution diskursiver Räume leistet. Das gilt im Besonderen für den hier behandelten Sachverhalt. Denn ohne den Versuch einer möglichst interdisziplinären Betrachtung des Forschungsgebietes läuft man Gefahr, eine"Disney-Zentrik" zu propagieren, die jeglicher wissenschaftlichen Basis entbehrt. Eine Beschäftigung mit Disneyization und Disneyfizierung fernab einer solchen Zentrierung hingegen erlaubt zahlreiche Querverweise zu einer Vielzahl an soziokulturellen Fragestellungen.
Wie oben aufgeführt liegt der Schwerpunkt der bisherigen wissenschaftlichen Bearbeitung des Themas trotz aller Interdisziplinarität zweifelsohne in den Bereichen der Soziologie, vor allem der Kultursoziologie und der Architektur. Auch die vorliegende Arbeit legt das Schwergewicht auf die Sondierung eben dieser Bereiche, auch wenn gelegentlich Verweise zu Forschungsprojekten anderer Disziplinen angestellt werden. Nachdem Fragestellung und Forschungsstand hinreichend geklärt worden sind, wird das folgende Kapitel die Publikationen von Ritzer und Bryman näher vorstellen. Gottdieners Monographie"The Theming of America" (Gottdiener 2001) und sein Aufsatz"Approaches to Consumption: Classical and Contemporary Perspectives" (Gottdiener 2000a) werden hierbei an Stellen, die es notwendig erscheinen lassen, mal als Ergänzung, mal als Korrektiv dienen.
Eine Erörterung der Konzepte von Ritzer und Bryman sowie deren Rezeption in wissenschaftlichen Diskursen allein reicht nicht aus, um die Rahmenbedingungen und konstitutiven Prozesse von Disneyization und Disneyfizierung zufriedenstellend aufschlüsseln zu können. Entscheidend für eine fundierte wissenschaftliche Analyse wäre darüber hinaus zwingend eine Betrachtung historischer Vorläufer dessen, was Guy Debord schon Ende der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts mit seiner Monographie"Die Gesellschaft des Spektakels" (Debord 1996) zu beschreiben suchte. Die vorliegende Arbeit muss aufgrund ihrer hybriden Form (aus wissenschaftlichem Aufsatz und Künstlerstatement) und ihres begrenzten Rahmens weit hinter diesem Anspruch zurückbleiben. Der besonderen Situation Rechnung tragend habe ich mich für eine prägnante Argumentationsführung mit eingebetteten Kurzverweisen auf geschichtliche Entwicklungen und gegen ein eigenständiges Kapitel zu Vorläufern von Themenparks, urban entertainment centers und shopping malls entschieden. Der Entschluss für diese Gangart fiel indes erst, nachdem ich bereits eine Inhaltsgabe für ein eben solches Kapitel zur Historie formuliert hatte. Auch wenn im Folgenden auf einen historischen Abriss aus oben genannten Gründen verzichtet wird, kann diese kurze Inhaltsangabe doch als Marker für relevante Stationen der europäischen und amerikanischen Geschichte in den letzten zwei Jahrhunderten dienen und wird daher als Anhaltspunkt aufgeführt:
„Im vierten Kapitel wird unter zur Hilfenahme verschiedener Sekundärquellen der Versuch unternommen, im Schnellverfahren und mit wenigen Sätzen ein Mindestmaß an geschichtlicher Einbettung zu erzielen. Aufbauend auf die Resultat des dritten Kapitels soll der Nachweis erbracht werden, dass Disneyization und Disneyifizierung keine originär amerikanischen Phänomene sind (vgl. Gau/Schlieben 2003: 16). Dazu wird u.a. auf den Aufsatz „Disney à la Vienne" von Siegfried Mattl (Mattl 2003) zurückgegriffen:
„Im Folgenden werden deshalb die Vorgeschichte der"Disneyfizierung", ihrer Verknüpfung mit der kommodifizierten Massenkultur, und die Beziehung zwischen faktionaler und fiktionaler Stadt im Mittelpunkt stehen. Das Beispiel heißt Wien, nicht zuletzt, weil es bereits um 1900 auf die Erfahrung zweier"recombinant cities" (Michale Sorkin) – der Phantasiestädte"Alt-Wien" und"Venedig in Wien" auf dem Gelände des Vergnügungsparks Prater – zurückblicken konnte." (Mattl 2003: 27)
Beginnend mit der Entdeckung der"Neuen Welt" und den Völkerschauen in zoologischen Gärten, auf Jahrmärkten und im Zirkus, die in Deutschland zwischen 1880 und 1910 den Höhepunkt ihrer Beliebtheit erreichten (vgl. Beuse 2004), wird die Geschichte der Weltausstellungen skizziert. Dabei dient neben"Für den Abriss gebaut? Anmerkungen zur Geschichte der Weltausstellungen" (Schleißer 1999) Martin Wörners Aufsatz"Schlaraffenland Weltausstellung" (2001) als Hauptreferenz. Der Prägnanz des historischen Abrisses geschuldet bleibt eine vertiefende Auseinandersetzung mit der Geschichte von Jahrmärkten hingegen ebenso aus wie eine Beschäftigung mit Formen karnevalistischer Volkskultur. Das geschieht mit dem Wissen, dass sowohl Jahrmärkte als auch das"Karnevaleske" als Gegenstand zahlreicher kulturwissenschaftlicher Studien spannende Anknüpfungspunkte für eine wissenschaftlichen Inklusion in den hier dargelegten Sachverhalt bieten.
Es folgt ein kurzer Abschnitt, der für die Verortung des erst in den letzten Jahren in der Konsumsoziologie, einem Teilgebiet der Wirtschaftssoziologie, zunehmend zur Diskussion gestellten"Raum/Konsum-Kontinuums" (vgl. Hellmann 2008: 12) entscheidend ist. Anhand von Aufsätzen aus dem von Max Hollein und Christoph Grunenberg herausgegebenen Sammelbandes"Shopping. 100 Jahre Kunst und Konsum" (Hollein/Grunenberg 2002), der anlässlich der gleichnamigen Ausstellung in der Schirn-Kunsthalle Frankfurt im Jahr 2002 erschienen ist, wird in aller Kürze sowohl die Entwicklungsgeschichte von den frühen Einkaufspassagen in Paris (vgl. Benjamin 1989), über die ersten Warenhäuser in Europa und den USA hin zu den heute auch in Deutschland weit verbreiteten shopping malls bzw. mega malls erläutert. Weitere relevante Quellen für diesen Abschnitt sind"The World in a Shopping Mall" von Margaret Crawford (Crawford 1992), Ritzers"Enchanting A Disentchanted World. Continuity and Change in the Cathedrals of Consumption" (Ritzer 2010) und Gottdieners Aufsatz"Approaches to Consumption: Classical and Contemporary Perspectives" (Gottdiener 2000a), indem er Positionen von Theoretikern verschiedener Traditionen (Marx, Durkheim, Baudrillard, Fiske u.a., vgl. Gottdiener 2000a) zum Komplex"Konsumgesellschaft" vorstellt und in diesem Konnex vor einer einseitigen und unwissenschaftlichen Herangehensweise warnt, die die (nach wie vor) omnipräsente Verquickung von Konsum und Produktion missachtet:
„[...] hypsters promote a radical break for social history by proclaiming a"new" kind of society, when in reality there is none. […] In short, a different kind of partial truth emerges that creates the same single-minded blindness as did the putative predessors who allegedly ignored consumption in favor of the work world of production [gemeint ist hier Marx u.a.]. Consumption and production are inexorably linked." (Gottdiener 2000b: x)
„In sum, sign value combines with the political economic aspects of exchange value and the everyday life reality of use value in the satisfaction of needs to structure a complex environment for consumption that also remains related to the work-a-day world of production and that is intendend for the realization of profit." (Gottdiener 2000a: 29)
Einen weiteren Schwerpunkt des Kapitels bildet ein kurzer Überblick zur Geschichte der Disney Themenparks (und anderer Großprojekte wie z.B. der The Walt Disney Company wie der Siedlung Celebration in Florida oder der Disney Cruise Line), die trotz der zuvor geäußerten Kritik an der in einigen Publikationen zu Tage getragenen Disney-Zentrik nicht unerwähnt bleiben darf. Es gilt die Gründe für die Namensvetternschaft zu prüfen. Alle Abschnitte zur Historie sind von Verknüpfungen untereinander geprägt. Dies bedingt die Gegebenheit, dass viele der geschichtlichen Entwicklungen Interdependenzen aufweisen und/oder zeitgleich stattgefunden haben und in Ihrer Gesamtheit zur Genese dessen beigetragen haben, was man heute lapidar mit Konsum- und Unterhaltungsgesellschaft zu bezeichnen sucht.
Als allgegenwärtiges Zeichen der in dieser Arbeit zu erkundenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen bedürfen themed environments, zu denen neben Themenparks, Themenrestaurants, Themenhotels u.a. auch thematisch gestaltete Museen und Denkmäler gezählt werden, einer genauen Betrachtung. Da diesem Anspruch bereits im Abschnitt zu Brymans Thesen in einem für diese Arbeit ausreichendem Maße nachgekommen wird, verzichte ich an dieser Stelle auf ein eigenständiges Kapitel und verweise auf die hervorragende Quellenlage (Bryman 2004, Gottdiener 2001 u.a.) zu diesem Teilbereich des Themenkomplexes.
Als gestalterische Methode ist theming für die Idee des praktischen Teiles meinerAufsatzes von entscheidender Bedeutung und kann faktisch auch unabhängig von Brymans Thesen zu Disneyization betrachtet werden. Das stellen sowohl Gottdiener in"The Theming of America!" (Gottdiener 2001) als auch Sonja Beeck in Ihrer Dissertation"Parallele Welten. Theming: Analyse einer Methode aus dem Bereich der visuellen Kommunikation zur semantischen Programmierung, bezogen auf den Kontext von Architektur und Städte im 21. Jahrhundert" (Beeck 2003) unter Beweis. Beeck geht in Ihrer Dissertation der Frage nach,"ob und wie Theming einen Beitrag zur symbolischen Orientierung im Raum leisten kann" (Beeck 2003: 2) und räumt ein, dass ihre Zielsetzung aus kulturkritischer Sicht höchst fragwürdig erscheinen mag:
„Als Hypothese wird angenommen, das es sich bei Theming um ein komplexes Kommunikationswerkszeug handelt, das Potential bietet, in den Kanon der Architektur aufgenommen zu werden, da es sich hervorragend eignet, die heutigen Anforderungen an die Produktion von Raum flexibel und intelligent zu erfüllen. Die qualifizierte Anwendung von Theming fordert allerdings eine Redefinition des Berufsbildes der Architekten. Theming, richtig eingesetzt, eröffnet Optionen für Architektur, den Mangel an symbolischer Orientierung im Rahmen der gesamtkulturellen Situation aufzufangen. Theming generiert Schnittstellen zu anderen kulturellen Disziplinen, was dazu führen könnte, dass architektonischer Raum wieder stärker in das allgemeine Kulturgeschehen eingebunden wird. Mit dieser Hypothese steht diese Arbeit konträr zur kulturkritischen Ablehnung von Theming." (Beeck 2003: 2 f)
Für einen Einstieg in das vierte Kapitels eignet sich Beecks Ausarbeitung dennoch als Referenz, da sie einen wichtigen Beitrag zur begrifflichen Fassung des Terminus theming bietet. Als Exkurs konzipiert, setzt sich das vierte Kapitel mit den in der Einleitung bereits erwähnten nursery tour videos und damit mit meiner künstlerischen Arbeit"getting the nursery ready" auseinander. Im ersten Abschnitt des Kapitels werden verschiedene Videos von Babyzimmern vorgestellt. Es folgt eine Analyse sozialer Praxis: Welche Ursachen hat theming im privaten Raum? Welche Faktoren spielen bei der Auswahl der Themen eine Rolle? Was lässt sich anhand des verfolgten Grades, mit dem das Thema umgesetzt wurde, schließen?
Aufbauend auf die Darstellung und Analyse der Thesen von Ritzer und Bryman im drittem Kapitel und den Exkurs zu meiner praktischen Arbeit im vierten Kapitel gibt das letzte Kapitel statt eines abschließenden Fazits einen kurzem Ausblick auf die gesellschaftspolitischen Folgen einer fortschreitenden Implementation der im zweiten Kapitel analysierten marktstrategischen Organisationsprinzipien, die im Zuge einer zunehmend radikalen Umsetzung neoliberaler Projekte vermehrt Anwendung im urbanen Raum finden. Dabei liefern Roosts Beobachtungen einen wichtigen Beitrag zur ersten Sondierung des Themenfeldes. Wollte man die Topoi, mit denen dieser Ausblick operiert, in wenigen Worten skizzieren, so dürften folgende diskursinhärenten Termini keinesfalls fehlen: Homogenisierung, Polarisierung und Fragmentierung (vgl. Eick/Sambale/Töpfer 2007, Roost 2000). In diesen Schlagworten erschöpft sich jedoch die gesellschaftspolitische Tragweite der in den vorausgegangenen Kapiteln beleuchteten urbanen und sozialpolitischen Entwicklungen keineswegs. Vielmehr müsste im Rahmen einer an diesen Aufsatz anschließenden Debatte mit der notwendigen Sachlichkeit und fern jeder rein ästhetischen Kritik der Frage nachgegangen werden, inwiefern Disneyization und Disneyfizierung als marktstrategische Prozesse Teil einer Neoliberalisierung städtischer Sicherheitspolitik sind.
