klassische Ökonomie

Die letzte Sause: Der sozial – industrielle Mechanismus

Update 02.10.2021

Es ist viel die Rede vom Ende des Neo-Liberalismus. Das ist ziemlich oberflächlich. Es ist eher so, dass die sogenannte Liberalisierung, hinter der sich eigentlich Finanzialisierung verbirgt einfach eine Runde komplett abgeschlossen hat. Erfolgreich, denn heute ist ein Kapitalismus ohne Finanzialisierung nicht mehr zu denken. Der Handlungsspielraum der alten Staaten ist stark eingeschränkt, die erfolgreichsten Unternehmen der Welt, dies sind Unternehmen, die die Finanzialisierung perfekt vollzogen haben.

Die oft beschworene Wiederkehr des Staates ist eine politische Narration, die sich nicht in die Tat umsetzen lässt, wenn man an der Wirtschaftsordnung festhalten will, national als einzelner Staat kann er sich aber auch nicht dieser Wirtschaftsordnung entziehen. Deutschland erst recht nicht. Warum ist das heute so richtig, wie nie zuvor? Es liegt an der Finanzialisierung der Produktion, die das Kapital vorwiegend nomadisch wie nie zuvor machte. Wenn es nun um anstehende Reformen geht, dann kann man nicht ohne Weiteres Reformstrukturen schrauben wie früher. Marktdynamiken müssen berücksichtigt werden. Das ist was ganz anderes als das von Scholz herangezogene Beispiel der Schmidtregieung, die das BAföG einrichtete. Man braucht nun Reformen, die vorwiegend den Markt und die Unmöglichkeit grenzenlosen Wachstums adressieren.

Alles, was Staaten heute tun, das hängt vom Wachstum der Unternehmen ab, die in dem Staatsgebiet ansässig sind und Steuern und Sozialabgaben zahlen. Die Leistungen steigen aber auch und es kommt durch die Demografie in vielen Systemen zu Verwerfungen, nicht nur bei der Rente, auch bei allen anderen Sozialversicherungen. Die Sozialversicherungen brauchen Wachstum der Einnahmen, was wiederum am ökonomischen Wachstum hängt, es muss jeder Generation besser gehen, als der Generation zuvor, damit die aktuelle Generation die Lasten durch die Vorherige tragen kann. Wenn dies nicht mehr der Fall ist, dann kann man noch so viel ändern, da es sich um Wachstumssysteme handelt, brechen sie dann zusammen. Stoppen wir das Wachstum nicht, dann bricht auch alles zusammen.

FDP und Grüne sollten Stärke zeigen, das ist wichtig für die Zukunft. Die Grünen sollten ROT/GRÜN Muster unbedingt vermeiden. Die FDP dagegen sozial-liberale Muster, denn die Zeiten haben sich geändert. Außerdem ist das Wahlergebnis kein Grund eigenen Führungsanspruch dem der SPD unterzuordnen. Das wäre ein fataler Fehler.

Die SPD hat ohne eigenes Zutun mit Sozial Phrasen, aber vor allem mit einem konservativen Kandidaten die meisten Stimmern als Einzelpartei erhalten. Scholz inhaltliche Positionen sind letztlich nicht ernsthaft bekannt. Das 3. schlechteste Ergebnis bei einer Bundestagswahl, eine Wiederholung von 2013. Daraus kann man keinen Neuanfang stricken, sondern nur Aufschub, zumal sich auch bei den Mitgliedern nichts tut und der Duschschnitt noch höher ist als bei den Wählern. ( 2021 25,7%, 2017 20%, 2013 25,7%, 2009 23% ) Ein Abstieg mit Auf und Ab – wie bei der Union. Die SPD hat also viel weniger von Laschet und Baerbock profitiert als es möglich gewesen wäre. Ihre Wähler sind mehrheitlich über 50 White Trash aus alten gesellschaftlichen Formationen. Daraus kann man angesichts der gesamten Zersplitterung keinen Wahlsieg generieren, der besondere Stärke oder inhaltliche Überzeugungskraft zeigt. Erst recht kann daraus kein inhaltlicher Führungsanspruch abgeleitet werden.