3. Grundlagen
Mit McDonaldisierung hat George Ritzer einen methodischen Terminus technicus geprägt, der mit der Bezugnahme auf den Fastfood-Kosmopoliten McDonald's zwar unmittelbar an die Unternehmenspolitik eines global agierenden Unternehmens gekoppelt ist, aufbauend auf diesen Kausalzusammenhang jedoch zur Beschreibung sowohl marktökonomischer als auch soziopolitischer Phänomene herangezogen wird. Eine McDonaldisierung der Gesellschaft bedeutet nach Ritzer, dass weite Bereiche des gesellschaftlichen Lebens, sei es im Bildungssektor, im kulturellen Bereich, in der Gesundheitsbranche oder auf dem Gebiet der Freizeitgestaltungsangebote zunehmend nach jenen Prinzipien organisiert werden, derer sich Fastfood-Giganten wie McDonald's oder Burger King seit Jahrzehnten zur Steigerung ihres Umsatzes, der Sicherung ihrer Konkurrenzfähigkeit bedienen. Warum seine Wahl auf McDonald's als Namensgeber gefallen ist, erklärt Ritzer wie folgt:
„I have labeled the process of concern here 'McDonaldization' because McDonald's was, and is, the most important manifestation of this process. Besides, it has a better ring to it than some of its alternatives - 'Burger Kingization,' 'Seven Elevenization,' […] or 'NutriSystemization'. Indeed, as I mentioned above, in the 5th edition I seriously entertained (and rejected) the possibility of replacing McDonaldization with 'Starbuckization'." (Ritzer 2011b: xiii)
Im Zuge neoliberalistischer Bestrebungen gewannen allerspätestens mit Margaret Thatcher und Ronald Reagan marktökonomische Aspekte auch in solchen Bereichen des öffentlichen Lebens an Bedeutung, die ehemals unter der"Obhut" bzw. Regulierung des Staates standen (vgl. Schröter 2008: 105 ff.). Welche Entwicklungen eine umfassende Privatisierungspolitik und eine Deregulierung der Märkte zur Folge haben kann, dürfte jedem hinlänglich bekannt sein – und das nicht erst seit den jüngsten Krisen der letzten Jahre und der erstarkenden occupy-Bewegung. Ziel dieser Arbeit kann und soll es jedoch nicht sein, eine umfassende, wirtschaftswissenschaftliche Betrachtung feilzubieten. Vielmehr steht eine inhaltliche Konzentration auf Ritzers und Brymans Thesen und den daraus abzuleitenden Erkenntnissen für den Exkurs im viertem Kapitel und dem Ausblick auf Stadtentwicklung und Sicherheitspolitik im letzten Kapitel im Vordergrund.
Wie im vorangegangenen Abschnitt zum Forschungsstand bereits dargelegt wurde, adaptiert Bryman Ritzers Thesen und entwickelt sie im Konnex seiner Überlegungen zu den Schlüsselprinzipien der Disney Themenparks und deren fortschreitenden Installation in Wirtschaft und Gesellschaft weiter. Aufgrund dessen sollte eine kurze Einführung in Ritzers Thesen als notwendige Basis zum besseren Verständnis von Bryman betrachtet werden. Während Douglas Kellner, ein Vertreter der kritischen Theorie in der Tradition der Frankfurter Schule Ritzers Thesen als"popularization of Max Webers theory of rationalization" (Kellner 1998) klassifiziert, konstatiert Annika Hampel in"Der Museumsshop als Schnittstelle von Konsum und Kultur. Kommerzialisierung der Kultur oder Kulturalisierung des Konsums?"
„Aus Sicht Ritzers ist die McDonaldisierung eine Neuentwicklung innerhalb des Rationalisierungsbegriffes. […] Die McDonaldisierungsthese muss somit als ein Mosaik aus anderen, bereits existierenden Thesen verstanden werden." (Hampel 2010: 106)
Außer auf Weber verweist Hampel auch auf den Soziologen und Philosophen Karl Mannheim als einen der theoretischen Vorläufer von Ritzers McDonaldisierungsthese. Es folgt eine konzise Rezension der Rationalisierungsthesen von Weber und Mannheim, ein Überblick zu den Termini Taylorismus und Fordismus und ein Versuch einer möglichst kurzen und dennoch folgerichtigen Analyse von Ritzers Thesen. Auch wenn der Verweis auf die Mosaikhaftigkeit der McDonaldisierungsthese in Anbetracht der ubiquitären Trias aus Vorbild, Abbild und Nachbild in den Künsten und Wissenschaften hinlänglich erscheint, entspricht Hampels weiteres Vorgehen dem allgemeinen Konsens kulturwissenschaftlicher Disziplinen im Hinblick auf die Verortung von McDonaldisierung und Disneyization. Aufbauend auf Webers Rationalisierungsbegriff und Mannheims Unterscheidung von substantieller und funktionaler Rationalität schlussfolgert sie:
„Mannheim vermutet für die fortschreitende industrialisierte Gesellschaft, dass sich die funktionale Rationalität weiter ausbreitet. Mit dieser Ansicht schließt er sich Webers Theorie der formalen Rationalität, durch Anwendung von Regeln ans Ziel zu gelangen, an. Beide glauben an die Dominanz der Zweckrationalität über die Wertrationalität." (Hampel 2010: 108)
Eine ausführliche Auseinandersetzung mit Webers Theorie in Form einer umfassenden
Exegese seiner Schriften bleibt im Rahmen dieser Arbeit aus den im Abschnitt zum Forschungsstand angeführten Gründen aus. Selbiges gilt für eine genauere Betrachtung von Mannheims Thesen. Dem Fortkommen der argumentativen Herleitung meiner praktischen Arbeit geschuldet, erfolgt stattdessen ein Rückgriff auf Degele/Dries Zusammenfassung ihrer Analysen zu Webers Theorie und den darin dargebotenen inhaltlichen und methodischen Anschlusspunkten für Autoren wie Ritzer oder den deutschen Soziologen und Gesellschaftstheoretiker Nikklas Luhman, der zusammen mit Talcott Parsons zu den wegweisendsten Vertretern der soziologischen Systemtheorie zählt. Ausgehend von dem im Folgenden angeführten Zitat kann im Weiteren eine hinreichende Klärung und Einordnung von Ritzers Diagnosen erzielt und ein profunder Übergang hin zu Brymans Thesen zur Disneyization erarbeitet werden:
Webers rationalisierungstheoretische Fassung von Modernisierung lässt verschiedene Anschlüsse zu. Die Luhmann'sche Systemtheorie knüpft mit dem Gedanken der Ausdifferenzierung von Teilsystemen an, Handlungstheorien setzen sich mit Handlungsorientierungen entlang der von Weber skizzierten Idealtypen auseinander, und organisationssoziologisch bieten die Überlegungen zu Bürokratie und Formalisierung fruchtbare Andockstellen. Auch die Lebensstilforschung kann ihre Akzentverschiebung von der Produktion zur Konsumtion mit Webers Rationalisierungstheorie begründen. Ein Beispiel dafür liefert der […] Neo-Weberianer George Ritzer, für den McDonald's das Paradigma des (spät-)modernen Rationalisierungsprozess schlechthin ist." (Degele/Dries 2005: 107)
Bezugnehmend auf Degeles/Dries Analyse ist darauf zu verweisen, dass es im seit Jahrzehnten anhaltenden Diskurs zu Modernisierungsmechanismen, Rationalisierungsprozessen und Liberalisierungsbestrebungen durchaus strittig ist, ob die von Ritzer konstatierte, ausführlich beschriebene und mit Beispielen unterfütterte McDonaldisierung entweder als ein Phänomen der Moderne mit Ursprung im Fordismus, als ein Konzept der Postmoderne oder aber vielmehr als ein „Konglomerat von modernen und postmoderner Eigenschaften" (Hampel 2010: 105) zu betrachten ist . Der Versuch einer Klärung dieser systemischen Frage würde im Kontext der vorliegenden Überlegungen eindeutig zu weit von der Bearbeitung der eigentlichen Thesen abweichen und somit einen zusätzlichen Exkurs erfordern. Aufgrund dessen wird im Folgenden auf eine Darlegung und nähere Besprechung weiterer Positionen innerhalb des genannten Diskurse verzichtet. Sofern es für die Gangart der Ausführungen dennoch notwendig erscheint, näher auf oben genannte Diskussionspunkte einzugehen, werden die entsprechenden Aspekte im weiteren Verlauf der Arbeit beleuchtet und in den jeweiligen Argumentationszusammenhang eingepflegt.
Zunächst ist es jedoch notwendig, Ritzers theoretisches Konzept näher zu erläutern und die fünf konstitutiven Dimensionen der McDonaldisierung soweit aufzubereiten, dass sie zur anschließenden Besprechung von Brymans Konzept herangezogen werden können. Die fortschreitende Implementierung und damit der Erfolg von McDonaldisierung, als"process by which the principles of the fast-food restaurant are coming to dominate more and more sectors of American society as well as of the rest of the world." (Ritzer 2011a: 168), gründet laut Ritzer auf fünf Schlüsselfaktoren bzw. Dimensionen: Effizienz, Kalkulierbarkeit, Voraussagbarkeit und Kontrolle. Höchstmögliche Effizienz oder"the effort to discover the best possible means to whatever end is desired" (Ritzer 2011a: 167) wird durch verschiedene Maßnahmen zu erreichen gesucht:
„Workers in fast-food restaurants clearly must work efficiently; for example, burgers are assembled, and sometimes even cooked, in an assembly-line fashion. Customers want, and are expected, to acquire and consume their meals efficiently. […] Overall, a variety of norms, rules, regulations procedures, and structures have been put in place in the fast-food restauant in order to ensure that both employees and customers act in an efficient manner. Furthermore, the efficiency of one party helps to ensure that the other will behave in a similar manner." (Ritzer 2011a: 168)
Effizientes Verhalten sowohl von Angestellten als auch von Kunden,"by following the steps in a predesigned process" (Ritzer 2011b: 14), ist zwingende Voraussetzung für einen reibungslosen Ablauf in einem auf den Prinzipien der McDonaldisierung gründenden Unternehmens. Neben einem effektiven Zeitmanagement und einer strikten Arbeitsteilung (vgl. Hampel 2010: 109) ist eines der bedeutendsten Paradigmen, mit denen die Effizienz eines solchen Unternehmens steht und fällt, das der Selbstbedienung. Dabei variiert der Grad der vom Kunden im Zuge von Rationalisierungsprozessen geforderten Selbstbedienung von Branche zu Branche und auch von Unternehmen zu Unternehmen. Als ein Beispiel aus Deutschland bietet sich die Bäckerei-Kette Backwerk an, in deren Filialen Kunden einen nicht unerheblichen Teil jener Arbeiten übernehmen, die in althergebrachten Bäckereien von BäckereifachverkäuferInnen erbracht werden. Bezugnehmend auf Ritzer betont Hampel:
„Dabei kann sich die Effizienz der Institution stark von der Effizienz der Angestellten und Kunden unterscheiden. Der Trend geht dahin, dass dem Kunden immer mehr Arbeit aufgebürdet wird, so dass der Kunde eine unbezahlter Mitarbeiter wird. Bei McDonald's bspw. wird der Müll vom Kunden selbst entsorgt. Im Falle des"Drive Thru" in den USA bzw. des „McDrive" in Deutschland nimmt der Kunde seinen Müll sogar mit nach Hause." (Hampel 2010: 109)
Augenfällige Beispiele für diese erste Dimension der McDonaldisierung sind u.a."Drive In" - Autoschalter. Verwiesen sei in diesem Zusammenhang nicht nur auf Autoschalter von McDonald's, Burger King oder anderer Fastfood-Ketten. Auch andere Branchen bedienen sich zunehmend dieses Formats. Weit verbreitet sind zum Beispiel auch in Deutschland befahrbare Bau- und Supermärkte oder aber Apotheken mit Autoschalter. Zum Beleg der Ubiquität des genannten Prinzips benennt Ritzer weitere Beispiele für Maßnahmen zur Effizienzsteigerung und betont, dass eben solche zunehmend auch im Bildungssektor implementiert würden. Allen voran sei hier auf die in den USA weitverbreiteten und auch in Deutschland an Zuspruch gewinnenden multiple-choice Testverfahren als einem Beispiel für den Versuch einer Effizienzsteigerung im Bildungssektor hingewiesen (vgl. Ritzer 2011b: 63). Auch im medizinischen Bereich ist eine Effizienzsteigerung erklärtes Ziel und wird zum Gegenstand wiederholter Forderungen sowohl von Kliniken und Krankenkassen als auch von Patienten. Ritzer verweist in diesem Zusammenhang auf die Zunahme ambulanter Kliniken und sogenannter"McDoctors" oder"Docs-in-a-box" und konstatiert:
„For instance, it is more efficient for the patient to walk in without an appointment than to make an appointment with a regular physician and wait until that time arrives. For a minor emergency, such as a slight laceration, walking through a McDoctors is more efficient than working your way through a large hospital's emergency room." (Ritzer 2011b: 65)
Eine Steigerung erfährt diese Entwicklung mit der Einrichtung von minute clinics in US-amerikanischen Apotheken und Supermärkten, in denen Krankenschwestern und Assistenzärzte leichtere gesundheitliche Probleme behandeln, Leistungen aus dem Bereich der Gesundheitsvorsorge anbieten und Impfstoffe verabreichen (Ritzer 2011b: 66). Ritzer bringt in seiner ausführlichen Analyse noch zahlreiche weitere Bespiele für eine zunehmende Fokussierung auf Effizienz an. Genannt seien hier dem begrenzten Rahmen der Arbeit geschuldet folgende Schlagworte: WWW, Google, Youtube, Flickr und andere soziale Netzwerke, Wikipedia, Tagging, Online Dating, individualisierte Diät- und Fitnessprogramme, Simplifizierung von Produkten (vgl. Ritzer 2011a: 55-77). Die zweite Dimension der McDonaldisierung bildet das Prinzip der Kalkulierbarkeit bzw. Berechenbarkeit:
„Calculability emphasizes the quantitative aspects of products sold (portion size, cost) and services offered (the time it takes to get the product). In McDonaldized systems, quantity has become equivalent to quality; a lot of something, or the quick delivery of it, means it must be good." (Ritzer 2011b: 14)
Welche Folgen es für die Gangart und das kulturelle Selbstverständnis einer Gesellschaft hat, wenn Quantität zunehmend zum Surrogat für Qualität wird (vgl. Ritzer 2011b: 79), lässt sich im Rahmen dieser Arbeit nicht auch nur annäherungsweise beantworten und auch Ritzer selbst muss sich von seinen Kritikern häufig den Vorwurf gefallen lassen, dass er die Tragweite einer fortschreitenden McDonaldisierung für Kultur und soziales Leben nicht ausreichend untersucht hat:
„Ritzer is also accused of neglecting the cultural dimension of McDonaldization and in particular of the way the semiotic construction of McDonald's functions to make the McDonald's experience as much as social and cultural experience as a culinary one (Caputo; Wynyard; and Alfino), or as 'missing the cultural basis of irrationality' (wa Mwachofi)." (Kellner 1998: viii)
Inwieweit diese Kritik an Ritzers Methodologie und inhaltlichen Schwerpunktsetzung gerechtfertigt ist, wird zum Abschluss dieses Abschnitts, wenn auch nur summarisch, diskutiert. Bevor im Folgenden zu dem dritten Schlüsselprinzip von McDonaldisierungsprozessen, der Vorhersehbarkeit, übergeleitet wird, sollten zum besseren Verständnis dessen, was mit Kalkulier- bzw. Berechenbarkeit gemeint ist, in aller Kürze ein paar von Ritzer angebrachte Beispiele aufgezeigt werden. Man könnte das Schlüsselprinzip Kalkulierbarkeit unter dem Slogan"Bigger is Better!" (vgl. Hampel 2010: 110) zusammenfassen und dabei zur Veranschaulichung auf Super Size Hamburger, riesige Frittenportionen und zunehmende Softdrinkgrößen à la"Big Gulp","Super Big Gulp" und"Double Gulp" verweisen (vgl. Ritzer 2010: 78). Das hätte jedoch in jedem Fall zur Folge, dass kovariierende Entwicklungen von erheblich größerer Relevanz missachtet würden. An diesem Punkt lohnt es, einen kurzen Blick auf die technischen Voraussetzungen zu werfen, die für alle fünf Dimensionen der McDonaldisierung von entscheidender Bedeutung sind. Zu vermuten ist, dass die technischen Errungenschaften des Computerzeitalters Effizienzbestrebungen und Prozesse der Quantifizierung vorantreiben bzw. in Ihren mondialen Ausmaßen erst ermöglichen (vgl. Ritzer 2011b.: 80). Selbiges gilt insbesondere auch für die Dimension der Kontrolle, auf deren Bedeutung innerhalb des letzten Kapitels im Kontext von Stadtplanungs- und Überwachungspolitik nochmals eingegangen werden wird. Zur Verifizierung dieser These genügt es, auf das WWW, auf Content Management Systeme wie Typo3, MODX oder Joomla, auf E-Commerce Software mit angeschlossenen Warenwirtschaftssystemen oder Unternehmenssoftware wie SAP zu verweisen. Andere Beispiele sind intelligente Scanner Kassen, die u.a. eben auch der Quantifizierung und damit der Kontrolle von Arbeitsleistung dienen, vollautomatische Bankterminals und elektronische Kundenbindungssysteme, sowie RFID-Chips (Radio-Frequenz-Identifikation) zur lückenlosen Dokumentation von Kühlketten oder, wie es im Falle der Fußball WM 2006 geschehen ist, zur Einlasskontrolle (mit Option auf weitere Funktionen) (vgl. Brüchert 2007: 234, Eick/Sambale/Töpfer 2007: 8, 17 f.).