Das hat nur das Ende der klassischen Sozialdemokratie in Deutschland herausgezögert, bezogen auf den linken Flügel. Doch die SPD wird eine andere werden müssen, wenn sie wirklich leben will. Das deutet sich in Berlin mit der verschwurbelten Gemütlichkeit- und Heimatpolitik der Giffey bereits an. Das ist aber keine klassische Sozialdemokratie, es ist eigentlich typische Unionspolitik bezogen auf eine kleinbürgerliche Identität, die sich aus „Werten“ speist. Mutti reloaded in Blond und Talentfrei. Hauptsache kuschelig, heimelig vor der bösen Welt schützend.

So sehr es sich Retro Leute wie Kühnert oder Esken auch wünschen, die gesellschaftlichen Grundlagen für eine klassische sozialdemokratische Politik sind nicht vorhanden. Schon jetzt ist vieles sehr moralisch, was aus dieser Ecke kommt. Über Finanzierung so mancher „Wohltaten“, auch während der C Krise, ist bisher nicht gesprochen worden.

Insbesondere ist ein Problem, dass der Kapitalismus mittlerweile komplett durchfinanzialisiert ist. DEr Staat aber kann seine Einnahmen rspkt. Umsätze nicht finanzialisieren. Dies bedeutet keineswegs, dass es so etwas wie ein Finanzkapital gibt, es bedeutet, es gibt nur noch finanzialisiertes Kapital.

Finanzialisierung bedeutet alles wird „angelegt“ und ist nur via Finanztechnologie vermittelter Eigenschaften auch tatsächlich ein Eigentum an Produktionsmitteln. Populäre Formen sind Leasing, Einkauf von Rohstoffen über Rohstoffbörsen, Just in Time, Kredite für die erzeugten Produkte, etwa Autos, die von den Produzenten über eigene Finanzialisierugsstrukturen vermittelt werden, die Aktie und Derivate, Pensionsfonds etc. Es gibt also kein physikalisch-persönliches Eigentum an Produktionsmitteln mehr.

Die finanzielisiert Form der Arbeitskraft ist die Scheinselbstständigkeit, Leiharbeit, Ketten von Subunternehmen etc.. Das wird oft als Herrschaft des Finanzkapitals völlig falsch interpretiert, insbesondere auch von der kleinbürgerlichen Linken. Tatsache ist, dies ist ein Prozess, der von den Produzenten und nicht von den Banken etc. angetrieben wurde und wird, die Rolle der Banken ist die des Ausführenden, desjenigen, der bestimmte Dienstleistungen entwickelt und zur Verfügung stellt, die die Produzenten brauchen.

Auch die Produkte selbst werden finanzialisiert, in vielen Prospekten und Werbeanzeigen wird der reale Eigentumspreis nur noch klein angezeigt, relevant ist der finanzialisierte Preis in Form von Kleinraten. So erreichen die Produzenten einen Besitzerwechsel, halten das Kapital aber von vornherein finanzialisiert in schneller Bewegung, denn was wechselt ist nicht mehr das reale Produkt, sondern es wird an eine Finanzialisierungsstruktur übergeben, die das Eigentum stellvertretend für den Kunden verwaltet und zuteilt, damit wird nicht nur ein Geschäft gemacht, sondern der Umschlag in Kapital wird gleichsam vorgezogen, und darum geht es auch, es geht darum nicht einen Fernseher zu kaufen, sondern einen finanzialisierten „nomadischen“ Fernseher.

Das ist allerdings nur die B2C Seite, doch dieses Spiel mit Erwartungen kommt eigentlich aus dem B2B und wurde für B2C adaptiert. Vorschnell, wie die Immo SWAPS es zeigten. Doch ist es wirklich so einfach?

Es gab die ursprüngliche Aneignung von Produktionsmitteln durch den Adel nach der bürgerlichen Revolution 1789. Da hatte der Adel Vermögen, kein Kapital, denn es kam aus der Ausbeutung der Bauern, einfach ein Haufen Geld, denn es konnte nicht über die natürlichen Grenzen der Landwirtschaft hinaus wachsen, es wurde mehr, aber es gab kein Wachstum des Kapitals selbst.