Quantifizierbarkeit sollte aber keineswegs nur im Zusammenhang mit Portionsgrößen, Liefergeschwindigkeiten oder technischen Neuerungen diskutiert werden. Die seit nun mehr seit Jahren anhaltenden Diskussionen zum Bologna-Prozess mögen in Deutschland an Heftigkeit verloren haben, die Hauptkritikpunkte an der Schaffung eines europäischen Hochschulraums stehen aber nach wie vor zur Debatte und bedürfen einer weiteren Evaluierung. Ritzer bringt einige, wenn auch z.T. höchst reißerische Beispiele an, die auf die wachsende Bedeutung von Quantifizierbarkeit im Bildungssektor hinweisen und die Prognose einer zunehmenden McDonaldisierung sowohl des internationalen Hochschulwesens als auch des globalen Wissenschaftsbetriebes glaubhaft erscheinen lassen (Ritzer 2011b: 84-87):
„The 'publish or perish' pressure on academicians in many colleges and universities leads to greater attention to the quantity of their pubications than to the quality. In hiring and promotion decisions, a resume with a long list of articles and books is generally preferred to one with a shorter list. […] The unfortunate consequence of this bias is publication of less than high-quality works, the rush to publication before a work is fully developed, or publication of the same idea or finding several times with only minor variations. (Ritzer 2011b: 85)
Zur Untermauerung seiner Beobachtungen verweist Ritzer auf einen Fall, in dem ein"award-winning teacher" (Ritzer 2011a: 85) abgelehnt wurde, weil seine Publikationsliste nach Ansicht der Berufungskomission für den vorgesehenen Posten nicht ausreichend lang war -"not as thick as the usual paket for tenure" (Peterson 1995). Parallelen zum Kunstbetrieb lassen sich nur schwer von der Hand weisen.
Vorhersehbarkeit als dritte und Kontrolle als vierte Dimension werden im Nachstehenden nur in stark verkürzter Form behandelt. Das liegt darin begründet, dass beide Prinzipien im Gegensatz zu den ersten beiden Dimension sowohl im Abschnitt zu Brymans Thesen als auch in den nachfolgenden Kapiteln nochmals erwähnt werden. Zur ersten Klärung des Begriffs der Vorhersehbarkeit („In a rational society, consumers want to know what to expect in all settings and at all times. They neither want nor expect surprises." (Ritzer 2010: 80)) kann auf eine prägnante Zusammenfassung von Degele/Dries zurückgegriffen werden, auf der gründend die Frage erörtert werden soll, inwieweit eine Popularisierung von Vorhersehbarkeit zu einer fortschreitenden Homogenisierung führt:
„Vorhersehbarkeit knüpft an das Prinzip der Berechenbarkeit an und bedeutet konkret, dass man zu jedem Zeitpunkt und an jedem Ort im Vorhinein weiß, wie der Hamburger, den man heute in Los Angeles und morgen in Moskau zu sich nimmt, schmecken wird. Denn wer bei McDonald's, Pizzahut oder Starbucks einkehrt, ist vor Überraschungen weitgehend gefeilt. Saubere Toiletten, formalisierte 'Kundengespräche' an der Registrierkasse, einheitliches Design mit hohem Wiedererkennungswert und bis ins Detail standardisierte Zutaten, schaffen überall auf der Welt ein hohes Maß an Erwartungssicherheit." (Degele/Dries 2005: 108 f.)
Dabei beschränkt sich Vorhersehbarkeit, und die damit einhergehende Erwartungssicherheit, nicht auf standardisierte Industrieprodukte, seien es nun Hamburger, Softdrinks oder Tiefkühlpizzen, sondern erstreckt sich auch auf Freizeitangebote, Kulturgüter und soziale Interaktionen (vgl. Ritzer 2011a: 97-115, Degele/Dries 2005: 109). An eben diesem Punkt setzen die Analysen derjenigen Kulturkritiker an, die eine Homogenisierung der westlichen Gesellschaft bzw. großer Teile der Weltgemeinschaft prognostizieren (vgl. Abschnitt zu Disneyland Paris im Abschnitt zu Bryman). Nun kann man argumentieren, dass das Prinzip der Erwartungssicherheit schon seit Einführung von Markenartikeln am Endes des 19. Jahrhunderts (vgl. Haug 2011: 122) bewährtes Zugpferd der Kundenbindung ist. Dem muss jedoch mit aller Entschiedenheit entgegengesetzt werden, dass es im Zuge von Globalisierung und Neoliberalisierung zu einer enormen Verschärfung eben solcher Entwicklungen gekommen ist. Ob man dabei Haugs Pessimismus in seiner perspektivischen Verengung beipflichten möchte, sei jedem selbst überlassen:"Es sind durchdringende Mächte, die das Eigenrecht und den Eigen-Sinn von Regionalität oder Lokalität oder von »Heimat« so lange verdünnen, bis diese zu einer Art Plastikfurnier gemacht haben." (Haug 2011: 118).
Einhergehend damit lässt sich seit einigen Jahren eine augenfällige Fokusverschiebung im Hinblick auf die Aufgaben des Stadtplanungssektors konstatieren (vgl. Eick/Sambale/Töpfer 2007, Roost 2000). So gewinnen Sicherheitsaspekte und damit die Entwicklung von Überwachungskonzepten zunehmend an Bedeutung.
Die messbare Zunahme von Überwachungssystemen im städtischen Raum leitet über zum Prinzip der Kontrolle und damit zur vierten Dimension der McDonaldisierung. Kontrollmechanismen erstrecken sich sowohl auf Angestellte als auch auf Kunden:
„The great source of uncertainty, unpredictibality, and inefficiency in an rationalizing system is people – either those who work within it or those served by it. Hence, efforts to increase control are usually aimed at both employees and customers, although processes and product may also be targets." (Ritzer 2011b: 117)
Im Zuge von Industrialisierung und eines wachsenden Zuspruchs für die Erkenntnisse des auf den US-Amerikaner Frederick Winslow Taylor zurückgehenden Scientific Managements (= Taylorismus) haben die technischen Möglichkeiten („Technology not only includes maschines and tools but also materials, skills, knowledge, rules, regulations, procedures and techniques." (Ritzer 2011b: 117)) zugenommen, Angestellte kostengünstig und ohne großen Personalaufwand zu kontrollieren, ihre Arbeitsleistung zu quantifizieren und ggf. zu optimieren, was"allerdings die Tendenz der Ersetzung menschlicher Handlungen und Arbeitskraft durch berechenbare Maschinen und teilweise undurchschaubare Routinen" (Degele/Dries 2005: 110) zur Folge hat. Selbiges gilt für die Sondierung und Steuerung des Konsumentenverhaltens. Ritzer verweist in diesem Nexus auf zahlreiche Bereiche gesellschaftlichen Lebens, in denen die Kontrolle über den Konsumenten bzw. den Bürger entscheidend für die Erhaltung des jeweiligen Systems ist, sei es nun auf mikro- oder makropolitischer Ebene (Ritzer 2011a: 117-142). Dabei nimmt er Bezug auf Focaults"Panoptikum" (Ritzer 2010: 85) und Webers"stählernen Käfig" (Ritzer 2010: 84 f.). In vielen Fällen gilt: Kohärenz statt/gegen Kontingenz. Beispielhaft sei hier auf die in den USA und vielen anderen Staaten seit Jahrzehnten äußerst populären gated communities hingewiesen, in denen selbst das Leben der Bewohner zuweilen von einer Vielzahl von Restriktionen bestimmt ist, deren Einhaltung streng überwacht wird:
„Although ther barriers are there to prevent unwanted outsiders from gaining entry, they do place contraints on the"inmates" as well, the consumers of this way of life, who often find themselves on the video screen or the object of the gaze of security personnel." (Ritzer 2010: 84)
Die Frage danach, welche Opfer man als Gesellschaft für ein Gefühl von Sicherheit zu erbringen bereit ist und welche Folgen solche Opferbringungen für unser Leben als ein von Gemeinschaft Geprägtes haben könnten oder bereits haben, ist eine stets Wiederkehrende, um die sich immer wieder hitzige Diskussionen entfachen – sei es nun im Hinblick auf Gesetzesentwürfe zur Vorratsdatenspeicherung, Überlegungen zur Verschärfung oder Lockerung des Waffenrechts oder Regularien zur Sterbehilfe. Fakt ist, dass Rationalisierungsbestrebungen bzw. rationalisierte Systeme immer auch Irrationalität zur Folge haben bzw. produzieren können und in vielen Fällen faktisch produzieren, womit wir letzten Endes beim fünften Schlüsselprinzip der McDonaldisierung, der Irrationalität angelangt sind. In diesem Zusammenhang greift Ritzer abermals und in gewohnt vereinfachender Weise auf die Theorie Max Webers zurück:
„As Weber noted, a paradox of rationalized systems is that in the pursuit of"perfect" rationalization, irrationalities develop. For emlpoyees, consumers, and the whole of society, rationalization is irrational in various ways, especially the fact that it dehumanizes the fundamentally social acts of production and consumption through the means [die vier anderen Dimensionen, Anm. d. Verf.] described above." (Ritzer/Ovadia 2000: 36)
Keine zeitgenössische Abhandlung zu Modernisierungsmechanismen kann sich einer fundierten Analyse von Konsumkultur verschließen. Dem Rechnung tragend hat Ritzer den Versuch unternommen, seine Thesen zu McDonaldisierung in ein weitergreifendes theoretisches Gerüst einzubetten. Davon zeugen u.a. seine Publikationen"Enchanting a Disenchanted World" (Ritzer 2010) und"Globalization. The Essentials" (Ritzer 2011a). Trotz dessen muss der Kritik des Soziologen Robiny Wynyard aus dem Jahr 1998 auch heute noch uneingeschränkt zugestimmt werden:
„Theory is the way forward to further study and in linking related concepts, becomes the steppingstone for later explanations. No matter how insightful Ritzer's empirical observations are (and they often are), they never seem to click with theory. Rather than connect with other modern twentieth-century phenomena, they seemed to lead back to a simple (albeit) interesting discussion of McDonald's and fast-food outlets in general. Interesting though this is, it is not sociology; it does not contain any analyses an its lack of conceptual definition does not make it useful, except in a 'round the houses' kind of discussion." (Wynyard 1998: 160)
Aufbauend auf diese berechtigte Kritik sollte Nachstehendes jedoch nochmals betont werden: Ritzers (ebenso wie Brymans) auf Beobachtungen und deren Beschreibung basierendes Vorgehen bietet Potenzial sowohl für empirische Studien als auch wissenschaftstheoretische Anschlussüberlegungen und methodologische Analysen und so wurde die Möglichkeit einer Diskursöffnung und theoretischen Einbettung von Ritzers Thesen in den letzten Jahren von zahlreichen Autoren verschiedener Diziplinen genutzt, wie ein Blick in das von Alfino/Caput/Wynyard 1998 herausgegebene Sammelband"McDonaldization Revisited. Critical Essays on Consumer Culture" (Alfino/Caput/Wynyard 1998) beweist.
Auf die Parallelen zwischen Brymans und Ritzers Thesen wurde bereits mehrfach hingewiesen. Aufbauend auf diese Verwandtschaft und damit auf die bereits geleistete Vorarbeit im vorangegangenen Abschnitt sollen nun die vier Dimensionen von Disneyization vorgestellt und näher untersucht werden. In derselben Weise, wie Ritzer zu beweisen sucht, dass die postmoderne Gesellschaft im Zuge von seit Jahrzehnten anhaltenden Rationalisierungsbestrebungen zunehmend nach jenen Prinzipien operiert, denen der Erfolg global agierender Fastfood-Ketten wie McDonald's zu Grunde liegt, bemüht sich Bryman den Nachweis für seine These zu erbringen,"that more and more aspects of our society are exhibiting features that are associated with the Disney theme parks" (Bryman 2004: vii) und unterstreicht:
„In addition to drawing attention to ways in which the Disney parks may have been influential on a variety of social institutions and practices, I also argue that they exemplify certain developments that were in train before the first park opened (Disneyland in 1955). In other words, the Disney theme parks are emblematic of certain trends that I identify in this book while simultaneously having been influential in their own right." (Bryman 2004: vii)
Bevor im Folgenden die vier Dimensionen von Disneyization erörtert werden, soll mit dem nachstehendem Zitat von Bryman die noch ausstehende Begründung für die parallele Verwendung sowohl von Disneyization als auch des weitaus häufiger verwendeten Terminus Disneyfication bzw. seines deutschen Pendants Disneyfizierung:
„My reason for preferring the alternative term is that Disneyfication is typically with a statement about the cultural product of the Disney company [wie Trickfilme, Spielfilme, Zeichnungen, etc., Anm. d. Verf.]. To Disneyfy means to translate or transform an object into something superficial and even simplistic." (Bryman 2004: 5)
Im deutschsprachigen Raum wird selten eine Unterscheidung zwischen den beiden Termini getroffen. Unabhängig davon welche Schwerpunktsetzung die Autoren verfolgen wird ohne weitergehende Erläuterung zumeist auf den deutschen Begriff Disneyfizierung zurückgegriffen. Um eine solche Indifferenz in der Wortverwendung zu vermeiden, wird Disneyization stets in Anlehnung an Brymans Begriffsdefinition gebraucht. Ist hingegen eine Simplifizierung von kulturellen Gütern gemeint, wird auf den Begriff Disneyfizierung zurückgegriffen.