Dazu brauchte man die Fabrik. Und so kam es häufig vor, das Adelige von ihrem Geld in die Industrieproduktion einstiegen, das waren Investitionen – es wurde Geld ausgegeben, um Waren zu erzeugen und wieder Geld einzunehmen, mit Gewinn, dieser Gewinn der nach allen Kosten bleibt, wenn er reinvestiert wird, um zu einem größeren Gewinn zu werden ist, Kapital, und es ist unabhängig von der vergangenen Form seiner Erzeugung, kann genommen werden, um was anderes zu tun.

Spulen wir vor, wenn heute neue Player den Markt betreten, dann haben sie nicht eigenes Geld, schon gar kein Kapital, sie leihen sich Geld und kaufen davon was sie brauchen, die Produktionsmittel, mit denen sie dann in den Kreislauf einsteigen und Arbeitskraft und alles andere finanzialisiert zusammenstellen. Selbst wenn sie eigenes Vermögen haben, wären sie bescheuert, wenn sie es investieren würden, sie sollten es lediglich als Sicherheit einsetzen um günstigeres Geld, Kapital anderer, zu verwenden.

Auch wenn neue Produktionsmittel beschafft werden müssen (Maschinenbau), nimmt man dazu nicht das erwirtschaftete Kapital in die Hand, sondern erzeugt Erwartungen, die dann dazu führen, dass finanzialisiertes Kapital irgendwo herkommt, um die Mittel temporär zu betreiben.

Mit anderen Worten, zwischen Kapital und „Finanzkapital“ hat noch nie ein Stück Papier gepasst. Sie brauchen einander, denn ohne sie wären die Margen, Profitraten inzwischen so niedrig, dass gar nicht mehr produziert werden würde, oder nur noch als reine Staatswirtschaft, wie in China. In der Praxis wird ja nicht produziert, um ein Produkt zu machen, sondern um irgendwie Kapital zu erzeugen. Also finden wir „unfinanzialisierte“ Formen nicht mehr, es kommt aber zu Verwechselungen.

Beispielsweise bei Handwerkern, kleinen Händlern etc., diese verfügen zwar über handwerkliche Produktionsmittel, auch Arbeitskraft, aber sie finanzialisieren nicht, und sie haben in der Regel kein Kapital, sondern allenfalls Vermögen. Ihr Zyklus sieht fast immer anders aus: Sie tauschen Arbeit gegen Geld und Geld wieder in Ware, finito. So sähe auch ein nicht finanzialisierter Kapitalismus aus, er wäre gar nichts außer ein Slum der subsidiären Wirtschaft. Der Kapitalismus finanzialisiert um ein Höchstmaß an Unabhängigkeit von Nationen, Geschwindigkeit, Produktivitätsmaximierung zu erreichen, um die Neubildung von Kapital zu beschleunigen. Auf dem Niveau auf dem wir uns befinden ist im Prinzip abgeschlossen, was mit Reagan und Thatcher den Spätkapitalismus einläutete (Spät heißt nicht, dass es nicht noch Hunderte Jahre weitergeht)

In der Praxis führt es zu dem, was das CAE gut auf den Punkt bringt:

In der Art und Weise, wie Macht repräsentiert wird, unterscheidet sich der Spätkapitalismus wesentlich von anderen politischen und ökonomischen Formationen. An die Stelle eines einstmals soliden Sediments der Macht treten nomadisierende Formen, ein elektronischer Datenfluss, die computerisierte Verwaltung des Wissens und der Information, in der die institutionellen Zentren des Kommandos und der Kontrolle kaum mehr auszumachen sind.

Critical Art Ensemble. „Elektronischer Ziviler Ungehorsam.“ In: nettime (Hrsg.). 1997. Netzkritik. Materialien zur Internet-Debatte. Berlin: Edition ID-Archiv, S. 37-47.