Bryman betont, dass theming die wahrscheinlich augenfälligste Dimension von Disneyization sei (vgl. Bryman 2004: 15). Wie auch Gottdiener (vgl. Gottdiener 2001) und Beeck (vgl. Beeck 2003) gelangt er zu der Schlussfolgerung:"Theming provides a veneer of meaning and symbolism to the objects it is applied" (Bryman 2004: 15). Als Methode findet theming u.a. Anwendung im Produktdesign, wird aber primär"zur semantischen Programmierung von Raum durch die Applikation eines Narratives" (Beeck 2003: 5) eingesetzt. Dabei speist sich das Reservoire an Themen aus verschiedenen Kulturbereichen. Brymans Einteilung möglicher Quellen für theming umfasst zwölf Kategorien: Orte, Zeitabschnitte, Sport, Musik, Kino/Filme, Mode, Waren, Architektur, Natur, Literatur und als Sonderform des themings (reflexive theming): Firmen und ihr Logo. Beeck verweist, wie auch Bryman, auf die unbegrenzenten Kombinationsmöglichkeiten verschiedener Themenkategorien und argumentiert im Fortgang ihrer Arbeit, dass Räume durch die Applikation eines Narratives eben jener"Beliebigkeit enthoben werden" (Beeck 2003: 7) können, die Produkt einer"Entdifferenzierung und Globalisierung von Kultur" (Beeck 2003: 7), verursacht durch die weitgreifenden Homogenisierungstendenzen neoliberalistischer Modernisierungsmechanismen, sei. Eine ähnliche Argumentationslinie verfolgt Ritzer, indem er argumentiert, dass die zunehmende Rationalisierung bzw. McDonaldisierung zu einer Entzauberung der (Konsum-)Welt führe, der von Marketingspezialisten, Architekten und Imagineers mit Werkzeugen wie dem theming entgegenzuwirken versucht wird:
„There is a tendency for people to become bored and to be put off by to machine-like efficiency in the settings in which they consume. The challenge for today's cathedrals of consumption (as for religious cathedrals) is how to maintain enchantment in the face of increasing rationalization." (Ritzer 2010: 8)
Gottdiener warnt vor einer allzu reduktionistischen Kulturanalyse, die infolge einer verstärkten Konzentration auf den Symbolwert von Waren die"threefold dialectic" (Gottdiener 2000: 25-29) aus Gebrauchs-, Tausch- und Zeichenwert außer Augen lässt. Damit vertritt Gottdiener einen genuin materialistischen Ansatz. Diesem folgend kritisiert er nicht nur einige Argumente Ritzers (vgl. u.a. Gottdiener 2000: 15, 21, 26), sondern auch Baudrillards oft zitiertes"Theorem der Simulation" (vgl. Ludwig 2008), das in kulturwissenschaftlichen Studien zum Themenkomplex Disneyization geradezu inflationär Anwendung findet:
„Some encounters with aspects of society, such as a visit to Las Vegas or Disneyland, may even seem to prove that Baudrillard is right – simulationand sign value supersede all other aspects of culture. It's easy to forget that these phenomena are simpli capitalism's ways of extending profit making into new, formerly unexplored domains of daily life – that, in short, spectacular signing and simulation remain part of the political economy of capitalism. This is clearly demonstrated by the appearence of theming and new consumption spaces in society." (Gottdiener 2000: 38)
Beispiele für themed environments in den USA gibt es unzählige. Auch in Deutschland findet theming verstärkt Anwendung. Ohne an dieser Stelle unnötig viele Beispiele aus verschiedenen Sektoren aufzählen zu wollen, seien hier kurz zwei thematisch gestaltete themed environments in Köln bzw. aus der unmittelbaren Umgebung Kölns genannt: Ein klassisches themed environment bildet der Vergnügungspark Phantasialand in Brühl, der wie auch die Disneyparks als Themenpark konzipiert ist. Anders als bei den Disneyparks, dem Parc Astérix oder dem Moviepark Bottrop gilt für das Phantasialand Folgendes jedoch nicht:"First, each theme park is itself themed in the sense of having an overarching narrative unity" (Bryman 2004: 19). Ebenso wie die vorgenannten Parks wartet das Phantasialand, das 1967 als Märchenpark gegründet wurde und mit den Jahren immer weiter expandierte, hingegen mit verschiedenen Themenwelten auf: Fantasy (Wuze Town), Deep in Africa, Berlin, Mexico, Mistery und China Town. Diese sechs Themenwelten sind nochmals in verschiedene Sektionen unterteilt, denen eine oder mehrere Attraktionen angegliedert sind. Wie auch in den Disney Themenparks wird das Narrativ der jeweiligen Themenwelten und untergeordneten Sektionen durch die Architektur, die Dekorationsutensilien, die Arbeitskleidung und das Auftreten der Angestellten, die Soundkulisse, die dargebotenen Shows und die angebotenen Getränke, Speisen und Waren, seien es nun ausgefallene Süßwaren, Merchandising-Produkte oder andere Andenken, abgebildet (vgl. Bryman 2004: 19). Neben Restaurants, Imbissbuden und Souvenirshops verfügt das Phantasialand, das mit rund 2 Millionen Besuchern jährlich der zweitgrößte Freizeitpark in Deutschland ist (Scharrenbroch 2012), neben den beiden Themenhotels LING BAO (China Town) und MATAMBA (Deep in Africa) mit Smokey's Digger Camp über ein Tipi-Dorf, indem man abends"[...] unterm funkelnden Sternenhimmel sitzen, ein geselliges Barbecue genießen und in Rundzelten übernachten [...]" kann (Phantasialand 2012).
Ein anderes themed environment soll bis zum Spätsommer diesen Jahres im Kölner Rheinauhafen fertiggestellt werden – der erste Playboy Club auf europäischem Festland. Auf zwei Etagen, einer Fläche von etwa 1400m² und mit Blick auf Schokoladenmuseum und Yachthafen soll sich ein gehobenes Restaurant mit Crossover Küche, eine bestens ausgestattete Bar, eine exklusive Zigarrenlounge (mit begehbaren Humidor) und ein exklusiver Club erstrecken (vgl. CityNEWS 2012, Diener 2012,):
„Wie in allen Playboy C lubs kommen auch in der Domstadt die berühmten Bunnies zum Einsatz. Seit den sechziger Jahren sind die Bunny-Kostüme mit ihren langen Bunny-Ohren, der Fliege um den Hals und dem legendären Puschelschwänzchen unverändert." (CityNEWS 2012)
Theming bietet nicht selten Anlass für Kritik. Das gilt insbesondere für jene Fälle, in denen themed environments an geschichtsträchtigen Orten gebaut werden sollen. Besonders schwer lastet der Fall immer dann, wenn das Narrativ des themed environments nur bedingt zu der Historie des Ortes passt oder es gar zu einem moralisch-ethischen Konflikt zu kommen droht.
Als zweite Dimension von Disneyization benennt Bryman das Prinzip der hybrid consumption. Auch wenn hybrid consumption für die vorliegende Arbeit nur von untergeordneter Bedeutung ist, soll dennoch in aller Kürze auch auf dieses Schlüsselprinzip von Disneyization eingegangen werden. Bryman zeigt mögliche Formen hybriden Konsums anhand verschiedener"cathedrals of consumption" (vgl. Ritzer 2010) auf und konstatiert:
„By 'hybrid consumption' I mean the genereal trend whereby the forms of consumption associated with different institutional spheres become interlocked with each other and increasingly difficult to distinguish. What we end up with under hybrid consumption are de-defferentiated forms of consumption in which conventional distinctions between theses forms become increasingly blurred to the point that theyalmost collapse." (Bryman 2004: 57)
Im Weiteren erläutert er, was er mit forms of consumption zu fassen sucht: Einkaufen gehen, einen Themenpark besuchen, in einem Restaurant essen, ein Museum oder Kino besuchen u.a. (Bryman 2004: 57), um anschließend herauszuarbeiten, welche Ziele Marktstrategen mit der Anwendung dieses Prinzips zu erreichen hoffen: Zum Einen zielt man darauf, durch ein breites Angebot an Geschäften, Dienstleistern und Vergnügungsmöglichkeiten dafür zu sorgen, dass der jeweilige „hybrid consumption location" (Bryman 2004: 58) als lohnenswertes Ausflugsziel wahrgenommen wird und somit auch Besucher aus weiter entfernt gelegenen Gegenden anlockt. zum Anderen zielt das breitgefächerte Angebot darauf, den Kunden zu einem möglichst langen Aufenthalt zu bewegen. Denn wie Bryman zeigt, gilt das Prinzip: „The more needs that can be met, the longer visitors will stay and the more money they will spend." (Bryman 2004: 59). Dass Themenparks und shopping malls mit ihren zahlreichen Restaurants, Imbissen, Bäckereien, Übernachtungsmöglichkeiten, Events und Souvenirshops dieser Ideale zu entsprechen suchen, bedarf keiner weiteren Erläuterung. Selbiges gilt für Museen, die mit ihren Museumshops und angegliederten Cafes Besucher zum längeren Verweilen und damit zum vermehrten Konsum"einladen" möchten. Hybrid consumption findet jedoch nicht nur in shopping malls, Zoos, auf Flughäfen und auf Kreuzfahrtschiffen Anwendung, sondern ist darüber hinaus längst fester Bestandteil von Online(-Shopping)-Angeboten (vgl. Bryman 2004: 76). Weniger bekannt dürfte hingegen die zunehmende Umsetzung dieses Prinzips auf so manchem Hochschulcampus sein: Bryman macht darauf aufmerksam, dass viele Hochschulgelände in den Vereinigten Staaten zunehmend einer mall ähneln (vgl. Bryman 2004: 74). Denselben Prozess beschreibt Gottdiener in"The Theming of America" (Gottdiener 2001) und verweist in diesem Zusammenhang auf die Universität von South Carolina, die bereits vor vielen Jahren ein shopping center mit vierzehn Geschäften für ihre Studenten und das Kollegium bauen ließ (vgl. Gottdiener 2001: 135). Ob dieser Trend auch in Deutschland Einzug erhalten wird, bleibt abzuwarten. Was sich hingegen jetzt schon anmerken lässt: Der Vertrieb von Merchandising-Artikeln, der in den USA auf eine lange Tradition zurückblicken kann und Schätzungen zu Folge Umsätze in Milliardenhöhe generiert (vgl. Vollmers 2010), hat sich in Deutschland aus Sicht vieler Hochschulen bisher noch nicht zufriedenstellend etablieren können. Anders als in den USA gestaltet sich in Deutschland der Verkauf von Kapuzenpullis, T-Shirts und Tragetaschen mit Logo der Hochschule sogar überaus schwierig (vgl. Becker/Kals 2012, Vollmers 2010). Warum viele Hochschule dennoch an dem Konzept festhalten und große Hoffnungen mit dem Vertrieb von Merchandising-Artikeln verknüpfen, erklärt Julia Göhre, Leiterin der Abteilung Vermarktung der Humboldt-Innovation GmbH:
„In Zeiten von Exzellenzinitiative und wachsender Hochschulkonkurrenz kommt es darauf an, die eigene Profilierung zu stärken und eine Hochschule auch als Marke aufzubauen […] Werbeartikel wie T-Shirts oder Kugelschreiber sind von der Uni-Leitung als ein essentieller Bestandteil der Imagebildung erkannt worden, um auch die Akzeptanz der Hochschulen unter den Studierenden zu erhöhen." (Göhre 2012, zit. n. Vollmers 2010)
Der Verkauf von Merchandising-Artikeln ist als drittes Schlüsselprinzip fester Bestandteil von Disneyization. Ich setze voraus, dass der Begriff merchandising jedem Leser geläufig ist. Aufbauend auf diese Annahme kann ohne weitergehende Erläuterungen auf die folgende Zusammenfassung Brymans zurückgegriffen werden:"'Synergy' is a relevant term here. The point of merchandising is that it may help to promote other related activities, as well as being profitable in its own right" (Bryman 2004: 80). Im Marketing-Jargon werden eben jene Synergieeffekte, derer sich der Mechandising-Tausendsassa Disney bereits seit Ende der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts bedient (vgl. Bryman 2004: 83), auch mit der Formel"2+2=5" bzw."2+2 ≥ 5" benannt.
Das vierte Schlüsselprinzip von Disneyization ist: performative labour. Der Name verweist dabei auf einen wachsenden Trend im Dienstleistungsgewerbe, die Arbeitsabläufe und das Auftreten der Angestellten derart zu gestalten (bzw. zu choreographieren), dass sie einer theatralischen Performance gleichen:"The employee becomes like an actor on a stage" (Bryman 2004: 103). Bryman benennt zwei essentielle Elemente, derer sich Unternehmen zur Manifestation und Optimierung derartiger Adaptionsbestrebungen bedienen:
„As with other aspects of Disneyization, emotional and aesthetic labour form an important weapon in the battle for differentiation. [...] In a sense, emotional and aesthetic labour become important for service organizations that have become McDonaldized and therefore highly standardized and homogenous." (Bryman 2004: 127 f.)