Genau, schön auf den Punkt gebracht, in einer Zeit als die Finanzialisierung des Kapitals und der Produktionsmittel begann 1997. Das Kapital ist für die klassische sozialdemokratische Politik in der Realität ungreifbar geworden. Aus dieser gefühlten aber nicht anerkannten Hilflosigkeit entwickeln sich die Märchen vom Finanzkapital, von der besseren Welt durch Steuern etc, Müntefering und seine Heuschrecken, um überhaupt noch eine eigene Wirkmächtigkeit vormachen zu können. Und so wundert es wenig, dass auch Scholz in Fragen der Besteuerung von einer Unmoral spricht, das macht man nur, wenn man nichts anderes mehr in den Händen hält. Das werden wir bei der Praxis der „Globalsteuer“ erleben, falls sie überhaupt kommt.

Dieses seltsame „aus der Welt gefallen“ sein der SPD, das sollten FDP und Grüne, die zusammen stärker sind, vor allem viel jünger, so schnell wie möglich als ihr politisches Kapital verstehen. Inhaltlich steht die SPD am Abgrund, weil sie ideologischer und verträumter ist als je zuvor. Eine gute Situation, denn die Aufstellung von Grünen und FDP ist wesentlich stabiler und rationaler, hängt nicht an einer Laune und der Schwäche des Gegners.

Man sollte der SPD aus einer Position der Stärke heraus begegnen, auch wenn sie eine so große Klappe hat, wie lange nicht, hat sie keine gesellschaftliche Bedeutung mehr, die mit der Rolle in der Vergangenheit vergleichbar wäre.

Dazu hat sie selbst mit der Hartz Reform am meisten beigetragen.. Ihre Themen sind nicht vorhanden, sind ideologisch, das hat mit Arbeit, Staatsfinanzen, Sozialversicherungen und Gewerkschaften zu tun.

Das sind letztlich die Fragen, die auch die Klimapolitik entscheiden. Identitätspolitiken dagegen sind Bullshit. Genau diese aber bedient auch die SPD, das führt zu einer Virtualisierung, die rational realistische Themen weiter aufschieben wird. Bei Merkel war es die Moral, bei der SPD ist es Identitätspolitik. Wer aber etwa den Klimaschutz aus einer politischen Welt der Ankündigungen, der Absichtserklärungen, der Fristen und Wünsche, wie wir sie auch in Glasgow wieder erleben werden, auf den Boden der tatsächlichen Maßnahmen bekommen will, der muss die sozialen Systeme unabhängig von schädlicher Arbeit machen. Klimaschutz fängt bei der Modifizierung der Sozialsysteme an, sie müssen lernen, ohne das alte (grüne) Wachstum, an dem sie zu 100 % hängen, auszukommen. Ansonsten steigen wir in ein sog. grünes Wachstum ein, und werden erleben, dass zwar die End of Pipe Emissionen in den Industrieländern sinken, um den Preis. dass sie überall sonst steigen werden, immer weiter und weiter. Zudem wird die Atomkraft dann der Wachstumsschlüssel und alle sonstige Umweltzerstörung geht weiter. Für die politische Welt würde es bedeutet, dass sie immer ideologischer und wirklichkeitsferner werden muss.

Das Ergebnis liefert auch keine Grundlage für eine Führungsrolle innerhalb einer Ampel, da sollte man auf die üblichen Macho Gebärden der Genossen nicht hereinfallen Es muss aufgepasst werden, wo Wunsch und Wirklichkeit auseinanderklaffen.

Update Ende

Die mangelnde Diversität und die in Oligopolen mit staatlichen Eingriffen organisierte Industrie, die insbesondere als Autoindustrie ihre Karren schon seit Jahrzehnten nur mit staatlicher Hilfe loswird und überhaupt noch lebt, weil wir dafür bezahlen, arbeiten zu dürfen, ist der Spiegel der politischen Verkrustung.

Die aktuellen Kurzarbeiterzahlen haben nichts mehr mit Corona zu tun, sondern mit Problemen bei der Vorproduktion. Diese Probleme sind schon Ausdruck mangelnder Diversität, aber realisieren erst einen kleinen Teil des enormen Klumpenrisikos. Wenn es den Chinesen gefällt, dann stehen alle Bänder in Wolfsburg, Köln und sonst wo still. Von der Corona Kurzarbeit direkt in die Vorproduktion Kurzarbeit – Hurra!

Die Leute halten es für eine Erfolgsstory, dabei sind auch die gesamten Sozialversicherungssysteme von diesen alten Industriejobs abhängig, denn bei Dienstleistung und Niedriglohn zahlen die Systeme mehr als sie einnehmen. Und nun werden zu 50 % die Parteien gewählt, die daran nichts ändern wollen, können und werden, die SPD hat doch dieses halbstaatliche System bezogen auf die alte Industrie erst hervorgebracht, weil es ihre Basis bildet. Doch auch die Gewerkschaften sind längst auf dem Altenteil und ziehen keinen toten Fisch mehr vom Teller. Die CDU war für den Wunderteil zuständig, die alte Industriepolitik, die, wenn sie zu wild wurde, durch die SPD zurückgebunden wurde. Aber nicht an ein soziales System, sondern an eine Sozialbürokratie. Beide grundlegenden Politiken bezogen auf die Ökonomie und die Sozialbürokratie sind objektiv nicht mehr möglich, aber sie werden die Sau Soziale Marktwirtschaft wieder durchs Dorf treiben, weil sie nichts Besseres haben. Die Industrialisierung Deutschlands wird zu einer Deindustrialisierung, und damit ist klar, dass die Industrialisierung, im Gegensatz zu dem, was die SPD glaubt, keine automatisierte Erfolgsstory der Arbeiterklasse, der Angestellten, sondern der Bosse war, ist und bleibt. Es ist fatal nun eine Partei, zwar nur noch mit 25 %, zu haben, die immer noch diesen „German Dream“ träumt, der im klaren Widerspruch zu den Anforderungen der Zeit steht. Damit bleibt ihnen nur das Märchen von der grünen Industrie, vom grünen Wachstum.

Deutschland verlagert alles immer an die nächsten Generationen, bis die Substanz, von der es zehrt, aufgebraucht ist. Schon jetzt ist es eine Mär, dass Deutschland eine stabile Mittelschicht hat, sie bricht längst, wie in alles anderen Industrieländern, zugunsten des Prekariats weg. Mit dem weiteren Verschwinden der strukturell veralteten Arbeitsplätze der Industrie wird sich dieser Prozess beschleunigen.

Das System der Zwangsarbeit

Hieraus hat sich in Teilbereichen ein regelrechtes Zwangsarbeitssystem gebildet, oder besser Zwang zur Arbeit System, weil es darum geht leere Summen zwischen Kassen hin und her zu schieben. Der Klassiker ist im Niedriglohn zu finden, es gibt ihn in anderer Form aber auch in der alten Industrie. Merkmal dieses Systems ist, dass die Kosten der Arbeit nicht bezogen auf ihre gesamtgesellschaftlichen Folgen angeschaut werden.

Eine Krankenschwester kann alleinig nützlich sein, ihr Job erzeugt so gut wie keine störenden Interferenzen in irgendwelchen Systemen. Sie ist aber wesentlich schlechter bezahlt als ein Facharbeiter bei VW, und auch was die Lohnnebenleistungen angeht wesentlich schlechter dran. Der VW Job erzeugt viele schädliche Interferenzen, dies in Systemen, die gerade in der Allgemeinheit gehören. Oder die Reinigungskraft, die hin und wieder Hartz bezieht und hin und wieder im Niedriglohnbereich arbeitet, sie soll auf jeden Fall arbeiten, obschon diese Arbeit im Alter für sie und die Gesellschaft unter diesen Umständen eine große Qual wird.