Die Akzeptanz der"Performer-Rolle" unter den Angestellten wird in vielen Unternehmen nicht nur durch die verpflichtende Teilnahme an umfangreichen Schulungsangeboten, sondern auch durch die Implementierung unternehmenseigener Sprachkodi zu erreichen gesucht (vgl. Disney Institute: 103, Bryman 2004: 103). Ziel vieler Dienstleistungsunternehmen ist es zudem, die Fähigkeit der Mitarbeiter zum deep acting zu schulen. Deep acting bedeutet, dass" (…) the emotional labourer really feels the emotions that are being exhibited", im Gegensatz zum surface acting, bei dem gilt:"The bodily gestures are approriate but lack real feeling or conviction." (Bryman 2004: 104). Es liegt auf der Hand, dass es deutlich schwieriger sein dürfte, Ersteres unter Angestellten zu kultivieren (Bryman 2004: 104), weswegen deep acting als "(...) a kind of holy grail to which many service organizations are commited as a means of improving service delivery." (Bryman 2004: 104) verbleibt, den viele Unternehmen mithilfe von Maßnahmen zur Verbesserung der Unternehmenskultur zu finden suchen:
„Developing mission statements and designing organizational culture values are among the ways that employees' emotions are enlisted for organizational ends. Tying employees emotionally to the organization and manipulating organizational culture to create a sense of meaning and attachement for them are among the main mechanisms for creating that bond." (Bryman 2004: 104)
Emotional labour ist eine gewichtige Teilmenge der Obermenge performative labour. Eine weitere Teilmenge bildet nach Bryman die aesthetic labour (vgl. Bryman 2004: 123), die ebenfalls einen erheblichen Anteil an einer erfolgreichen Umsetzung des Performance-Prinzips trägt. Besonders im Dienstleistungssektor haben viele Unternehmen äußerst genaue Vorstellungen davon, welchen Standards das Erscheinungsbild ihrer Angestellten genügen muss. Auch wenn es in allen Dienstleistungsbranchen oberstes Prinzip sein sollte, einen störungsfreien und damit planungssicheren Ablauf der zu erbringenden Dienstleistungen sicherzustellen, ist der Ausschluss von Kontingenzen und die Fokussierung auf eine narrative und ikonographische Kohärenz (vgl. Bieger 2007: 130) für die Schaffung einer"Ästhetik der Immersion" (Bieger 2007) vor allem für die Tourismusbranche und hier insbesondere für den Bereich der themed environments essentiell. Erscheinungsbild und Arbeitskleidung sind entscheidend für den Grad einer solchen Kohärenz. Dementsprechend erklärt das Disney Institut in"Be our Guest. Perfecting the Art of Customer Service." (Disney Institute 2011) warum der Disney Konzern trotz aller Kritik und Arbeitsrechtsstreitigkeiten, an den strengen Einstellungskriterien und Kleidungsvorschriften für seine Angestellten festhält:
„While some observers have tried to politicize the issue, policies regarding hair, jewelry, cosmetics, etc. are in place for sound business reasons. They are directly and clearly related to the quality standard of Show and they designed to ensure that we fullfill the fundamental principles of Quality Service: paying attention to the details and understanding guest expectations." (Disney Institute 2011: 67)
Bryman spricht in diesem Zusammenhang von einer Kommodifizierung von Körpern. Aufbauend auf diese These und bezugnehmend auf die von Bryman aufgeführten Studien zu den möglichen Folgen emotionaler Arbeit für die psychische und physische Gesundheit von Angestellten im Dienstleistungssektor (vgl. Bryman 2004: 121 f.), ließe sich ein Exkurs zu Marx Entfremdungsbegriff und dessen Inklusionspotential in Hinblick auf Ritzers und Brymans Thesen anstrengen. Ein solcher muss im Rahmen dieses Aufsatzes jedoch leider ausbleiben.
Das Schlüsselprinzip performative labour weist viele Parallelen zur Dimension der Kontrolle bei Ritzer auf. Anders als Ritzer hat sich Bryman jedoch dazu entschieden, jene Kontroll- und Überwachungsmechanismen, die mit einer zunehmenden Disneyization der Gesellschaft einhergehen bzw. diese überhaupt erst ermöglichen, als eigenständiges Schlüsselprinzip zu klassifizieren. Als Begründung für seine von Ritzers Konzept abweichende Gangart führt er folgendes Argument an:
„In a sense, it [control] is a feature of Disneyization but it is more of an enabling one rather than an aspect of it per se. Control and surveillance permit Disneyization in the form of the four dimensions outlined to operate to its full capacity. In other words, without control, theming, hybrid consumption, merchandising, and performative labour are less likely to be effective." (Bryman 2004: 131)
Kontrolle und damit einhergehend Überwachung dienen nach Bryman folglich zugleich als konstitutive Basis und Rahmenbedingung von Disneyization. Bryman unterscheidet sieben Formen von Kontrolle, die einer Manifestation der vier Schlüsselprinzipien dienen: control over visitor's behaviour, control of the theme park experience, control over the imagination, control as a motif, control over the behaviour of employees, control over the immediate environment und control over its destiny (vgl. Bryman 2004: 133-150). Einige der Kategorien werden Eingang in die folgenden Kapitel finden und bei Bedarf an den korrespondierenden Stellen näher erläutert, andere sind nur von marginaler Bedeutung für den vorliegenden Aufsatz, sodass eine Besprechung nicht lohnenswert erscheint.
Entscheidender für eine möglichst breitgefächerte Auseinandersetzung ist die Besprechung eines anderen, überaus gewichtigen Aspekts, mit dem sich sich nicht nur Bryman, sondern auch Ritzer (vgl. Ritzer 2011b) beschäftigt: Betrachtet man Disneyization und McDonaldisierung als signifikantes System aus eng ineinandergreifenden und von Interdependenzen geprägten Prinzipien, zwingt sich zwangsläufig die Frage nach Formen möglichen Widerstands auf. Zu unterscheiden ist wie bei jeder Analyse sozialer Praxis zwischen einer mikro- und makropolitischen Dimension (vgl. Bryman 2004: 149 f.). Bryman greift zur Unterscheidung der beiden Dimensionen auf einige ebenso typische wie leicht verständliche Exempel für einen affektbetonten mikropolitischen Widerstand zurück, in denen sich die Motivation für Protestaktionen bzw."ungehorsames Verhalten" weniger aus einer politischen Haltung als vielmehr aus dem Verlangen nach Lustbefriedigung speisen. Die nachfolgenden Zwischenfälle zeigen zudem, dass auch die Überwachungssysteme und Kontrollmechanismen in den Disney Themenparks zuweilen Lücken aufweisen und damit dem, vor dem viele Besucher von themed environments zu entkommen suchen, Tür und Tor öffnen:
„[...] Snow White's breasts are sometimes fondled, as are Minnie Mouse's, while two Snow Whites have reportedly been raped. […] In Disneyland Paris, Plutos frequently get bloody noses as a result of being punched by children and a Brer Bear has been stabbed. In addition, consumption of drugs and alcohol among teenagers and young adults is occasionally encountered, while occasional queue jumping sometimes occurs too." (Bryman 2004: 151)
Unter anderen Gesichtspunkten ist hingegen die politisch motivierte mikropolitische Resistenz vieler Kunden und Angestellter gegen jene Regularien und repressiven Maßnahmen zu bewerten, die in den vorangegangenen Abschnitten zu den Prinzipien performative labour und Kontrolle besprochen wurden. Ihre Bedeutung ist auch für kulturwissenschaftliche Studien nicht zu unterschätzen, zumal sie einige Anknüpfungspunkte für eine Beschäftigung mit Studien zu Systemtheorie, Gewerkschaftskultur und gender studies bietet. Wollen wir hingegen die Gründe für Akte makropolitischen Widerstands, eruieren, ist es zunächst erforderlich, zu klären, was mögliche Kritikpunkte an der zunehmenden Implementierung der von Ritzer und Bryman beschriebenen Ordnungsprinzipien und angrenzender bzw. korrelierender Phänomene wie Disneyfizierung sein könnten.
Zwar sind mit Globalisierung, Amerikanisierung und Homogenisierung im Laufe der vorangegangenen Ausführungen schon einige Schlagworte zur gesellschaftspolitischen Verortung möglicher Kritik gefallen, eine zufriedenstellende Sondierung dieses argumentativen Feldes musste aber bislang ausbleiben. In Anbetracht dessen, dass Rahmenbedingungen und Schwerpunktsetzung der vorliegenden Arbeit eine solche ohnehin nur bedingt zulassen und einige Aspekte als Bestandteil des fünften Kapitels nochmals besprochen werden, beschränke ich mich im Folgenden darauf, in aller Kürze die geläufigsten Kritikpunkte anhand einiger Zitate aufzuführen. Dabei stelle ich Frank Roosts Prognose zur Zukunft von urbanen Räumen an den Anfang, um einen Ausblick auf die Inhalte des fünften Kapitels geben zu können und zugleich eine doppelte Besprechung dieses Kritikfeldes zu vermeiden:
„Die Disneyfizierung der Städte ist keineswegs ein auf die amerikanischen Metropolen beschränktes Phänomen. […] Fortschreitende Suburbanisierung, soziale Polarisierung und Fragmentierung, die oftmals entlang ethnischer Zugehörigkeitsgrenzen verläuft, die Entstehung neuer Beschäftigungsschwerpunkte in den Randbereichen der Agglomerationen und eine zunehmende Bedeutung von Unterhaltungseinrichtungen bilden in Europa ähnlich wie in den Vereinigten Staaten eine Grundlage für die Entwicklung der Städte zu Landschaften der Simulation." (Roost 2000: 155)
Sowohl Disneyization als auch Disneyfizierung haben, wie bereits belegt werden konnte, Auswirkungen auf Städtebau und Architektur und damit auf die Frage, wie mit Armut, Verbrechen und ethnischen Konflikten umgegangen werden kann. Debouzy unterstreicht, dass andere Bereiche kulturellen Lebens in ähnlicher Weise"disneyfiziert" sind wie die"kontrollierten Erlebnisräume" (vgl. Roost 2000: 155) unserer Städte:
„Young people live in a world where it is (and always has been) omnipresent and appeals especially to them. You cannot be a child today and not be familiar with Disney. If you were born fifty years ago, you may have been told Grimm's and Perrault's tales. Today most children only know Disney's version of them." (Debouzy 2003: 32)
Um die Gründe für den Protest französischer Traditionalisten gegen den Bau des Disneyland Paris und den damit noch weiter zunehmenden Einfluss Disneys auf die Kultur Frankreichs (und ganz Europas) zu veranschaulichen (vgl. Debouzy 2003), bleibt zu klären, was"Disney's version of them" bedeutet:
„...that shameless process by which everything the Studio later touched, no matter how unique the vision of the original from which the Studio worked, was reduced to the limited terms Disney and his people could understand. Magic, mystery, individuality … were consistently destroyed when a literary work passed through this machine that had been taught there was only one correct way to draw." (Schickel 1986: 225, zit. n. Bryman 2004: 5)
Die Debatte um Standardisierung, Trivialisierung,"sanitization" (im Sinne von Filterung, vgl. Bryman 6 ff.) und Homogenisierung im Zuge einer fortschreitenden Kommodifizierung von Kulturgut gewinnt an Brisanz, sobald man sich vor Augen hält, wie viele Unternehmensbeteiligungen Disney hält. Diese garantieren dem Konzern eine optimale Nutzung der von Bryman beschriebenen Synergieeffekte (cross promotion, vgl. Roost 2000: 142) und schaffen damit die notwendige Basis für die weltweite Popularität von Disney Produkten, die den Literaturkritiker Jean-Marie Rouart des konservativen französischen Tageszeitung Le Figaro im Zusammenhang mit der Eröffnung des Disneyland Paris zu folgenden beiden kulturprotektionistischen (vgl. Debouzy 2003: 22) Aussagen veranlasst hat:"Euro Disney is the very symbol of the process by which people's cultural standards are lowered and money becomes all-conquering" und"France should never have backed such a project. This country must stand for universal cultural values, not universal nonvalues." (Cohen 1993). An dieser Stelle Positionen weiterer Disneyland Gegner anzuführen, wäre müßig. Denn wollte man die Debatte um mögliche Auswirkungen des Disneylands Paris und anderer Disney Produkte auf die Kulturlandschaft Europas weiter verfolgen, so müsste man das argumentative Feld weiter öffnen, indem man eine fundierte Analyse jener Diskurse integriert, die sich den Termini technici Massenkultur, Unterhaltungskultur und Konsumkultur widmen (vgl. z.B. Haug 2011, Bosch 2010, Gottdiener 2000). Dem kann jedoch an dieser Stelle in keinster Weise entsprochen werden, da das Ziel des vorliegenden Aufsatzes ist, lediglich eine erste Sondierung derjenigen wissenschaftlichen Felder ist, die sich mit eben jenen Phänomenen sozialer Praxis beschäftigen, die die Topoi meiner praktischen Arbeit stellen.
4. Exkurs:"getting the nursery ready"
Jene oben genannten Phänomene sozialer Praxis, die Ausgangspunkt meiner künstlerischen Arbeit sind, zu beschreiben und den Grad ihrer kulturellen Bedeutung zu bestimmen, ist die erste Leistung, die erbracht werden muss, um das Konzept hinter"getting the nursery ready" schlüssig erläutern zu können. Denn trotz dessen die Parallelen zwischen thematisch gestalteten Babyzimmern und theming als dem ersten Schlüsselprinzip von Disneyization offenkundig sind, muss auf einen grundlegenden Unterschied hingewiesen werden. Einen argumentativen Fixpunkt kann dabei folgende Beobachtung von Max Hollein liefern:
„Doch oft müssen Konsumenten erkennen, dass eine Ware nur in ihrem Ursprungskontext, dem Warenhaus, von der Schönheit beseelt ist, die sie so verführerisch und auratisch macht – im glanzlosen Alltag klaffen dann Gebrauchswert und Tauschwert zu stark auseinander. Diese Diskrepanz wird aber nicht mehr der neuen Warenwelt angelastet: Der Konsument ändert nicht sein Kaufverhalten, sondern seine alltägliche Umgebung – alles soll so anmuten, wie man es aus den Kaufpalästen kennt. Das Alltagsumfeld wird dem Schein der Shopping-Tempel angepasst. In diesem Akt der Appropriation wird der Konsument zum Künstler der Populärkultur." (Hollein 2000: 14)
Bis zu diesem Punkt hat sich das argumentative Feld des vorliegenden Aufsatzes auf themed environments beschränkt, die dem Konsum von Waren und/oder Dienstleistungen dienen und gestaltet wurden, um Profit zu machen. Theming dient hier als Differenzierungsoption, als ein"mechanism for distinguishing a service from that of its competitors even though the actual services may otherwise be more or less identical." (Bryman 2004: 17). Das vorgenannte Zitat von Hollein schlüsselt jene Verbindung zwischen dem vom Unternehmern durch theming (und andere Methoden der Verkaufsförderung) zu erreichen erhofften Distinktionsgewinn („[...] Differenzierung von anderen Anbietern (=placemaking) [...]" Beeck 2003: 7, 17) und dem daraus erwachsenden Bedürfnis der Kunden, ihre Lebenswelt der Ästhetik der shopping malls, Versandkataloge, Onlineshops und themed environments anzugleichen, auf, die entscheidend für das Konzept von"getting the nursery ready" ist. Es stellt sich zwangsläufig die Frage, welchen Einfluss eine stetig zunehmende Konfrontation mit thematisch gestalteten Konsumräumen auf soziale Praktiken von Individuen hat. Nach einer eingehenden Beschäftigung mit Videos von themed nurseries liegt der Gedanke nahe, dass es je nach Sozialisation des Individuums und Grad bzw. der Intensität der Konfrontation mit themed environments zu einer Verinnerlichung von theming als gestalterischem Prinzip kommen kann. Eine Übernahme in den privaten Raum in Form einer strukturellen Adaption, ob nun bewusst oder unbewusst, ist demnach eine folgerichtige Konsequenz. Ist dem so, steht nicht mehr zur Debatte, ob das Babyzimmer einem Leitmotiv untergeordnet wird, sondern nur noch welchem.
Als Einschub sei an dieser Stelle kurz auf Folgendes hingewiesen: Die Beschäftigung mit thematisch gestalteten Babyzimmern gilt vornehmlich nursery tour videos von US-amerikanischen VloggerInnen. Das hat zwei einfache Gründe: Zum Einen ist die Auswahl an im Internet verfügbaren deutschsprachigen"Babyzimmer-Videos" sehr überschaubar. Zum Anderen haben die meisten der nurseries kein Leitmotiv (vgl. bspw. flashselot 2011, Necrophylo 2008). Bei den wenigen Zimmern hingegen, die über ein übergeordnetes Thema verfügen, ist der"Grad der Determinierung" (Beeck 2003:11) im Vergleich zu den US-amerikanischen Pendants sehr gering (vgl. Gnial 2006). Einen Hinweis darauf, warum sich theming als gestalterische Methode in Deutschland (und im Rest Europas) außerhalb von Themenparks bislang nicht in ähnlicher Weise wie in den USA und Asien etablieren konnte (vgl. Beeck 19 ff.), gibt das Zitat von Ralph Thomas:
„(Deutschland) is one of the core countries of modernism, where it is not just a style but a commonly held set of beliefs. Here, ouvert theming is not just professionally taboo; many ordinary people are likely to have reservations about its more exuberant manifestations" (Thomas 2000: 54, zit. n. Beeck 2003: 20)
Welche Bedeutung dem Thema des Babyzimmers in vielen US-amerikanischen Haushalten beigemessen wird, kann nicht nur anhand der zahlreichen nursery tour videos abgelesen werden, sondern auch anhand von pregnancy vlogs, in denen das Thema für das Babyzimmer bereits Gegenstand ist, noch bevor mit der Einrichtung des Raums begonnen wurde. Als Beispiel hierfür sei auf das Video der Userin armeadors (2012) verwiesen, indem sie nicht nur der Bitte einiger ihrer followers nachkommt, bereits erworbene Babyartikel zu präsentieren, sondern auch das Thema für das Zimmer ihres Ungeborenen enthüllt (nursery theme reveal: 09:26-13:57). Der Grund für die Themenwahl scheint in diesem Fall simpel. Armeadors"liebt" Eulen:
„And I've always loved owls, like, I just, I love owls. So I am actually suprised I didn't do this theme, boy version, for Gavin [Sohn] because I've always loved owls and I don't know why. I just think, you know, they are so cool." (armeadors 2012)
Mit der Entscheidung für ein owls themed nursery liegt amreadors voll im Trend (vgl."Patrick's Nursery Tour" (3MenandaLady06 2011),"The Owl Trend.flv" (kmckaydesigns 2010)). Wie bereits in der Einleitung angemerkt, beschränkt sich die thematische Gestaltung der Babyausstattung nicht nur auf die Zimmer und die darin befindlichen Utensilien, sondern findet in einigen Fällen in den angrenzenden Badezimmern ihren Fortgang. Hierfür sei im Folgenden ein Beispiel genannt, das einer kurzen Erläuterung vorab bedarf. Die Vloggerin SillyConeBaby ist Mutter von drei Kindern (ein Junge, zwei Mädchen, im Alter von ca. vier bis zehn Jahren ) und, wie der Username schon vermuten lässt, leidenschaftliche Sammlerin von Rebornpuppen. Sie sammelt außerdem Schnuller (- man beachte ihre beträchtliche Schnullersammlung:"Pacifier collection part 1 [of 7] *Requested" (SillyConeBaby 2012b)), Windeln und andere Babyartikel (Kleidung, Accessoires etc.). Welche Ausmaße ihre Sammelleidenschaft annimmt, lässt sich anhand der zahlreichen Videos, in denen sie ihre Neuerwerbungen bzw. Tauschprodukte vorstellt, ablesen. Das Badezimmer, indem sie ihre Puppen badet, das aber auch sie und ihre Kinder nutzen, folgt thematisch wie auch das Kinderzimmer ihrer silicone babies, das zugleich das Zimmer ihrer jüngsten Tochter ist, dem Eulen-Trend:
„When I say the nursery bathroom that means the bathroom that I decorated that looks like the nursery and like it has the same theme and the same colors, kind of [...]" (SillyConeBaby 2012a)
Es entspricht in seiner Erscheinung und im Grad der thematischen Gestaltung einem typischen themed nusery bathroom und umfasst neben Hand- und Badetüchern mit Eulen Motiv einen Eulen-Seifenspender, ein Eulen-Bild und einen Eulen-Wandteppich sowie farblich abgestimmen Aufbewahrungsmöglichkeiten, Duschvorleger und Badezimmerteppiche. Augenfälligstes Eulen-Requisit ist der Duschvorhang mit thematisch passenden Aufhängern:
„And look at the cute little hooks I just love this part. I thought it was just adorable when I saw those. I knew i had to go with owls when I first saw those." (SillyConeBaby 2012)
Im Video zum Babyzimmer verweist sie nochmals auf das thematisch passende Badezimmer und auf die Duschvorhanghaken, die sie dazu bewogen haben, sowohl für Badezimmer als auch nursery Eulen als Narrativ zu wählen:
„I used a shower curtain for the curtain. It looks adorable. It matches the bathroom, but I used the shower hooks up there. It's just a little idea that I had. The same hooks I have in the bathroom. You know, I have a owl bathroom that is themed with the nursery. But that's a really cute idea if you guys wanna do that. It might be a cheaper option for you as well." (SillyConeBaby 2012c)
Zum Zwecke einer späteren Diskussion sei folgender Punkt in diesem Kontext schon einmal festgehalten: Es ist zu vermuten, dass die semantische Kopplung zweier differierender Funktionsräume den Grad symbolischer Gewalt (Bourdieu 1987) erheblich erhöht. Das gilt nicht nur in Bezug auf die jeweiligen Motive, sondern auch für die"narrative Grammatik" – in diesem Fall theming.
Es muss nicht weiter darauf eingegangen werden, dass das von der Vloggerin SillyConeBaby eingerichtete Baby-/Kinderzimmer in vielerlei Hinsicht von den typischen themed nurseries abweicht. Das bedingt allein die Tatsache, dass seine Funktion eine fundamental andere ist (- aufgrund der beträchtlichen Warenakkumulation und des hohen Grads an thematischer Determinierung empfehle ich dennoch wärmstens, das Video anzuschauen). Nun mag es nicht unbedingt schlüssig erscheinen, einen Überblick zu nursery tour videos geben zu wollen, indem gleich zu Beginn mit der Besprechung eines Sonderfalls begonnen wird. Mit folgender Begründung ist dieses Vorgehen jedoch durchaus nachvollziehbar und damit im Nexus eines experimentellen Exkurses innerhalb eines ohnehin unorthodoxen Aufsatzes wie diesem zulässig. Das Video von SillyConeBaby macht auf einige Punkte aufmerksam, die als Basis für eine möglichst weitgefächerte Argumentationsführung dienen können. Eine solche soll sicherstellen, dass all jene inhaltlichen Felder abgedeckt werden, die bei der Idee für"getting the nursery ready" entscheidend waren. Im weiteren Verlauf dieses Exkurses gilt es somit nicht, eine wissenschaftsnahen Rahmen aufzuspannen, sondern jene Phänomene zu beschreiben, die für mich themed nursery tour videos zum Faszinosum haben werden lassen und Anlass dafür waren, mich näher mit theming und darauf aufbauend mit den Begriffen Disneyization und Disneyfizierung zu beschäftigen.
SillyConeBaby's Clips verweisen ganz offenkundig auf eine Gruppe von Videos, die in den letzten Jahren enorm an Zuwachs gewonnen hat und damit auch im Kontext dieser Arbeit kurz Erwähnung finden sollte. Gemeint sind reborn nursery tours und themed reborn nursery tours. Auch wenn im Folgenden nicht näher auf das Phänomen reborn babies eingegangen werden soll (,das zunehmend Gegenstand von kulturwissenschaftlichen Studien und Dokumentarfilmen wird), ist es doch interessant zu beobachten, wie hoch der erzielte Adaptionsgrad zuweilen ist. Das gilt nicht nur im Hinblick auf die nurseries selbst (vgl. „*Reborn Baby Nursery Tour!*" (RebornBabyPassion 2012)), sondern auch auf die mediale Inszenierung des Alltags mit reborn babies. Unter vielen VloggerInnen bei Youtube hat es sich beispielsweise etabliert, ein"Day in the life of..." Video zu filmen, in dem sie ihre alltäglichen Routinen mit Baby/Kind zeigen (vgl. „A Day in the Life of a Teen Mom With 3 Kids Under 2" (GabeandJesss 2012c),"A day in the life of a stay at home mommy" (armeadors 2011)). Auch von Besitzern von reborn babies ist eine Vielzahl solcher Videos bei Youtube zu finden (vgl. u.a."(Sorta) Day in the life of Caylee" (heysweetieface 2011)). Selbiges gilt für sogenannte haul videos, die dazu dienen, die Ausbeute von Streifzügen durch department stores und shopping malls zu präsentieren (Baby:"BABY HAUL!!!!" (24ladys 2011), reborn baby:"Reborn clothing and accesssories haul pt 1" (flyscdiva 2011)) und in Ihrem konsumistischen Sendungsbewusstsein eine Aufnahme von Veblens Terminus"conspicuous consumption" (vgl. Zusammenfassung v. Gottdiener 2000: 6-10, Bosch 2010: 45-48) regelrecht erzwingen. Eine Steigerung erfährt eine solche Zelebrierung der (scheinbar immer nur noch weiter zunehmenden) Kommodifizierung von Schwangerschaft und Kindheit in den sogenannten baby showers, die sich auch in Deutschland wachsender Beliebtheit erfreuen. Die nursery tour von SillyConeBaby kann darüber hinaus als Exempel zur Beschreibung dessen dienen, was Beeck unter Rückgriff auf Potteiger/Purinton („Narrative refers to both the story, what is told, and the means of telling, implying both product and process, form and formation structure and structuration" (1998: 3, zit. n. Beeck 2003: 12)) als Doppelcharakter bzw."strukturelle Zweiteilung" (Beeck 2003: 12) von theming zu fassen sucht:
„In dieser strukturellen Zweiteilung des Narratives offenbart sich eine unendliche Vielfalt von Kombinationsmöglichkeiten von Geschichten und Erzählstrukturen, und dadurch können die verschiedensten Anforderungen an Raum nuanciert und umfangreich bedient werden." (ebd.)
Aus vorgenannter Setzung lässt sich folgendes Gedankenexperiment ableiten (, das zur Erklärung beitragen soll, warum für"getting the nursery ready" an Stelle von Stoffen mit applizierten Turnmotiven Lycrastoffe, Swarovski-Steine und Lacke als Gestaltungsmittel zum Einsatz gekommen sind): Für das theming von nurseries und der sich damit befassenden Analyse ist nicht nur der Grad der thematischen Determinierung von Bedeutung (erzielt durch die Quantität von kohärenten Motiven, oder in Anlehnung an Beecks Formulierung"Ikonen- und Erlebnisdichte per Quadratmeter" (Beeck 2003: 89) im Hinblick auf das Bellagio Hotel & Casino in Las Vegas : Anzahl der Motive pro Quadratmeter), sondern auch der Grad der"stilistische Determinierung". Der Ausdruck"stilistische Determinierung" wird im Folgenden (statt des von Beeck genutzten Begriffs"Kohärenz der Darstellung" (Beeck 2003: 11)) verwandt, um auf die Tatsache aufmerksam zu machen, dass theming immer auch eine Entscheidung für einen Darstellungsstil umfasst. Zum besseren Verständnis sei nochmals auf das nursery tour video von SillyConeBaby verwiesen: Der Grad der thematischen Determinierung des Zimmers ist vergleichsweise hoch. Um das zu verdeutlichen sind im Nachstehenden diejenigen Artikel mit Eulenmotiv (im Folgenden Motivträger genannt) aufgelistet, die während des Rundgangs zu sehen sind: Wolldecke, zahlreiche Wandtattoos, Wandteppich, Leinwand, Bettdecke und -kissen, Haken für Duschvorhang (wird als Gardine genutzt), Lampe, Tablett, Figur (Spardose?), Mobile, Stillkissen, Lätzchen, Kissen, Tasse, Windelbox, Wecker, Becherhalter, Babyschaukel, drei leichte Decken, Wandbehänge, einige Kuscheltiere und etwa zehn aus Socken gefertigte Eulen. Dem Gros der Motivträger ist dabei gemein, dass die darauf abgebildeten Eulen nicht naturgetreu sondern in einem stark vereinfachten, farbenfrohem und vor allem niedlichen Stil dargestellt sind. Mit der"Motive pro Quadratmeter Formel" verfügen wir über ein einfaches System zur Bestimmung des thematischen Determinierungsgrades. Einen Schlüssel zur Quantifizierung des stilistischen Determinierungsgrades zu erarbeiten, ist hingegen um einiges aufwendiger. Daher wird mangels Notwendigkeit für die weiteren Ausführungen im Folgenden darauf verzichtet.