Das alles gehört zu einem alten Denken, in dem Arbeit mit Ehre, Glück und Erfolg gleichgesetzt wurde. Jeder Generation soll es besser gehen als der Vorherigen. Das ist die Idee der SPD, weil sie das Glück auf die Enkel schiebt, was wenn es den Enkeln schlechter geht? Also hat man alle Systeme auf diese Arbeit gebaut, nun sind aber Voraussetzungen um so wirtschaften zu können weg. Seit Langem wird versucht, die Soziale Marktwirtschaft aufrechtzuerhalten, obschon klar ist, dass ihre Fundamente nicht mehr existieren und nicht mehr existieren können. Daraus wurde Zwangsarbeit, Arbeit um der Arbeit willen, um Summen hin- und herzuschieben, die spätestens im Alter ein dickes Minus ergeben, und zwar für alle. Insbesondere für die natürlichen Ressourcen. Das ist aus dem SPD Traum der gerechten Arbeit im Kapitalismus geworden, und aus dem CDU Traum wurden Oligopole, die eng mit dem Staat verwoben sind.

TESLA in Grünheide steht genau dafür, denn dort ist die Definition eines Bandarbeiters was völlig anderes als bei VW, das ist der eigentliche Druck den z.B. TESLA macht. Kaum jemand, der sich heute in der Blase eine Immobilie kauft, wird es erleben, dass er seinen Bankkredit noch abbezahlen kann. Und genau das ist eine der Sollbruchstellen des unteren Mittelstandes, sie werden nicht mehr die Teilhabe am Wohlstand erleben, wie ihre Eltern, das ist das eigentliche Problem. Es ist aber auch der Grund, warum die Radikalisierung immer mehr zunehmen wird. Darauf hat keine einzige Partei ein plausible Antwort, weil diese Antworten das Ende der homogenen politischen Blöcke voraussetzen. Jede Koalition wird dieses Prozess nur verkleistern, aber nicht angehen können. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Gleichzeitig ist diese Angst der unteren Mittelschicht einer der Haupttreiber einer völlig falschen Klimapolitik, und der Kreis schließt sich, denn insbesondere auch Fridays sind diese Fragen vollkommen egal und sie kalkulieren sie nicht mit ein. Doch wenn die Menschen vor der Wahl stehen, dann interessiert sie nicht, was die Wissenschaft sagt, sondern was ihr Bankberater sagt. Es gibt keine belastbaren ökonomischen Vorstellungen in der gesamten Klimabewegung, dies wird sie scheitern lassen, auch, so sicher wie das Amen in der Kirche, oder nehmen wir doch mal den Muezzin auf dem Minarett.

This post was last modified on 16. Oktober 2021 13:25

mr. & mrs. swashmark

Recent Posts

  • swashmark spotting

An der Ampel stehen

Puh, Gott sei Dank kommt das Tempolimit nicht, ich hätte das nie geschafft 130 zu… Read More

15. Oktober 2021
  • rare grooves box

Muezzin für Köln / Neulich auf dem Muezzin Wettbewerb: Nr. 5 weiß zu beeindrucken

1. Kein Muezzin vom Tonbandgerät 2. Keine einfache Lautsprecheranlage, sondern Hi-Tech mit Toningenieur 3. Es… Read More

14. Oktober 2021
  • Artefakte der IT-Archäologie

Endlich Autonomes Fahren komplett

urg vorgestellt wurde. Ein junges Start-up hat eine brillante Lösung für vollautonomes Fahren entwickelt, mit… Read More

11. Oktober 2021
  • swashmark spotting

Die konservative Illusion – Theologie statt Politik: Alternativlos als einziger „Wert“ der „Werteorientierung“

Wer dem Pöbel gibt, was er haben will, der richtet das Land zugrunde. Die Mehrheit… Read More

8. Oktober 2021
  • klassische Ökonomie

Westbalkan Initiative: Legalize Erdbeereis / Leafly Report 14/2021: 321.000 Vollzeit Jobs allein in den USA

Der jährliche Leafly Jobs Report, der in Zusammenarbeit mit Whitney Economics erstellt wurde, ist die… Read More

6. Oktober 2021
  • rare grooves box

[ rare grooves ] Tracy Chapman – Fast Car – 12/4/1988 – Oakland Coliseum Arena

https://youtu.be/IxXO2ybSvfg Read More

6. Oktober 2021

This website uses cookies.