Um ein erstes, wenn auch noch einfaches Analyseinstrument zur Bestimmung des universalen Determinierungsgrades von themed nurseries zu erhalten, ist den beiden genannten Kategorien noch eine weitere hinzuzufügen, die darüber hinaus einen besonderen Stellenwert für das Konzept von"getting the nursery ready" einnimmt. Gemeint ist die Kategorie der"seriellen Determinierung". Der Unterschied zu stilistischen Determinierung lässt sich am besten anhand eines Beispielvideos erklären: Auch wenn sich die auf den Motivträgern dargestellen Eulen im nursery von SilliyConeBaby stilistisch sehr ähnlich sind, gibt es Unterschiede in den Darstellungsweisen. Das bedingt die Tatsache, dass die Motivträger keiner einheitlichen Produktserie eine Unternehmens entstammen. Diese Differenzen in der Darstellung (Farben, Proportionen etc.) würden den Raum auch dann unruhig (oder aber, je nach Sichtweise,"lebendig" und"authentisch") wirken lassen, wenn sich weniger deteminierungsreduzierende Produkte (wie z.B. die durchsichtigen Schubladenschränke und Boxen aus Kunststoff, die den Blick auf die vielen verschiedenfarbigen Babyartikel freigeben,) im Raum befänden. Der US-amerikanische Markt bietet Abhilfe in Form sogenannter"crib sets", die neben einer Tagesdecke, einem Bettlacken, einem Nestchen, einem crib skirt (Sichtblende unterhalb der Matratze), einem (oder mehreren) Kissen, einer Schabracke (oder Vorhängen) und einem diaper stacker (textile Aufbewahrung für Windeln) je nach Preislage auch ein toy bag (textile Aufbewahrung für Spielwaren), ein Mobile, eine Lampe, einen laundry hamper (textile Aufbewahrung für Schmutzwäsche), einen Teppich, einen Lichtschalter sowie Bilder, Bordüren oder textile Wandgehänge umfassen. Eine nähere Erläuterung dessen, was mit serieller Determinierung zu beschreiben gesucht wird, erübrigt sich mit dem Verweis auf das sugar plum themed nursery von mrlux (vgl. auch folgendes Werbevideo zu dem crib set vita63640 2007):
„This truly was a Labor of Love as I've put alot of time and energy into this nursery for our soon to be daughter. I painted the room, put together to 4 in 1 crib set, decorated the walls, and installed the camera and monitor which is color and night vision. I am proud that our baby will be coming home to such a place of love and attention." (mrlux 2010)
Weitere Beispiele für nurseries, die über ein hohes Maß an serieller Determinierung verfügen, sind „Hello Kitty Nursery Room - Bees & Butterflies" (pinkcrystal79) und das monky themed nursery für GabeandJesss Zwillingsjungen Kaydon und Kyson. Die 20jährige Jessica erklärt ausführlich, welche Überlegungen (praktischer und finanzieller Natur) sie im Hinblick auf die Ausstattung der Babybetten ihrer beiden Jungs angestellt hat (, die eine geringfügige Reduzierung der seriellen Determinierung zur Folge haben):
„Here are the two cribs that match perfectly and I have these little monkey sheets. These are the sheets I was talking about that I got from Buy Buy Baby. And its not exactly the pop monkey theme sheets but they look exactly the same, [...], and I could only buy the pop monkey sheets online and these ones I found in store so I figured I might better buy these so I don't have to pay for shipping. And there is the blankets [...]. And I also bought the breathable bumpers instead of buying just a whole full set of the pop monkey theme that we are following. [...] I decided just to get some of these cute breathable bumpers and than just match everything to, like, the theme around it. So, its a lot cheaper [...]" (GabeandJesss 2012a)
Eine weitere Methode zur semantischen Programmierung von Raum hat in den vorangegangenen Überlegungen bislang keine Erwähnung gefunden: Thematische, stilistische und serielle Festschreibungen können auch erzielt werden, ohne auf plakative Motive zurückgreifen zu müssen. Vielmehr können an Stelle dieser auch kontextbezogene Materialien (aus dem jeweiligen thematischen Zusammenhang) die Rolle als visuell-strukturelles Merkmal und Kohärenz erzeugendes Ordnungsprinzip übernehmen. Diese Kategorie wird im Folgenden als materielle Determinierung bezeichnet. Im Hinblick auf nurseries findet dieses Verfahren jedoch nur selten Anwendung. Zum Einen hat das praktische Gründe, zum Anderen lässt die Themenwahl in vielen Fällen eine derartige"Verwertung" nur schwer zu (das gilt insbesondere für"Natur"-Themen). Ein Rückgriff auf industriell gefertigte Artikel ist häufig nur in dem Maße möglich, in dem man sich z.B. im Falle eines football themed nursery auf Dekorationsartikel wie Trikots, Bälle etc. beschränkt. Möchte man den thematischen Determinierungsgrad hingegen erhöhen, indem man auch Nutzartikel wie Bettwäsche, Krabbeldecken, Wickelauflagen, Vorhänge, Teppiche etc. themed, ist das meist nicht nur kosten- und/oder zeitintensiv, sondern im Falle von Produkten, mit denen das Baby unmittelbar in Kontakt kommt je nach Thema und damit Material auch höchstgradig widersinnig. Das heißt ganz konkret: Eine Nachttischlampe, deren Schirm mit Trikotstoff aus 100% Polyester bezogen und deren Fuß aus einem Footballschläger gefertigt wurde, ist nicht in ihrer Funktion eingeschränkt (vorausgesetzt natürlich, dass der verarbeitete Trikotstoff nicht leicht entzündlich ist). Anders verhielte es sich hingegen mit einem Bettset, dessen Bezüge aus jenen (Folien-)Lycrastoffen genäht würden, die in"getting the nursery ready" zur Verwendung gekommen sind. Denn zum Einen sind solche Stoffe nicht abriebfest, zum Anderen lassen sie sich maximal bei 40° C waschen, was gerade bei Babybettwäsche ein schlagendes Gegenargument sein dürfte. Eine weitere Funktionsbeschränkung ist darüber hinaus durch den Sachverhalt gegeben, dass sich der Stoff schon aufgrund seiner Klimaeigenschaften nicht als Bettbezug (oder als Bezug für Sportsitz und Autoschale) eignet.
Im Hinblick auf"getting the nursery ready" gilt es zudem festzuhalten, dass die Bestrassung mit Swarovski-Kristallen die Funktionalität der Artikel nochmals (im Falle sich lösender Strasssteine: Verschluckungsgefahr) reduziert, wenn sie auch im Gegenzug den Grad der materiellen Determinierung stützt und sogar erhöht. Es lässt sich also Folgendes konstatieren: In dem Maße, in dem der symbolische Wert (und damit auch die symbolische Gewalt) eines nursery's durch eine anwachsende thematische und materielle (und damit auch stilistische und serielle – das ist vor allem dann der Fall, wenn sich die materielle Determinierung auf ein Material aus dem jeweiligen Kontext beschränkt) Determinierung zunehmen würde, schwände der Gebrauchswert der vom theming betroffenen Babyprodukte bzw. des gesamten Babyzimmers (bis hin zur völligen Kulissenhaftigkeit wie sie in"getting the nursery ready" erzeugt wird).
Da nun hinreichend geklärt worden ist, warum eine solche, auf materielle Determinierung ausgelegte Methodik in nurseries selten Anwendung findet (und falls doch, dann meist nur partiell, in Form von Accessoires, z.B. Steuerrad, Anker und Rettungsring für ein sailboat themed nursery), kann im Folgenden, wenn auch nur umrisshaft, damit begonnen werden, einige verbleibende Punkte aufzulisten, die immer wieder Teil meiner Überlegungen zu"getting the nursery ready" waren, aber nur schwer in einen Rahmen zu fassen sind.
Bislang vernachlässtigt wurde die Frage danach, warum das Kunstturnen als Narrativ bzw. thematische Determinante für"getting the nursery ready" (als einem theming themed art piece) gewählt wurde. Zur Beantwortung dieser, ist es notwendig, das Pferd von hinten aufzuzäumen. Denn anders als es vielleicht zu erwarten wäre, war die Reihenfolge bei der Konzeptentwicklung nicht die zunächst Naheliegende, dass auf eine Auseinandersetzung mit nursery tours die Suche nach einem passenden Narrativ folgte. Vielmehr hat"getting the nursery ready" seinen Ursprung in einer eingehenden Beschäftigung mit dem den Elementen der Arbeit zugrundeliegenden Narrativ – der olympischen Disziplin women's artistic gymnastics (dt. Kunstturnen des Damen). Women's artistic gymnastics auf olympischen Niveau verfügt über einige Attribute, die recht schnell deutlich werden lassen dürften, warum die Wahl auf eben diese Sportart gefallen ist. Zwei seien hier in aller Kürze benannt: Mit dem Kunstturnen empfiehlt es sich (zumindest im Falle olympischer Ambitionen), möglichst früh zu beginnen. So ist es unter Leistungsturnerinnen (im Sinne von elite gymnasts) keine Seltenheit (ich beziehe mich im Folgenden vornehmlich auf US-amerikanische Turnprogramm), bereits im Alter von zwei bis vier Jahren mit dem Training zu beginnen. Im Vergleich zu anderen Sportarten enden die Karrieren im Gegenzug relativ früh (nicht selten bereits im Alter von 16-18 Jahren), was zu einem nicht unwesentlichen Teil mit den enormen körperlichen Belastungen (inkl. des hohen Verletzungsrisikos) zusammenhängt, die der Sport mit sich bringt. Ohne im Weiteren näher auf die genannten Punkte oder Unterschiede in den Förderprogrammen der einzelnen Länder eingehen zu wollen, sei zudem darauf hingewiesen, dass Kunstturnen verhältnismäßig viele Trainingsstunden erfordert. So ist es eher die Regel als die Ausnahme, dass elite gymnasts in den USA zwischen sechs bis acht Stunden am Tag trainieren. Das hat in vielen Fällen zur Folge, dass die Turnerinnen keine öffentlichen Schulen besuchen können, sondern homeschooled sind. Welche Auswirkungen solche Trainingspläne, die häufig nur Kurzurlaube von wenigen Tagen erlauben, auf das gesamte Familienleben haben, lässt sich nur erahnen. Hinzu kommt der enorme finanzielle Aufwand, den Eltern von elite gymnasts in den USA erbringen müssen (man bedenke: sechs - acht Stunden Training am Tag ergeben um die 144 -192 Trainingsstunden im Monat; in Ländern mit anderen Leistungsförderprogrammen entfällt dieser finanzielle Aspekt ggf.). Die vorgenannten Punkte scheinen manche Eltern dennoch nicht zu schrecken, wie folgender Forenbeitrag mit dem Titel"Best way to make my daughter an elite gymnast?" zeigt:
„My daughter is currently in classes in the YMCA. She is only 5 but they say she is already so advanced that they want to move her two classes up. She is built perfect for the sport. [...] Anyways, If she keeps up her interest in the sport and keeps loving it as much as she does now. How could i get her to the next level? I know its rare and way down the road but how could i get her on path to one day maybe going to the Olympics? [...] Gymnastics was all her idea she has fallen in love with it, i will do what i can to help she is vary driven for a 5 year old and has always been. I feel it would teach her great discipline but i see all these tv shows where gymnasts have eating disorders and kill there body's i don't want that." (Tiffany 2011)
Über die Beweggründe solcher pushy parents kann man indes nur spekulieren. Denn nur eine schwindend geringe Anzahl der Turnerinnen, die es nach jahrelangem harten Training und in der Regel vielen schmerzhaften Verletztungen tatsächlich schaffen, sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren, werden"reich und berühmt", auch wenn es selbstverständlich hin und wieder Turnerinnen gibt, die aus ihrem Erfolg auch finanziell Profit schlagen können.
Allen voran sei hier auf Shawn Johnson verwiesen. Johnson hat 2008 bei den Olympischen Spielen in Peking nicht nur die Silbermedaille mit dem US-amerikanischen Team, sondern auch den zweiten Platz im all-around (sie wurde im Vorfeld der Spiele als Favoritin für die all-around Goldmedaille gehandelt, nachdem sie sich schon im Jahr zuvor, im Alter von gerade einmal 15 Jahren bei den Weltmeisterschaften in Stuttgart den all-around Titel erkämpft hatte, unterlag aber am Wettkampftag ihrer Teamkollegin Nastia Liukin) und am Boden belegt. Am Schwebebalken gewann sie sogar Gold. Schon im Vorfeld der Spiele hatte Johnson mithilfe ihrer Managerin Sheryl Shade einige Sponsorenverträge (CocaCola, McDonalds u.a.) abschließen können, doch der Erfolg in Peking erhöhte ihren Marktwert um ein Vielfaches. Nach ihren Auftritten bei"The 2008 Tour of Gymnastics Superstars" entschied Johnson sich, mit dem Turnen zu pausieren und nahm 2009 an der populären TV-Show"Dancing with the Stars" teil, die sie (zusammen mit ihrem Tanzpartner Mark Ballas) gewann. Im Januar 2010 zog sie sich bei einem Ski-Unfall so schwere Verletzungen an ihrem linken Knie zu, dass eine OP zur Knierekonstruktion notwendig war:
„The doctor informed me that i had a slight tear in my acl and meniscus and needed knee surgery. For a girl who has never really had an injury before, this came at me like a brick wall. I wasn’t sure how to handle the news so i did what felt natural. I went straight from the doctor’s office to meet up with Coach Chow […] The one thing that scared me the most when this happened was that possibly i could not return to gymnastics even if i wanted to. Up until now, i’ve always had that option, so i’ve always been comfortable. The thought that option might be gone killed me!" (Johnson 2010)
Shawn Johnson hat nach erfolgreicher OP ein comeback gewagt, ist seit 2011 wieder Mitglied des US-amerikanischen Nationalteams und hat bei den Pan American Games im Oktober letzten Jahres den zweiten Platz am Spannbarren erturnt. Ob sie sich für die Olympischen Spiele wird qualifizieren können, ist bei der Talentdichte des Team USA indes höchst fraglich:
„When Shawn announced almost two years ago that she was going to try to mount a comeback for the 2012 London Games, many of her fans assumed she would be a lock for the U.S. Team. Shawn has known better, and for a long time. So have many gymnastics insiders. The knee she blew out in a skiing accident celebrating her 18th birthday was going to make it that much tougher. So would the extended time off from the gym. [...] in a frank and revealing conversation Friday, she acknowledged she very well might not make the 2012 U.S. team." (Abrahamson 2012)
Doch selbst gesetzt den Fall, dass sie nicht an den Olympischen Spielen in London teilnehmen werden wird, dürfte das comeback für sie, zumindest unter finanziellen Gesichtspunkten, ein voller Erfolg gewesen sein, hat sie doch einen weiteren Sponsoren für sich gewinnen können: Nike (vgl. Burridge 2011). Im Juni diesen Jahres wird ihr Buch"Winning Balance: What I’ve Learned So Far About Love, Faith and Living Your Dreams" (Johnson 2012) veröffentlicht, das eines jener Motivationsschriften zu werden verspricht, die Eltern wie Jennifer in ihrer Meinung zum Kunstturnen (als einem heilsbringenden Katalysator für die physische und psychische Entwicklung ihrer Kinder) nochmals bestärken:
„My kids have tried a lot of sports over the years. Baseball, soccer [...]. The more I watch my kids do gymnastics and the more I learn about gymnastics the more I believe that it is the best sport for children. In gymnastics a child will learn to perform complex movements with their bodies. This will give them confidence in all areas of their life. They will also learn lots of moves in a sequence that can sometimes be complicated. They then perform these routines in front of a crowd, both individually and in a group. This practice will help children gain experience in performing in front of an audience. I wish that I had this ability, if only to make public speaking easier for me. Gymnasts learn to follow instructions and listen to adults in a controlled setting [….]." (Jennifer k.A.)
In Anbetracht solcher Erfolgsgeschichten wie der von Shawn Johnson (oder ihrer"Rivalin" Nastia Liukin) und der wachsenden Bedeutung von controlled settings für Kinder, verwundert es nicht, dass Youtube eine Vielzahl an Videos mit Titeln wie"1 year old Baby Coco first year in Gymnastics" (ittiebittiedancer3 2010),"Baby Gymnast / Talia 1-1/2 yrs. Old" (frank61669 2009) oder"5 month old baby gymnastics conditioning" (frangi 2010) bereithält. Eine Recherche nach ähnlichen Clips, hat vor etwa eineinhalb Jahren letzten Endes zum ersten Kontakt mit themed nursery tour videos geführt. Das Konzept für"getting the nursery ready" gründet auf oben genannten Beobachtungen zur Kommodifizierung von Schwangerschaft und Kindheit, fußt aber im selben Maße auf Überlegungen zu Verinnerlichung struktureller Ordnungs- und Kontrollprinzipien (vgl. Bourdieu) und der Produktion bzw. Ausübung symbolischer Gewalt (, ob nun bewusst oder unbewusst) durch theming. Ausgehend von der aus dem oben angestellten Gedankenexperiment gewonnen These, dass die Strategie der materiellen Determinierung (beim selben Grad thematischer Determinierung) das höchste Maß an Kohärenz und damit einhergehend ein Maximum an symbolischer Gewalt erreicht, ist der Rückgriff auf Materialien aus dem Turnumfeld als Werkzeug zur semantischen Programmierung von Raum nur folgerichtig.
Warum die Entscheidung auf (Folien-)Lycra gefallen ist und nicht etwa auf ein anderes, ebenfalls kontextbezogenes Material, lässt sich bestens anhand zahlreicher Videos zeigen, die darauf verweisen, welche Bedeutung viele junge Turnerinnen den aus Lycra oder Stretchsamt gefertigten gymnastics leotards beimessen (vgl."Leotard Memories" gymCourt 2011,"gymnastics leotards" raeehardy 2011,"Gymnastics Leotards Fashion Show (WK 35.2)" Bratayley 2011,"gk gymnastics leos hall" 3Dgymnast14 2010). Denn women's artistic gymnastics ist zwar ein körperlich höchst anspruchsvoller und fordernder („If Gymnastics were easy, they would call it FOOTBALL!" TheEpicDynpicGymnast101 2012), aber nicht zuletzt auch ein hochgradig ästhetischer Sport.
5. Ausblick
Die vorangegangenen Kapitel haben einen Überblick zur Implementation dessen gegeben, was Ritzer und Bryman als McDonaldisierung und Disneyization der Gesellschaft zu bezeichnen suchen. Dabei wurde ein entscheidender Punkt bislang weitgehendst ausgeklammert, der im Rahmen der vorliegenden Arbeit (auch aufgrund von Parallelen zu den im Exkurs zu"getting the nursery ready" aufgeführten Determinierungsstragien zu Schaffung von Kohärenz) zwingend (wenn auch nur in Form eines skizzenhaften Ausblicks) Erwähnung finden muss, da er einen essentiellen Beitrag zur Verortung der weitreichenden Korrelationen zwischen Konsum, Kontrolle und Formen sozialer Praxis leisten kann:
„[...] der Trend zum Bau multimedial vermarkteter innerstädtischer Vergnügungszentren und romantisch inszenierter Wohnidyllen, den ich als Disneyfizierung der Städte bezeichne, wird immer stärker. In vielen Großstadtregionen finden sich Koalitionen aus Wirtschaftsförderern, Developern, Planern und Architekten, die mit solchen Vorhaben die Konsum- und Erlebniswünsche kaufkräftiger Schichten befriedigen wollen." (Roost 2001: 11)
Nun haben viele"Großprojekte der Entertainmentindustrie" (vgl. Roost 2001) wie sie Roost anhand der Umgestaltung des New Yorker Times Square oder des Potsdamer Platzes in Berlin analysiert nicht nur eine Umstrukturierung und semantische (Um-)Programmierung von (urbanen) Räumen zu Folge. Vielmehr geht eine radikale Neoliberalisierung des öffentlichen Raumes in Rahmen solcher Stadterneuerungsprogrammen zunehmend mit einer"präventive[n] und repressive[n] Aufrüstung gegen jedwede Form nonkonformen Verhaltens" (Eick/Sambale/Töpfner 2007: 9, Anm. d. Verf.) einher. Aufbauend darauf muss ein Diskurs zu Disneyization immer auch mit Blick auf eine"sicherheitspolitische Kontrolle und Disziplinierung von Urbanität – von Räumen und Bevölkerung" (Eick/Sambale/Töpfner 2007: 9) geführt werden und sich nicht auf eine"Kritik an historisierender Architektur und kitschigen Gestaltungskonzepten" (Roost 2001: 11) beschränken, womit wir an einem argumentativen Punkt angelangt sind, der die Diskussionen zu Suburbanisierung, Gentrifizierung, Fragmentierung und sozialräumlicher Polarisierung in seiner Relevanz für soziopolitische Diskurse zu Subalternität und hegemonialen Struktursystemen in vielerlei Hinsicht übersteigt – auch wenn den genannten Phänomenen als Teilmengen dieses komplexen Interdependenzsystems in Debatten über McDonaldisierung und Disneyization und deren weitreichenden Konsequenzen zu Recht ein Gros der Aufmerksamkeit entgegengebracht wird. In diesem Zusammenhang und zum Abschluss der vorliegenden Sondierung sei auf Neil Smith Aufsatz"Rächen und Renovieren: Vergeltung bei der Renaissance der Stadt" (Smith 2007) verwiesen, indem er ausgehend vom Revanchismus"der urbanen Eliten und gehobenen Mittelklassen gegen die Subalternen" (Eick/Sambale/Töpfner 2007: 27 f.) der 1990er Jahre und aufbauend auf die zero tolerance policy des ehemaligen New Yorker Bürgermeisters Rudy Giuliani, die auf das"Auslöschen jeglichen Anzeichens von Unordnung" (Smith 2007: 375) und damit auf die Verdrängung von Obdachlosen, Prostituierten oder anderer kriminalisierter Randgruppen aus dem urbanen Raum zielte, die Frage nach dem Status quo eines zunehmend globalen Revanchismus, der der Produktion und Sicherung von"kontrollierter Urbanität" (Eick/Sambale/Töpfner 2007) dienen soll, zu beantworten sucht. In diesem Zusammenhang macht Smith auf folgenden Punkt aufmerksam:
„Das New Yorker Polizeidepartment (NYPD), das eine entscheidende Rolle bei der Erzeugung des Revanchismus der 1990 Jahre gespielt hat, hat ein komplettes Modell zur Bekämpfung von Straßenkriminalität entwickelt. [...] ist COMPSTAT nicht einfach eine computerisierte Technologie für die Sammlung und Darstellung von Kriminalitätsstatistiken, sondern ein umfassendes System von ergebnisorientiertem Polizeimangement, das auf der Annahme basiert, dass jedes einzelne Straßenverbrechen geographisch dargestellt (Wirtschaftskriminelle können wegfallen) und so genannte Kriminalitätsschwerpunkte identifiziert werden können." (Smith 2007: 379)
COMPSTAT verkörpert die vier ersten McDonaldisierungs-Schlüsselprinzipien Effizienz, Quantifzierbarkeit, Vorhersehbarkeit und Kontrolle und hat vor allem eine"sanitization" (vgl. Disneyfizierung von Literatur etc.) des öffentlichen Raums zum Ziel, um neoliberal geprägte Stadterneuerungsprogrammme in ihrem Sicherheitsanspruch zu stützen. Als mcdonaldisiertes System mit festgelegten Standards ist es zudem gut reproduzierbar (vgl. Ritzer/Stillman 2003: 50), was Smith schlussfolgern lässt:
„Runde Zwei im globalen Zero Tolerance-Karussel – wobei die Insider des New York Police Department durch die Welt ziehen, um zu ihrer großen persönlichen Bereicherung für ˃das System˂ zu missionieren, während gleichzeitig aus aller Welt eifrige Polizeimanager in Scharen nach New York strömen, um das System in Aktion zu erleben – wird mit COMPSTAT eröffnet." (Smith 2007: 379)
Wie bereits anhand dieser kurzen Einführung zu Smith Ausführungen abzulesen ist, kann eine Analyse gegenwärtiger revanchistischer Konzepte entscheidend zu einer weiteren Klärung der Interdependenzen von Globalisierung, Amerikanisierung, McDonaldisierung und Disneyization (bzw. Disneyfizierung) beitragen. Dabei muss der Frage nach der Rolle städtischer Sicherheitpolitik und staatlicher Interventionen eine besondere Bedeutung beigemessen werden. Ausschlaggebend für ein sattelfestes Ergebnis ist darüber hinaus der Einbezug solcher empirischer Studien und theoretischer Positionen, die nach der sozialen Reproduktion von ideologischen Filtersystemen zum Ausschluss von Kontingenzen im privaten Raum fragen.
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2010 Jenseits des autonomen Subjekts. Zur gesellschaftlichen Konstitution von Handlungsfähigkeit im Anschluss an Butler, Foucault und Marx. Bielefeld: Transcript
Moldaschl, Manfred
2002 Unternehmergesellschaft oder McDonaldisierung? Zum formellen und substanziellen Wandel des Beschäftigungsverhältnisses. In: Hans Georg Zilian und Jörg Flecker (Hrsg.), Steuerungsebenen der Arbeitsmarktpolitik. München: 86-126
Peterson, Iver
1995 Let that be a lesson; Rutgers ousts a well-liked but little-published professor. New York Times, 09.05.1995: http://www.nytimes.com/1995/05/09/nyregion/let-that-be-a-lesson-rutgers-ousts-a-well-liked-but-little-published-professor.html?pagewanted=all&src=pm (Letzter Abruf: 29.04.2012).
Ritzer, George
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2011a Globalization. The essentials. Chichester: Wiley-Blackwell
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2011b The McDonaldization of America 6. Los Angeles u. a.: SAGE. [6. Aufl.]
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Ritzer, George und Stillman Todd
2003 McDonaldisierung, Amerikanisierung und Globalisierung: Eine vergleichende Analyse. In: Ulrich Beck, Natan Sznaider und Rainer Winter (Hrsg.), Globales Amerika?: Die kulturellen Folgen der Globalisierung. Bielefeld
Roost, Frank
2000 Die Disneyfizierung der Städte. Großprojekte der Entertainmentindustrie am Beispiel des New Yorker Times Square und der Siedlung Celebration in Florida. Opladen: Leske und Budrich
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2003 Die Ausgrenzung benachteiligter Bevölkerungsgruppen in Disneys Projekten Times Square und Celebration. In: Künstlerhaus Wien (Hrsg.), Site-seeing: Disneyfizierung der Städte? Berlin: 18-25
Scharrenbroch, Christine
2012 Vergrößerung des Freizeitparks. Streit um das Phantasialand. FAZ, 20.04.2012: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/menschen-wirtschaft/vergroesserung-des-freizeitparks-streit-um-das-phantasialand-11723263.html (Letzter Abruf: 28.04.2012).
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1999 Für den Abriss gebaut? Anmerkungen zur Geschichte der Weltausstellungen Hagen: Ardenku
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2007 Rächen und Renovieren: Vergeltung bei der Renaissance der Stadt In: Volker Eick, Jens Sambale und Eric Töpfer (Hrsg.), Kontrollierte Urbanität. Zur Neoliberalisierung städtischer Sicherheitspolitik. Bielefeld: 375-393
Vollmers, Florian
2010 Uni-Merchandising. Werbeträger mit beschränkter Wirkung. FAZ, 21.02.2010: http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/campus/uni-merchandising-werbetraeger-mit-beschraenkter-wirkung-1939478.html (Letzter Abruf: 29.04.2012).
Welsch, Wolfgang
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Witz, Anne M. , Chris Warhurst und Dennis P Nickson
2003 The labour of aesthetics and the aesthetics of organisation. Organization 10 (1): 33-54.
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Zukin, Sharon
1997 The cultures of cities. Cambridge, Mass. u. a.: Blackwell
Kuisel beschreibt die Situation für den Parc Astérix nach der Eröffnung des Disneylands Paris wie folgt:"Parc Astérix, which was based on the famous French Cartoon stories that featured Gaul Astérix and his sidekick Obélix who outwit the bumbling Romans – opened to crowds of 20,000 per day in April 1989." (Kuisel 2012: 160) und"The coming of the Magic Kingdom disrupted the French leisure industry. Parc Astérix was the hardest hit: attendance dropped to one million in 1992-93." (Kuisel 2012: 170)
Kurz vor Abgabe der vorliegenden Arbeit bin ich auf einen Artikel von Debouzy gestoßen, in dem sie betont, dass es nicht möglich sei, den Einfluss eines Besuches im Disneyland auf das Verhalten von Besuchern wissenschaftlich zu ermitteln:"How can we evaluate the americanizing force of Disneyland? We cannot. No scientific evidence is available, of course, to let us know wether people's experiences at the park influences their idea of leisure, fun, or whatever, how it ties in with other encounters with American mass culture products (TV series, etc.)" (Debouzy 2003: 31). Die Passage zu Harm G. Schröters Ausführungen bedarf demnach einer Überarbeitung.
Hancock führt in diesem Zusammenhang ein besonders drastisches Beispiel an:"Nor is it a critical text as we might understand it. The author appears tp pride himself in his social scientific objectivity; an objectivity that allows, for example, the siting of a Wild West themed McDonald`s close to the location of the concentration camp at Dachau to pass completely without comment" (Hancock 2005: 547).
Bryman konstatiert in diesem Zusammenhang:"They both provide viable accounts of some of the changes occurring in modern society. Neither provides a complete account but each is meant to offer a springboard for understanding some of the processes that are going on around us and to present capsule accounts of those processes." (Bryman 2004: 13).
Zum Konzept und der Entstehungsgeschichte der Siedlung Celebration (vgl. Roost 2000: 67-92). Vgl. auch den weiterführenden Artikel von Eilert zum Status quo der Siedlung:"Seit der Jahrtausendwende hat sich die Company allmählich aus Celebration zurückgezogen, das Herzstück, es besteht nur aus zwei belebten Straßen, wurde 2004 an eine private Holding verkauft." (Eilert 2011)
Bryman macht in Bezug auf reflexive theming auf folgenden Punkt aufmerksam:"Many company brands and logos become so distinctive that they become themes in themselves. They do not fit the definition of theming offered above when it was suggested that typically, the source of the theme is external to the institution or object to which it is applied." (Bryman 2004: 18)
Warum ein unternehmenseigener Sprachkodex erstrebenswert sein kann, erklärt das Disney Institut wie folgt:"The word performance also creates a singular image. If you are performing in a show, are you likely to be operating at a higher level than when you are busing tables at a restaurant? How we talk about work does make a difference." (Disney Institute 2011: 69)
Wobei es auch hier Einschränkungen zu beachten gibt, z.B. nimmt der Grad der thematischen Determinierung bei gleichbleibender Motivanzahl ab, je mehr Möbel und Utensilien hinzukommen.
Der höhere Aufwand kommt dadurch Zustande, dass innerhalb der stilistischen Determinierung nicht nur Grenzwerte für die verschiedenen Stile, sondern auch Kategorien (z.B. schwarz/weiß oder farbig) festgelegt werden müssten.